Bilder, die zur Freude Anlass geben

Georg Voß

Von Georg Voß

Mi, 21. November 2018

Sexau

Jahresausstellung des Sexauer Malkreises im Geschwister-Rosa-Saal der Bürgerbegegnung zum Thema "Begegnung".

SEXAU. Es ist die 35. Jahresausstellung des Sexauer Malkreises und die 13. im Geschwister-Rosa-Saal der Bürgerbegegnung. Und sie ist ein fester Bestandteil des Sexauer Kulturlebens geworden. Das sagte Bürgermeister Michael Goby bei der Eröffnung am Sonntag.

Goby zitiert Friedrich Schiller: "Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und ernsthaftere Aufgabe, als die Menschen zu beglücken." Die Bilder der sechs Künstlerinnen und Künstler geben tatsächlich Anlass zur Freude. Ebenso erfreulich ist der Besucherandrang bei der Vernissage. Unter den gut 100 Besuchern war der ehemalige Pfarrer und Künstler Rolf Brauchle, der die Jahresausstellung 1983 zum ersten Mal organisiert hatte.

Das Motto der Jahresausstellung lautet "Begegnung"; damit ist die Begegnung mit der Kunst in einem Raum gemeint. "Kunst eröffnet Räume", sagt Hanne Günther. Aber Kunst werde erst dann zur Kunst, wenn sie angeschaut werde. Ohne den Betrachter gehe es nicht. Daher fördere die Kunst auch die Kommunikation. "Davon bin ich überzeugt."

Bernhard Klein an der Gitarre und Christian Arnim am Bass umrahmen die Ausstellungseröffnung mit Jazzstandards. Hanne Günther stellt jeden einzelnen Künstler mit einem Bild in der Hand dem Publikum vor. Die Grafikerin und Illustratorin Cordula Böhle kommt aus dem münsterländischen Schöppingen, wohnt aber seit 1993 in Riegel. Dort bietet ihr die abwechslungsreiche Landschaft mit den Weinbergen Inspiration für ihre Kunstwerke. Entsprechend heißt ein Gemälde von ihr "Weinberg" in Öl auf Leinwand, bei dem sie mit breiten Pinselstrichen ihr Interesse für das Spiel mit den Farben und Formen auslebt. Ebenso kräftig sind ihre Winterbilder, die dem Betrachter die kalte Winterlandschaft vor Augen führen.

Sybille Odenthal ist seit 1997 im Sexauer Malkreis. "Sie überrascht immer wieder mit neuen Ideen", so Hanne Günther über ihre Kollegin. Eine davon ist das Herbstbild, in dem sie in ein einzeln stehendes Fenster, aus dem Licht strahlt, in eine Baumgruppe platziert. Das Laub der Bäume und das Herbstlicht sind in feurig gelb-braunen Farbtönen gehalten, so dass das Gesamtbild zu leuchten anfängt. Im Kontrast dazu stehen Bilder, die Kreise in Bewegung zeigen oder auf andere geometrische Formen zurückgreifen.

Ganz der konkreten Kunst widmet sich Manfred Trommer. Seine Bilder wie "Spitzen in Blau" sind im konstruktivistischen Stil gehalten und bilden Landschaften und Spannungen ab. Es sind exakte geometrische Kunstwerke. "Das Faszinosum ist das Exakte!", beschreibt Manfred Trommer seine Herangehensweise an die Kunst. "Konkrete Malerei ist keine abstrakte Kunst, sie besteht aus Linien, Oberflächen und Farbe. Das Kunstwerk müsse im Geist vollständig konzipiert und gestaltet sein, bevor es ausgeführt werde.

Von dem pensionierten Arzt Eberhard Sachs sind immer Überraschungen zu erwarten. Diesmal nimmt er sich des Themas Schmetterlinge an. Er sammelt Dinge auf, die andere wegschmeißen. So heißt eine Installation von ihm "Der Schrei der Schmetterlinge". Auf einem Glaskasten mit präparierten Schmetterlingen ist eine Holzpalette befestigt, darauf sind Saiten gespannt, die den Schrei der Schmetterlinge zur Geltung kommen lassen. Eberhard Sachs weist darauf hin, dass die Saiten in Pentatonik gestimmt seien, so dass keine Misstöne beim Spielen aufträten. Er hat eine große Schmetterlingssammlung geerbt und sie einem naturkundlichen Museum gestiftet. Nur die Duplikate hat er für seine Kunst verwendet und gewinnt dem Thema "Schmetterlinge" neue Ausdrucksmöglichkeiten und Facetten ab.

Für die Lehrerin Christa Wagner, die an der Eduard-Spranger-Schule Kunst für geistig behinderte Schüler unterrichtete, haben besondere Momente besondere Farben. Es ist abstrakte Kunst, bei der mit intensiver Farbgebung Formen erzeugt werden, die auf den Betrachter eine Sogwirkung ausüben, so dass das Auge in diesen Farbwelten immer wieder etwas Neues findet und entdeckt.

Und da sind die Bilder von Hanne Günther. Diesmal gibt es keine abstrakten Farbkompositionen, sondern Porträts von authentischen Menschen von äthiopischen Ethnien. "Es sind Könige der Haltung, die in sich selbst ruhen", sagt Hanne Günther über diese Menschen, denen sie im Urlaub begegnet war. Sie hat zuerst die Menschen vor Ort gezeichnet und dann zu Hause die Zeichnungen in Kunstwerke übersetzt. "So schöne Menschen habe ich noch nie gesehen."

Jahresausstellung des Sexauer Malkreises in der Bürgerbegegnung, bis zum 2. Dezember. Öffnungszeiten: werktags 16 bis 18.30 Uhr, sonntags 11 bis 18.30 Uhr.