Ein Häuschen am Fluss

Valentin Zumsteg

Von Valentin Zumsteg

Fr, 17. August 2018

Rheinfelden / Schweiz

Marcel Hauri aus Schweizer Rheinfelden verbringt viel Zeit an seinem kleinen Idyll am Rhein.

RHEINFELDEN/SCHWEIZ (vzu). Ein Häuschen mit Fischgalgen, auch Fischbock genannt, direkt am Rhein kann der Rheinfelder Stadtweibel Marcel Hauri sein Eigen nennen. Direkt unterhalb des ehemaligen Malzturms der verschwundenen Salmenbrauerei befindet es sich. "Das ist ein Paradies. Mein Vater konnte den Fischbock 1972 übernehmen. Hier haben wir immer viel Zeit verbracht", erzählt er. Weil der Vater aber mittlerweile 88 Jahre alt ist, hat er in diesem Jahr die Anlage auf Marcel Hauri und seine Schwestern überschrieben. "Ein solcher Fischbock bleibt meistens in der Familie", erzählt Hauri.

In diesem heißen Sommer ist er besonders oft bei seinem Fischerhäuschen. "Gestern habe ich etwas getan, was ich noch nie gemacht habe: Ich bin zum ersten Mal ans deutsche Ufer geschwommen – und wieder zurück. Es war toll, aber anstrengend. Weil der Rhein derzeit wenig Wasser führt, ist es etwas einfacher als in einem normalen Sommer."

Hauri fischt regelmäßig mit dem Fischgalgen. Es hat aber weniger Fische als früher. "Von hundert Mal ist vielleicht fünf Mal ein Fisch im Netz. Hin und wieder fange ich eine Brachse oder Nase." Derzeit ist das Fischen mit dem Galgen allerdings nicht möglich, da der Rheinpegel wegen der anhaltenden Trockenheit zu tief ist. Sein größter Fang war vor Jahren ein Hecht. Als Bub hat er eine große Forelle mit dem Galgen aus dem Rhein gezogen.

Gerne genießt Hauri die Natur und beobachtet Fauna und Flora. "Hier sieht man regelmäßig einen Eisvogel vorbeifliegen, der weiter rheinaufwärts sein Nest hat. Ich habe auch schon einen Biber beobachtet, der direkt hier aus dem Rhein kam." Im kleinen Häuschen, das zum Galgen gehört, sind ein paar Stühle und ein bisschen Material verstaut. Geschlafen hat er hier noch nie. Ein Problem ist der Vandalismus und der Müll. Fast jedes Mal, wenn er kommt, liegt Abfall herum.

Insgesamt gibt es in Rheinfelden über 20 solcher Fischerhäuschen und Fischgalgen. Die Stadt hat ein besonderes Privileg: Die Besitzer von Fischgalgen brauchen hier keine kantonale Bewilligung, weil sie sich auf das Fischereirecht berufen können, das Kaiserin Maria Theresia der Stadt erteilt hat. Das ist vom Kanton verbrieft. Eine Kopie des Dokuments hängt im Häuschen von Hauri.