Mit Säge, Axt und Muskelkraft

Wolfgang Künstle

Von Wolfgang Künstle

Mo, 30. Juli 2018

Schuttertal

Bei den 40. Holzfällermeisterschaften in Schuttertal sichert sich Lokalmatador Markus Vögele den zweiten Platz.

SCHUTTERTAL. Bei den 40. Holzfällermeisterschaften in Schuttertal sind am Sonntag wieder viele Späne geflogen. Was als Gaudiwettbewerb für Leute aus dem Dorf begann, ist im Lauf der Jahre zu einer internationalen Veranstaltung g

eworden. Lokalmatador Markus Vögele schaffte es diesmal auf Rang zwei.

Ob Herr Vögele kurz Zeit hätte für ein paar Fragen, will der BZ-Mitarbeiter wissen. "Während des Wettkampfes ist das schlecht", erklärt ein Helfer. "Er muss sich auf den nächsten Wettbewerb konzentrieren, ein Interview würde ihn aus der Konzentration bringen." Anton Vögele selbst steht daneben, wirkt abwesend. Wenn einer weiß, wie der Hase läuft, dann er. Seit 40 Jahren besteht der RSV Schuttertal, seit 40 Jahren werden die Holzfällermeisterschaften ausgetragen – und zum 40. Mal ist der 56-Jährige dabei.

Vieles hat sich verändert seit damals, wie der stellvertretende Vorsitzende Konrad Brosamer erzählt. "Damals war es als Gaudiwettbewerb für Leute aus dem Dorf gedacht", so Brosamer. Nur einige Sportler aus dem Elsass habe man eingeladen. Dort habe der Sport eine längere Tradition, und so hätten in der ersten Zeit die Einheimischen stets das Nachsehen gehabt. Das passte Anton Vögele gar nicht, permanent habe man an Material gearbeitet, bis nach einigen Jahren das Leistungsgefälle getilgt war. Es folgten goldene Zeiten Ende der Neunziger, wo teils mehr als zehn RSV-Mitglieder teilnahmen. "So viele, dass Auswärtige gar nicht mehr kommen wollten, weil es für sie kaum etwas zu gewinnen gab."

Heutzutage ist die Nachwuchssituation nicht unproblematisch. Mit Jannick Göppert und Matthias Neumaier gehören immerhin zwei junge Holzfäller zum Team. Doch die permanente Verbesserung des Materials hat ihren Preis. Denn es bleibt jedem selbst überlassen, wie er sein Material optimiert, so lange die Sicherheit garantiert bleibt. Mit den Sägen, mit denen man im Wald seinem Beruf nachgeht, haben die Maschinen, die am Eichberg zum Einsatz kommen, kaum mehr etwas gemein. Und so kostet eine Grundausstattung, mit der man vorne mitreden möchte, bestehend aus Kettensäge, Axt und monströser Handsäge, schnell bis zu 6000 Euro. Hinzu kommen die Reisen zu den Wettkämpfen im Ausland.

Frauen können die Schuttertäler noch nicht in ihrer Runde willkommen heißen. Seit einigen Jahren prägen sie das Bild am Eichberg mit. "Inzwischen sind sie in die Szene voll integriert", sagt Brosamer. Sie tragen ihren eigenen Wettkampf aus, Erleichterungen wie dünnere Baumstämme lehnten sie ab. Gerade in Österreich seien die Holzfällerinnen auf dem Vormarsch, seit dort vermehrt Forstwirtinnen eingesetzt würden.

Anton Vögele, Lokalmatador und Aushängeschild der RSV-Holzfäller, bekommt davon nichts mit. Gleich muss er mit den Steigeisen einen Stamm hochklettern und in schwindelerregender Höhe einen dicken Ast absägen. Das erfordert volle Konzentration. Treetopping nennt es er Moderator. Klingt ganz einfach...

Weitere Bilder gibt es unter http://mehr.bz/hfm2018