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30. August 2011 17:26 Uhr

Miniunternehmen

Geschäftsidee: Basler Schüler vermarkten Schulhefte

Neben der Matheformel wirbt die Fast-Food-Kette: Schüler in Basel verteilen an Gymnasien gratis Schulhefte – und finanzieren das mit Werbung. Geht das auch in Baden-Württemberg?

  1. In Schulhefte reinschreiben – das kann ja jeder. Aber Schulhefte vermarkten? Foto: Privat

  2. In Basel grübeln Schülerinnen und Schüler nicht nur über den Hausaufgaben wie das Mädchen auf diesem Symbolfoto – sondern auch über neuen Geschäftsmodellen. Foto: st-fotograf - Fotolia

Imker, Modedesigner, Caterer – Schüler sind heute nicht mehr einfach nur Schüler. Manche sind Jungunternehmer, managen ihre eigene Firma, gegründet innerhalb eines Schulprojekts. Von der Idee zum erfolgreichen Unternehmen – das haben im vergangenen Schuljahr sechs Schüler am Basler Wirtschaftsgymnasium geschafft.

Yourbook heißt das Unternehmen der sechs Schweizer, das gratis Schulhefte an Basler Gymnasien verteilt. Finanziert wird das über Werbeanzeigen in den Heften."Wir wollten nichts Langweiliges machen", sagt der 16-jährige Felix Bartos, Mitbegründer von Yourbook. Doch nur 16 bis 19-jährige Schüler bekommen die linierten und karierten Blätter kostenlos. Der Grund: Solange sie schulpflichtig sind, bekommen Schüler in der Schweiz ihre Hefte umsonst. Danach müssen sie ihr Material selbst bezahlen.

Auf der Suche nach Anzeigenkunden

Bei dem freiwilligen Schulprojekt sollen Schüler herausfinden, wie Wirtschaft in der Praxis funktioniert. "Manche Schüler gehen extra auf das Wirtschaftsgymnasium, wegen des Projekts ", sagt Felix Bartos. Ihm und seinen Mitstreitern hat die Non-Profit-Organisation "Young Enterprise Switzerland" (YES) bei der Geschäftsgründung unter die Arme gegriffen. Die Organisation unterstützt alle Schulstufen in der Schweiz mit Wirtschaftsbildungsprogrammen. Ab der 10. Klasse erarbeitet YES mit den Schülern, wie man ein Unternehmen gründet und was die Jugendlichen machen müssen, damit es am Markt bestehen kann.

Werbung


Nachdem die Idee zu Yourbook geboren war, befragten Bartos und seine Klassenkameraden ihre Mitschüler. "Die fanden das super", sagt der 16-Jährige. Um Anzeigen für das Heft zu bekommen, wandten sie sich an verschiedene Firmen, versuchten ihr Glück auch bei großen Konzernen. So gewannen die Schüler unter anderem eine Fast-Food-Kette für ihre Idee und auch ein großes deutsches Konsumgüterunternehmen.

Deutsche Druckerei arbeitet günstiger

Das beste Angebot für den Druck der Gratis-Hefte bekamen die Firmengründer von einer Druckerei in Lörrach. "Wir wollten eigentlich in der Schweiz drucken, aber in Deutschland war es signifikant günstiger", so Jungunternehmer Bartos. Effektiv hat das 32 Seiten dicke Heft drei Seiten Werbung, plus Front- und Rückseite. Möchte ein Unternehmen seine Werbung ganz vorne haben, verlangt Yourbook rund 3000 Franken (2650 Euro). Ein Drittel davon kostet eine halbseitige Werbung im Inneren des Heftes.

Bereits im Februar hat das Yourbook-Team 5000 Schulhefte an den Basler Gymnasien Leonard, Bäumlihof, Kirschgarten, dem Wirtschaftsgymnasium und am Gymnasium am Münsterplatz verteilt – und natürlich waren die Schüler von den Gratisheften begeistert.

Direkte Produktwerbung verboten

Eine Idee, die auch in Baden-Württemberg Schule machen könnte? "Nein", sagt Johannes Lambert, Schulrechtsexperte des Kultusministeriums. Denn dabei handle es sich um direkte Produktwerbung, die laut der Verwaltungsvorschrift des Ministeriums nicht an Schulen betrieben werden dürfe. Das verbiete der Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schulen.

Der Schweizer Kanton Basel-Stadt hat diesbezüglich eigentlich ähnliche Richtlinien. "Direkte Produktwerbung gibt es nicht", sagt Valérie Rhein, Kommunikationsbeauftragte des Erziehungsdepartements Basel-Stadt. Da die Geschäftsidee sowie das Miniunternehmen aber im Rahmen eines Schulprojekts entstanden sind, sei es in diesem Fall in Ordnung. Zudem hatten die Jungunternehmer ihr Projekt anfänglich mit dem Erziehungsdepartement abgesprochen. "Die meinten das sei eine gute Sache und haben uns unterstützt", sagt Felix Bartos.

Yourbook soll es weiter geben

Sowohl YES als auch die Schule betreuen die Miniunternehmen ein Schuljahr lang. Danach ist das Projekt vorbei, die Firmen werden aufgelöst. Eigentlich. Für Bartos endetet das Projekt Anfang Juli 2011 – doch Yourbook soll es weiterhin geben. Bereits am 15. August verteilte das Team die zweite Auflage an Gymnasien. Bis zur Matura wollen die Schüler ihr Unternehmen fortführen.

Eigenen Angaben zufolge arbeiten sie kostendeckend und machen sogar ein wenig Gewinn. Den teilen sie unter sich auf. Genaue Zahlen wollen sie aber nicht verraten. Nur soviel: "Es ist ein netter Bonus zum Taschengeld."

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Autor: Christina Hofmann