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08. Oktober 2012 14:33 Uhr

Spezialanfertigung

Herrenknecht hat eine Tunnelbohrmaschine für S21 fertig

Herrenknecht hat eine neue Tunnelbohrmaschine fertig. Sie wird beim Mammutprojekt Stuttgart 21 eingesetzt – bis es so weit ist, wird die Maschine aber nochmal auseinander genommen.

  1. Der Fildertunnelbohrer wird derzeit demontiert und zum Kehler Hafen geschafft. Foto: Christoph Breithaupt

Mit der Maschine soll der Fildertunnel für das Tiefbahnhofprojekt Stuttgart 21 gebohrt werden. Binnen der nächsten vier Wochen wird sie, in Einzelteile zerlegt, zum Kehler Rheinhafen transportiert – und eingelagert. Der Grund: Der Baubeginn für den Tunnel zwischen dem neuen Stuttgarter Hauptbahnhof und Leinfelden-Echterdingen steht noch nicht fest.

Am 2000 Tonnen schweren und 120 Meter langen Koloss wurde nur ein Jahr lang geschweißt und geschraubt. Das liegt auch daran, dass Herrenknecht manchmal Teile zurückkauft und wieder einsetzt. Der Vortriebschild war bereits in Thüringen im Einsatz. Doch wieder ist der Bohrer eine Spezialanfertigung. Der Fildertunnelbohrer muss durch einen sensiblen Bereich. Das Stichwort ist Gipskeuper. Dränge durch das Bohren Wasser in den Keuper, könnte den Stuttgartern die gleiche Katastrophe blühen wie der Stadt Staufen. Erdwärmebohrungen hatten dort wasserführende Schichten im Untergrund verletzt. Das Wasser ließ den Gipskeuper aufquellen und der Boden hob sich – bis heute in der Spitze um insgesamt mehr als 40 Zentimeter. Häuser haben teilweise zentimeterbreite Risse. Ein ausgeklügeltes Vorgehen soll das beim zweiröhrigen Fildertunnel verhindern. Zusammen ist er 20 Kilometer lang, davon werden 16 Kilometer im Vortriebsverfahren gebaut. Maschinenbauingenieur Gerhard Wehrmeyer (47), Bereichsleiter Traffic Tunneling, erläutert das Vorgehen: Der Bohrer mit einem Bohrkopfdurchmesser von 10,8 Metern dringt in Echterdingen ein, bohrt sich von beiden Enden zum sensiblen Keuperbereich heran. In der Zwischenzeit gräbt sich ein Bagger konventionell durch den Keuper. Die Technik bleibt indes gleich: Der Bohrkopf frisst sich in den Berg, die Tunnelwand wird sofort mit Betonteilen ausgekleidet, der Abraum wird von einer Schnecke nach hinten abtransportiert. Zwischen vier und acht Zentimeter kommt der Bohrer mit seinen rund 5712 PS in der Minute voran. Der Käufer des Fildertunnelbohrers ist die österreichische Hoch-/Tief-Baufirma Porr. Die Genehmigung zum Bohren ist beantragt, aber noch nicht bewilligt, die Bohrmaschine wurde wohl unmittelbar nach dem Volksentscheid im letzten Spätherbst bestellt. Die Bahn geht davon aus, dass der Baubeginn im nächsten Jahr sein wird.

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Info: Die Firma Herrenknecht beschäftigt weltweit 4000 Mitarbeiter, davon 2000 in Schwanau. Der Gesamtumsatz betrug 2011 mehr als eine Milliarde Euro. Lothar Späth (74) ist vor Kurzem als Vorsitzender des Aufsichtsrats ausgeschieden.

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Autor: ude