Schuttertal

Gegen den Trend: Männerchor Schuttertal wächst auch weiterhin

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

So, 05. März 2017 um 11:14 Uhr

Schuttertal

Gleich mehrfach ungewöhnlich: Der MGV Schuttertal bildet in der Chorlandschaft in Deutschland mit seiner großen Mitgliederzahl und seiner Altersspanne eine große Ausnahme.

Der Männergesangverein (MGV) Schuttertal hebt sich gleich doppelt von anderen Chören ab: Da ist zum einen die große Mitgliederzahl und zum anderen der ungewöhnlich hohe Anteil an jungen Sängern. Die Altersspanne reicht von 16 bis fast 90 Jahre. Während landläufig viele Chöre keinen Nachwuchs mehr finden und um ihre Existenz kämpfen müssen, singt man sich in Schuttertal erfolgreich durch viele Generationen. "Wir singen auch Denglisch", sagt Hermann Himmelsbach, der mit 89 Jahren noch sichtlich mit Spaß dabei ist.

"Bei uns wird auch Denglisch gesunden." Hermann Himmelsbach
Beim Gespräch mit vier Sängern sitzen drei Generationen an einem Tisch. Sie haben ein gemeinsames Hobby: Sie treffen sich wöchentlich zum Singen im Chor des MGV: Hermann Himmelsbach (89), Josef Beck (37), Paul Himmelsbach (16) und Simon Schwab (16). Dabei geht es humorvoll zu, und es wird schnell deutlich, dass hier das Alter keine Rolle spielt. Im Gegenteil. Was ist in Schuttertal anders, dass es kein Nachwuchsproblem gibt?

Altersspanne von 16 bis 89 Jahre

Mit 70 Sängern und einem Altersdurchschnitt von 38 Jahren steht der Chor exzellent da. Und auf der Bühne zeigt er eine ausdrucksstarke Präsenz. Zum MGV gehört auch das Theater an Dreikönig, bei dem vor allem die jungen Sänger mitwirken. Es hat etwas von einer Familie, in der die Tradition des Singens – und Theaterspielens – an die Söhne weitergereicht wird. Das bestätigt Paul Himmelsbach, der durch seinen Vater schon von klein auf im MGV involviert war. Er fand die Gemeinschaft immer gut. Beim Theater spielt er mit, seit er acht Jahre ist. Auch Simon gehört der Theatergruppe an. Die Jungsänger kennen sich oft schon von Kindheit an, gingen zusammen zur Schule oder sind sogar Freunde, erzählt Paul. Ein wichtiger Aspekt ist für den 16- Jährigen auch der Dirigent Udo Wendle: "Er ist ein Dirigent mit Pep. Und wir haben eine große Bandbreite an Liedgut. Es ist toll, dass ältere Leute moderne Lieder singen und wir Junge umgekehrt alte Lieder."

Auch Simon Schwab kam – wie sein Bruder Manuel – über Verwandtschaft zum Chor. Sein Onkel Gerhard Himmelsbach ist im Vorstand des MGV und hatte seinen Neffen immer wieder aufgefordert, doch mal reinzuschnuppern. Das tat er dann: "Die Proben haben mir gefallen, und ich bin geblieben. Mir gefällt auch die Gemeinschaft zwischen Jung und Alt."

Die Jugend ist stark vertreten

Da schleicht sich die Frage ein, ob heute junge Männer sich nicht eher genieren, traditionelle Lieder und dazu noch in einem herkömmlichen Männerchor zu singen. Für Paul Himmelsbach und Simon Schwab stellt sich diese Frage nicht: Die Jugend im MGV ist stark vertreten, sagen sie schlicht. "Man kennt jeden von klein auf. Und auch das traditionelle Liedgut hat was", sind sich beide einig.

An dieser Stelle mischt sich Senior Hermann Himmelsbach ein: "Der Simon steht beim Singen neben mir. Das hat der Dirigent so veranlasst", sagt er augenzwinkernd. Auch der 89-Jährige ist mit dem MGV seit seiner Jugend verwachsen. Er erlebte die Zeiten mit, als der Chor nach dem Zweiten Weltkrieg 1949 wiederbelebt wurde. Damals habe man mit 20 Männern an Festtagen in den Gasthäusern Adler oder Krone gesungen und Kirchenfeste umrahmt. Und: "Nach den Proben im Adler ist es auch mal zwei Uhr nachts geworden. . .. " Anekdoten wie diese amüsieren Paul und Simon, die im Gespräch immer wieder mal lachen müssen.

"Nach den Proben im Adler ist es auch mal zwei Uhr nachts geworden. . .. " Hermann Himmelsbach
Hermann Himmelsbach hat sich stets den Veränderungen und Zeiten angepasst, sagt er: "Bei uns wird auch Denglisch gesungen." Und wieder lachen seine jungen Kollegen. Doch dann wieder ernst: "Wir singen russisch, afrikanisch, hebräisch und englisch." Dafür stehe der Text im Wortlaut auf dem Notenblatt. "Es gab auch Männer, die sich geweigert haben, international zu singen und ausgetreten sind", erinnert sich der Senior.

Flexibilität zieht den Nachwuchs an

Er selbst empfinde es als Genuss, mit der Jugend zu singen. Diese Flexibilität im Chor, glaubt er, trage auch dazu bei, immer wieder Nachwuchs zu motivieren. Und noch etwas: Alle Vorsitzenden hätten sich nie gescheut, von Haustür zu Haustür "Klinkenputzen" zu gehen, um junge Sänger zu gewinnen.

Auch Josef Beck, der seit 22 Jahren im MGV und in der Gesprächsrunde das mittlere Alter vertritt, wurde als Teenager angeworben. "Der Chor gehört zu meinem Leben. Es ist einfach schön, wenn junge Leute nachkommen, Spaß haben, und auch Disziplin zeigen." Für ihn sind die Altersmischung, das Wechselspiel von Jung und Alt und die Harmonie mit dem Dirigenten das Erfolgsrezept. "Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn wir auf die Bühne kommen, und man den Leuten vorne ansieht, dass sie denken: Wie viele kommen da noch? Das macht einen sehr stolz", sagt Josef Beck.