Geschichte

Seit 100 Jahren mit dem Zug ins Münstertal

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Do, 05. Januar 2017 um 20:01 Uhr

Staufen

Ein Jahrhundert lang schon fahren Züge von Krozingen über Staufen in das Tal. Die Geschichte dieser Bahnstrecke hat der Staufener August Villinger zusammengetragen. Jetzt ist ein Buch entstanden.

STAUFEN/MÜNSTERTAL. Seit 100 Jahren fahren Züge von Krozingen über Staufen ins Münstertal. Die Geschichte dieser Bahnstrecke hat den Staufener August Villinger stark beschäftigt. Bis zu seinem Tod im Dezember 2015 hat er viele Details, Fotos und Anekdoten zusammengetragen. Jetzt ist daraus ein Buch entstanden.

Wäre es nach dem Willen der ersten Bahnplaner gegangen, müssten sich viele Besucher der Stadt Staufen heute ein anderes Café suchen. Die 1894 von Krozingen (heute Bad Krozingen) herangeführte Strecke nach Sulzburg sollte gut zwei Jahrzehnte später einen Ableger Richtung Münstertal bekommen. Dieser Zweig der Strecke sollte eigentlich entlang des Neumagens verlaufen, mit einem Haltepunkt auf Höhe des heutigen Café Decker. Doch weil damals wie heute auch interessierte Bürger den Bau großer Projekte aufmerksam verfolgten, mussten die Planer diese Idee aufgeben: Zu viele Häuser wären der Spitzhacke zum Opfer gefallen.

Das Entstehen des Buches nicht mehr erlebt

So kam es dazu, dass die neue Strecke nach Münstertal in einem großen Bogen um die Stadt herumgeführt wurde. Diese und viele andere Geschichten und Anekdoten hat August Villinger bis zu seinem Tod im Dezember 2015 zusammengetragen. Sie finden sich in dem jetzt erschienenen Buch "Die Münstertalbahn – Aus der Geschichte der Nebenbahn von Bad Krozingen über Staufen nach Sulzburg und Untermünstertal". "Leider hat er es nicht mehr erlebt, dass daraus ein Buch wurde", sagt sein Neffe Rainer Brinkmann.

Brinkmann wusste zwar davon, dass sich "Onkel Gustl" neben seiner Druckerei und dem Geschäft in seiner geringen Freizeit mit der Bahn beschäftigte – aber wie weit das Projekt gediehen war, darin hatte niemand Einsicht. "Er muss mindestens seit Ende der Achtziger Jahre daran gearbeitet haben", sagt sein Neffe. "Wir haben einen Brief gefunden, darin fragt jemand aus Norddeutschland an, wann denn das Buch erscheint. Und seit seiner Pensionierung 2006 hat er sich dem Projekt voll gewidmet." Nach dem Tod seines Onkels nahm Brinkmann im Februar vergangenen Jahres Kontakt mit dem Verlag von Ludger Kenning in Nordhorn auf, der Spezialbücher aus der Eisenbahn- und Straßenbahngeschichte herausbringt mit Titeln wie "Die Kleinbahnreise mit der alten Kassel-Naumburger" oder "Obusse in Wuppertal".

Ein Projekt aus Leidenschaft

"Ich wollte wissen, wie es weitergeht. Ob es einen Autorenvertrag gibt und so weiter", erzählt Brinkmann. Doch das Projekt beruhte vor allem auf Leidenschaft und Begeisterung seines Onkels für das Thema; mit Verträgen hatte man es offenbar nicht so genau genommen. Allerdings, so bestätigte der Verleger, lägen ihm viele Fotos und Pläne und auch ein Manuskript vor; das aber müsse überarbeitet werden. Und es fehle ein letztes Kapitel über die Elektrifizierung.

Brinkmann setzte sich daraufhin mit Stadtarchivar Jörg Martin und dem Ratsherrn Bert Riesterer zusammen, und gemeinsam verfassten sie diesen für die Bahn wichtigen letzten Abschnitt des Buches. Kurz vor Weihnachten lag es dann vor, 144 Seiten, mit 22 Farb- und 184 Schwarz-Weiß-Fotos und vielen Skizzen und Tabellen. Es erschien zunächst in einer Auflage von rund 500 Stück. Die ersten Exemplare fanden schnell Abnehmer. "Wir haben das Buch schon gut verkauft", freut sich Rainer Brinkmann.

In Hoch-Zeiten wurden jährlich bis zu 100. 000 Tonnen Güter transportiert

Das Buch lebt zum einen von den vielen detaillierten Beschreibungen nicht nur des Streckenbaus, sondern auch der Baupläne und des Lok- und Wagenmaterials. Vor allem aber sind es die vielen Bilder aus der Geschichte Staufens, die staunende Aufmerksamkeit finden werden. So fällt auf, wie viele kleine Industriebetriebe entlang der Strecke standen, alle mit Bahnanschluss, denn die Münstertalbahn war auch eine Strecke für den Gütertransport.

In Hoch-Zeiten wurden jährlich 50 000 bis 100 000 Tonnen Güter transportiert, vor allem Holz. Das Buch zeigt außerdem Bilder des neu entstandenen Stadtsees, eines Nebenprodukts der Bauarbeiten. Die Herstellung der ganzen Strecke dauerte nur sechs Monate. Am 1. Mai 1916 fuhr zum ersten Mal eine Bahn von Krozingen über Staufen ins Münstertal.

Das Buch zeigt auch Luftbilder aus den Dreißiger Jahren und das beschauliche Staufen der Nachkriegszeit, vieles schon in den schönsten Farben fotografiert. Und wenn eine der Loks oder ein Bähnle-Triebwagen ins Bild rücken, dann oft vor der Kulisse der Staufener Burg. Noch ein Tipp: Wer schon einen Kalender für das Jahr 2019 besitzt, kann sich den 20. Dezember rot markieren: Dann wird das alte Bähnle 125 Jahre alt.

Das Buch "Die Münstertalbahn – Aus der Geschichte der Nebenbahn von Bad Krozingen über Staufen nach Sulzburg und Untermünstertal" ist im Kenning-Verlag in einer Auflage von 500 Stück erschienen. Es ist zum Preis von 29,95 Euro bei Schreibwaren Villinger in Staufen sowie in den Touristbüros Staufen und Münstertal erhältlich.


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