Windkraft

Windräder machen mehr Lärm als geplant

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Fr, 17. Juni 2016 um 18:30 Uhr

Schuttertal

Die Windkraftanlagen im neuen Bürgerwindpark Südliche Ortenau machen einigen Bewohnern im Schuttertäler Regelsbach zu schaffen: Sie hören ein "Wummern", das ihnen teilweise sogar den Schlaf raubt.

SCHUTTERTAL. Vor wenigen Wochen ist die siebte und letzte Windkraftanlage des Bürgerwindparks Südliche Ortenau fertig geworden. Von Juli an sollen die Anlagen in Regelbetrieb gehen. Während die Freude über die Fertigstellung beim Betreiber "Green City Energy" groß ist, plagen Anwohner im Schuttertäler Regelsbach andere Sorgen: Die Anlagen machen bei Südwestwind (vor allem nachts) Lärm, der sie nicht mehr schlafen lässt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatten die Anwohner darüber geklagt. Inzwischen ist Bürgermeister Carsten Gabbert mehrfach vor Ort gewesen.

Fangesänge waren es nicht, die Schuttertals Bürgermeister Carsten Gabbert in der ersten Halbzeit des Spiels Deutschland gegen die Ukraine am vergangenen Sonntagabend gehört hat. Vielmehr waren es Geräusche der Windkraftanlagen, die bis hin zum Haus der Familie Schätzle und einigen Nachbarn im Schuttertäler Regelsbach reichen. "Ich war an diesem Abend zum zehnten Mal vor Ort und kann jetzt nachvollziehen, dass die Anwohner dort ein störendes Geräusch empfinden", sagt Carsten Gabbert. Direkt nach der jüngsten Gemeinderatssitzung am 7. Juni (die BZ berichtete), in der die Anwohner von den Geräuschen der Windräder berichtet hatten, ist Gabbert in den Regelsbach gefahren, um sich selbst ein Bild zu machen. Seither war der Bürgermeister mehrfach vor Ort gewesen. Die Geräusche treten vor allem bei Südwestwind auf.

Längst hat Gabbert Anfragen an den Betreiber "Green City Energy" und GE, den Hersteller der Anlagen, gestellt. Dass es im Regelsbach offenbar lauter ist als geplant, bestätigt auch Jörg Bold von der Bürgerenergie Ettenheim, die Miteigentümer des Windparks ist. "Wir als Miteigentümer wollen, dass die Anlage das bringt, was der Hersteller versprochen hat", so Bold. Bei einem Windpark, bei dem die einzelnen Anlagen in derart großem Abstand voneinander stehen, dürfte es normalerweise keine Probleme mit zu lautem Schall geben.

"Das hört sich so an,

als würde ein Flieger von

links nach rechts fliegen

und direkt über dem

Haus stehen bleiben."

Anwohner Markus Schätzle
"In der Planung wurde von uns bewusst darauf geachtet, dass alle Anlagen möglichst große Abstände zur Wohnbebauung einhalten, um das Risiko von störenden Betriebsgeräuschen für die Anwohner zu minimieren", so Marcus Brian, ein Sprecher des Betreibers "Green City Energy". Die Entfernung der Anlagen zum Regelsbach beträgt 1800 Meter, mehr als doppelt so viel Abstand, wie im Windenergieatlas von Baden-Württemberg empfohlen wird. Die Mindestentfernung zur Wohnbebauung gibt man dort mit 700 Metern an.

"Das hört sich so an, als würde ein Flieger von links nach rechts fliegen und direkt über unserem Haus stehen bleiben", sagt Anwohner Markus Schätzle. Seit die Anlagen laufen, kann er nicht mehr gut schlafen, das Geräusch der Anlagen, das zu seinem Haus vor allem bei Südwestwind herüberschallt, bezeichnet er als "Wummern": "Es ist auch bei geschlossenen Fenstern zu hören. Das macht sich auf der Arbeit dann auch bei der Konzentration bemerkbar." Er sei keinesfalls ein Windkraftgegner, auch mit der Optik könne er sich anfreunden. "Doch dass die Geräusche so störend sind wie jetzt, hätten wir nicht gedacht." Er ist aber froh, dass sich Bürgermeister Carsten Gabbert der Sache angenommen hat.

Die Klagen einzelner Anwohner nimmt man bei "Green City Energy" sehr ernst, so Sprecher Marcus Brian. "Wir versuchen derzeit herauszufinden, ob und wie es zu einer unnatürlichen Geräuschentwicklungen bei den Anlagen des Bürgerwindparks Südliche Ortenau kommt. Dazu ist natürlich der Anlagenhersteller GE, auch auf Geschäftsführer-Ebene, ins Boot geholt worden." Von Montag an seien außerdem Techniker von "Green City Energy" vor Ort, um zu prüfen, von welchem Bauteil das störende Geräusch ausgehen könnte. "Wir haben ja 20 Jahre Betrieb vor uns und sind natürlich an einer guten Nachbarschaft interessiert. Das verpflichtet uns, jetzt in Ruhe und sorgfältig zu prüfen, wie wir bei höchstmöglichem Ertrag eine für Anwohner verträgliche Lösung gestalten können", sagt Projektleiterin Lilian Kruse .

Doch die Suche nach dem Geräuschproblem kann sich durchaus in die Länge ziehen, schließlich müssen die Techniker genau dann vor Ort sein, wenn die Windrichtung die Geräusche verursacht.

"Schallvermeidung bei Windrädern ist eine äußerst anspruchsvolle und schwierige Aufgabe, bei der ganz viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen", sagt auch Professor Peter Treffinger, Windkraft-Experte an der Hochschule Offenburg, auf BZ-Anfrage. Auch Bürgermeister Gabbert musste mehrfach in den Regelsbach kommen, bis er die Geräusche zum ersten Mal wahrgenommen hat.

Fangesänge wird er nach dem Abpfiff am kommenden Dienstag auch nicht hören, denn nach dem Länderspiel hat Gabbert zu einer kleinen Versammlung in den Regelsbach eingeladen, um sich mit den Anwohnern erneut kurzzuschließen.