"Einfach auch mal den Tag und das Leben genießen"

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Sa, 08. September 2018

Schwanau

BZ-INTERVIEW mit Pfarrerin Renate Malter über ihren Vortrag beim Bezirksfrauentag über "Vögel in der Bibel und bei uns" .

SCHWANAU. Auf dem Bezirksfrauentag in Wittenweier am Dienstag, 18. September, 10 Uhr, hält Pfarrerin Renate Malter einen Vortrag – auch mit Hörbeispielen – zum Thema "Vögel in der Bibel und bei uns". BZ-Mitarbeiter Hagen Späth hat bei der Hobby-Ornithologin nachgefragt, welche Vögel in der Bibel eine Rolle spielen und welche Bedeutung sie haben.

BZ: Frau Malter, wie sind Sie denn auf dieses Thema gekommen?

Malter: Vögel sind mein Hobby, schon seit meiner Kindheit. Von meinem Vater habe ich gelernt, Vögel zu bestimmen und sie an ihrem Gesang zu erkennen. Ich verbinde immer sehr gerne berufliche Dinge mit Dingen, die mich persönlich und privat interessieren.

BZ: Das Pfarrhaus in Allmannsweier, wo Sie wohnen, hat ja auch einen schönen Garten. Welche Vogelarten kommen dort vorbei?

Malter: Jede Menge. Ich freue mich immer besonders über Distelfinken, die sind so hübsch und die singen besonders schön. Es gibt Grünfinken, Stare, Hausrotschwänze, Rotkehlchen oder Mönchsgrasmücken. Hoch oben am Himmel kann man die Mauersegler hören und Rauch- oder Mehlschwalben sehen. Wollen Sie noch mehr? (lacht)

BZ: Nein, das reicht schon. Sie wohnen ja schon einige Jahre hier. Haben Sie eine Veränderung festgestellt? Sind es nicht weniger geworden an Arten oder an der Anzahl?

Malter: Im Garten nicht so. Wo es mir am meisten auffällt, ist eher draußen auf dem Feld. Da fehlen die Feldlerchen, die hört man nicht mehr so viel.

BZ: Haben Sie schon mal bei Vogelzählungen des Naturschutzbundes mitgemacht?

Malter: Ja, klar. Die Stunde der Gartenvögel.

BZ: Und Sie haben auch Nistkästen aufgehängt und eine Vogeltränke im Garten?

Malter: Ja, beides. Und wir haben eine bunte Mischung aus Sträuchern und Hecken im Garten, das ist vielleicht noch wichtiger. Das ist auch immer meine Ausrede, wenn der Garten nicht ganz so aufgeräumt aussieht.

BZ: Welche Vögel spielen denn nun in der Bibel eine Rolle?

Malter: Bei biblischen Vögeln ist es immer schwierig mit der Übersetzung. Martin Luther hat sich auch nicht so genau ausgekannt mit den Vogelarten in Israel, und er hat dann Vogelarten eingesetzt, die es hier gibt. Ich bin auch keine Expertin für Vögel im Vorderen Orient. Es gibt zwei Stellen in der Bibel, die mag ich sehr gerne. Die eine ist von Jesus, wo er sagt: Schaut die Vögel unter dem Himmel, die Raben, die sammeln keine Vorräte und machen sich keine Sorgen und Gott ernährt sie jeden Tag. Darüber habe ich damals auch meine Examenspredigt gehalten.

BZ: Was soll uns das sagen?

Malter: Das heißt jetzt nicht, man soll keine Vorsorge treffen. Aber dass man sich nicht jeden Tag so furchtbare Sorgen machen sollte. Einfach auch mal den Tag und das Leben genießen. So wie ein Vogel im Sonnenschein, ganz frei und unbeschwert.

BZ: Haben Sie noch ein Beispiel?

Malter: Im Alten Testament ist eine schöne Stelle im Psalm 84. Dort wird beschrieben, wie die Schwalben im Tempel ihre Nester hoch oben an die Wände bauen, als Beispiel, dass sie ganz nah bei Gott wohnen. Das halte ich auch für einen schönen Vergleich.

BZ: Eine tiefere symbolische Bedeutung würden Sie dem aber nicht beimessen?

Malter: Nein. Die Vögel stehen für ein fröhliches, unbekümmertes, glückliches Leben. Für mich eine Übertragung für das Vertrauen auf Gott.

Renate Malter (50) ist seit 18 Jahren Gemeindepfarrerin in Allmannsweier, ist verheiratet und hat drei Kinder
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