Funken Hoffnung und Benefizkonzert

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Fr, 26. November 2010

Seelbach

Anwalt Reinhard Kirpes will ein Mitglied der abgeschobenen Familie nach Seelbach zurückholen / Hilfsaktionen angekündigt.

OFFENBURG/SEELBACH. Reinhard Kirpes, der Anwalt der aus Seelbach abgeschobenen Familie Tatari, hat bekanntgegeben, erste Schritte für eine mögliche Rückkehr von zumindest einem Familienmitglied beantragt zu haben. Der Rechtsanwalt sieht einen "Funken Hoffnung" auf die Rückkehr des 16-jährigen Erson Tatari nach Deutschland. Der Unterstützerkreis der Familie hat weitere Hilfsaktionen angekündigt.

Kirpes ist Anwalt der Seelbacher Familie, die durch eine Abschiebung getrennt wurde. Die Eltern und die beiden jüngeren Kinder, darunter auch Erson, wurden am 21. Oktober in den Kosovo abgeschoben, die beiden älteren Kinder, Belkiza (18) und Gzim (17), durften in Deutschland bleiben.

Kirpes hat jetzt einen Antrag auf nachträgliche Befristung der Ausweisung für Erson Tatari gestellt. Nur bei befristeten Ausweisungen besteht, nach Ablauf der Frist, eine Möglichkeit für den Abgeschobenen zurückzukehren. Präzedenzfälle gibt es dafür allerdings kaum. Wer einmal aus Deutschland abgeschoben ist, für den ist es schwer auf legalem Wege wieder nach Deutschland einzureisen, oder sogar dauerhaft hier zu leben. Denn "einen Rechtsanspruch auf Rückkehr gibt es nicht", sagt Reinhard Kirpes. Ihm sei lediglich ein Fall aus Niedersachsen bekannt, bei dem Menschen nach ihrer Ausweisung wieder nach Deutschland zurückkommen durften. Bürgerschaftliches Engagement spielte dort eine große Rolle, so Kirpes.

Der Anwalt versucht jetzt, dass der abgeschobene Erson Tatari wieder in Deutschland leben darf. Die Hoffnung auf Erfolg schöpft Kirpes aus dem nachweislich hohen Integrationslevel des 16-jährigen. "Bei Erson ist es das erste Mal, dass ich hoffe, dass jemand zurückkommen darf." Die Entscheidung wird im Regierungspräsidium in Karlsruhe getroffen.

Dass zumindest Erson zurückkehren darf, darauf hoffen auch die Menschen aus dem Unterstützerkreis der Familie Tatari. Jürgen Larocque, Mitglied in dem Kreis, berichtet davon, dass Erson im Kosovo immer wieder angefeindet werde und die Familie unter schlechten Bedingungen lebe.

Zuletzt haben die Seelbacher Helfer Schulmaterialien für Erson und seine jüngere Schwester Alissa (11) in den Kosovo geschickt, damit die beiden weiter lernen können, so Larocque. Schulen, die auf Deutsch unterrichten, gebe es dort nämlich nicht.

Um der Familie weiter zu helfen, veranstaltet der Unterstützerkreis am 10. Dezember im Bürgerhaus Seelbach ein Benefizkonzert. Auftreten wird die Gruppe Deyda und Lehmann, der Eintritt soll für Erwachsene zehn Euro kosten, für Kinder fünf Euro und geht in die Spendenkasse für die Familie. Die Mitarbeiter der Gastronomie werden ihren Lohn von diesem Abend beisteuern. Zudem soll ein Stand mit Informationsmaterial aufgebaut werden.

Die Idee für den Auftritt hatte nach Informationen des Unterstützerkreises, der Sohn des Bandmitglieds Henning Lehmann. Der ging in dieselbe Schulklasse wie die jüngste Tochter der abgeschobenen Familie. Wer nähere Informationen zu dem Unterstützerkreis oder dem Fall der Familie Tatari erhalten möchte, kann sich unter der E-Mail-Adresse uk.tatari@googlemail.com melden. Für die Zukunft ist geplant, eine Homepage einzurichten.