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28. November 2011

Mit sicherem Schritt

Regelmäßige Übungen helfen, Sturzgefahren zu mindern.

  1. Unter der Anleitung von Carola Schark nimmt die 104-Jährige Hildegard Honndorf im Freiburger Emmi-Seeh-Heim noch regelmäßig an Übungen teil, um Stürzen vorzubeugen. Foto: Konrad Huber

Im Alter kann ein Sturz schwerwiegende Folgen haben. Mehr als die Hälfte der über 70-Jährigen ist nach Angaben des Internetportals Pflegewiki.de bereits ein oder mehrere Male gestürzt; mit Folgen von leichten Prellungen bis hin zu Brüchen. Auch die psychischen Folgen seien gravierend, da die Betroffenen aus Angst vor weiteren Stürzen ihre Aktivitäten einschränken.

Hier können Gymnastikprogramme zur Sturzverhütung Abhilfe schaffen. Carola Schark ist ausgebildete Übungsleiterin für Seniorengymnastik, ihr Spezialgebiet: Sturzprophylaxe. Seit 2005 ist sie selbstständig und leitet Kurse in Pflegeheimen, Anlagen für betreutes Wohnen und Begegnungsstätten wie dem Heinrich-Hansjakob-Haus in Freiburg. Es gibt ein breites Angebot an Kursen, angepasst an die körperliche Fitness der Teilnehmer und nicht an das Alter.

Bei der Verteilung im Raum achtet Schark darauf, dass, wie sie es nennt, die "Eichen neben den Weiden stehen, also die Teilnehmer, die sicherer auf den Beinen sind, neben denen, die sich im Notfall an Etwas festhalten müssen". In verschiedenen Übungen werden Gleichgewicht, Haltung, Koordination und Reaktion der Teilnehmer trainiert. Eine Übung ist zum Beispiel, den Körper langsam über die Fußgelenke kreisen lassen. Das soll ganz locker aus dem Körper kommen, damit nicht die Muskeln, sondern der Gleichgewichtssinn die Arbeit machen. Für eine schwerere Gleichgewichtsübung stellen sich die Teilnehmer auf ein Bein, strecken das andere seitlich aus und lassen es mit geschlossenen Augen kreisen.

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Um die Koordination zu stärken und somit für einen sicheren Schritt zu sorgen, gibt es die sogenannte Schiebetür, für die die Füße im Rhythmus auseinander und wieder zusammen bewegt werden. Stimmt die Koordination unterhalb der Hüfte, kann man einen Sturz leichter mit den Beinen auffangen.

"Eine straffe Brustmuskulatur schafft zudem einen sicheren Stand", so Schark. Deswegen stehen auch Haltungsübungen auf dem Programm. Kleine Schritte in gebeugter Haltung dagegen provozieren nicht nur Haltungsschäden. Da die kurze Schrittdistanz oft mit Geschwindigkeit ausgeglichen werden soll, besteht erhöhte Sturzgefahr.

Hildegard Honndorf ist mit 104 Jahren die älteste Teilnehmerin. Die gebürtige Schrambergerin und ehemalige Lehrerin wohnt seit sechs Jahren im Emmi-Seeh-Heim und nimmt dort an vielen Veranstaltungen für die Bewohner teil. Das Training, so sagt sie, macht sie straffer. "Es ist der ganze Körper der sich da bewegt. Sonst würden wir ja immer bloß rumsitzen." Die Bewohner des Pflegeheims sind natürlich nicht ganz so flott wie Teilnehmer in Scharks anderen Kursen, deswegen konzentriert sich diese Gruppe darauf, sicher auf den Beinen zu stehen, ohne sich irgendwo festhalten zu müssen. Honndorf kann frei stehen, am Gehbarren laufen und an der Lockerung der Beine hat sie sichtlich Spaß.

Als Demenzbetreuerin weiß Schark, dass die Übungen im Rahmen der Sturzprophylaxe eng verknüpft sind auch mit einer Demenzprävention. Manche Pflegeheimbewohner haben Probleme damit, gleichzeitig zu laufen und zu sprechen. Um hier Abhilfe zu schaffen, erfordern verschiedene Übungen in Scharks Kursen die voneinander unabhängige Bewegung verschiedener Körperteile.

Beispielsweise einen Fuß in der Luft kreisen lassen, während der andere rhythmisch auf den Fußboden klopft. So werden beide Gehirnhälften gleichzeitig beansprucht, was im Gegenzug für sicherere Bewegung sorgt. Auch Tanzen, Kampfsport oder das Musizieren mit Seiteninstrumenten, Klavier oder Keyboard stärken die Koordination. Schon wenn man sich zuhause einfach nur zum Rhythmus von Musik bewege, bleibt das Hirn aktiv, wenn sich der Körper bewegt und gleichzeitig die Musik im Kopf verarbeitet wird.

Autor: Konrad Huber