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06. April 2011

Schwebezustände und Spannungsfelder

"Between the Mirrors": Sandra Eades und Reinhard Klessinger spiegeln im Waldkircher Georg-Scholz-Haus ihre Sicht der Dinge.

  1. Sehenswert: Spiegelobjekte von Reinhard Klessinger vor Fotokollagen von Sandra Eades im Georg-Scholz-Haus. Foto: Nicola Gastiger

WALDKIRCH. Ein kulturelles Glanzlicht, das über die Kreisstadt im Elztal hinausreicht, ist den Ausstellungsmachern des Georg-Scholz-Hauses wieder einmal gelungen. Die Ausstellung "Between the Mirrors" von Sandra Eades und Reinhard Klessinger erweist sich als sehr anregend und äußerst sehenswert.

Von alters her üben Spiegel eine große Faszination auf den Menschen aus. Man sieht sich selbst, erkennt sich selbst – es entstehen Wiederholungen, Verdoppelungen, mitunter aber auch Verzerrungen und Irritationen. Sandra Eades und Reinhard Klessinger stellen dies alles aber noch auf den Kopf und fügen durch ihre gegenpoligen Werke eine dritte, neue Dimension hinzu: Das Zwischendrin, das "in between" bewirkt ein neues Spannungsfeld und führt zu einer neuen und interaktiven Sichtweise von Spiegeln.

Gemeinsam ist den beiden Künstlern, dass sie mit Spiegeln arbeiten. Während Sandra Eades Spiegel aufnimmt und diese in fotografischer Kollagenform in ihre Werke einarbeitet, sind für Reinhard Klessinger Spiegel Teile des Materiales, die er für seine Objekte benutzt.

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Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handele sich bei dieser Ausstellung um Ästhetik pur oder um l’art pour l’art. Aber diese Kunst will viel mehr sein und ist es auch. Sandra Eades will mit ihren Kollagen den Moment der Gegenwart einfangen und ihn verewigen. Dies kann aber nur bedingt gelingen, da Momente ja vergehen. So betitelt sie ihre Bilder auch mit dem lateinischen Wort "Vanitas" (Vergänglichkeit), welche insbesondere in der Barock-Zeit, also dem 16. bis 17. Jahrhundert, eine große Rolle spielte. Symbolisiert wurde die "Vanitas", die Vergänglichkeit alles Seins , damals durch einen Totenschädel – in der Regel immer am unteren Rand des Bildes. Bei Sandra Eades finden sich neben den fotografierten Spiegelteilen eine Fülle von Aufnahmen, die alle dem Zauber des Verfallenen huldigen – eine Straßenrinne, eine unverputzte Hauswand, eine Wasserlache auf der Straße, Blüten auf dem Gehweg. Diese so zusammengefügten Bilder entfalten nicht nur eine starke Ästhetik, sondern transzendieren das vergängliche Dasein, die Vergänglichkeit allen Seins schlechthin – und dies auf wunderbare Weise.

Anders Reinhard Klessinger, der mit seinen bizarren Objekten die Umgebung und Veränderungen reflektiert und eher expressionistisch anmutet. So finden sich dann auch Objekte mit Titeln wie "nach innen gerichtet" , "unendliche Phase", "Ausnahme", "stehendes Jetzt" "gegenstand", oder "la Croix". Auch diese Werke zeugen von einer hohen Ästhetik und großer Kompositionsfähigkeit des Künstlers. Der Betrachter findet sich so wieder in diesen Gegenpolen von Vergänglichkeit einerseits und der äußeren Reflexion jeder einzelnen Bewegung durch die Spiegelobjekte andererseits.

Es ist ein nahezu irrealer, aber um so faszinierender Schwebezustand inmitten eines frappierenden Spannungsfeldes, den die Besucher in dieser Ausstellung erleben: "Between the Mirrors".

Dieses Spiegelzusammenspiel ist nicht die erste gemeinsame Ausstellung der in Ihringen am südlichen Kaiserstuhl lebenden Künstler. Bereits 2003 und 2007 waren sie mit "mirrors und memories" in der Ermitage in Bayreuth und "counterparts" in der Städtischen Galerie Neunkirchen zu sehen. Gemeinsam ist der Engländerin Sandra Eades und dem Südschwarzwälder Reinhard Klessinger, dass sie beide in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts als Meisterschüler bei Rupprecht Geiger an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf ausgebildet wurden. Beide so gegenpolig und unterschiedlich arbeitenden Künstler erhielten eine Fülle von Preisen und Stipendien.

Während Sandra Eades sich auch als Malerin mit Fotografien versteht, kann Reinhard Klessinger entfernt der Bildhauerei zugeordnet werden. Aber eigentlich bedarf ihr Werk es gar keiner Zuordnung. Denn die Collagen und Objekte sprechen für sich selbst. Der Besuch dieser interaktiven und spannenden Ausstellung kann sehr empfohlen werden (bis 8.Mai).

Infos zum Begleitprogramm: http://www.georg-scholz-haus.de

Autor: Nicola Gastiger