"Der Helm darf nicht kneifen"

Georg Voß

Von Georg Voß

Do, 30. August 2018

Sexau

Ferienaktion an der Sexauer Hochburghalle mit der Verkehrspolizei Emmendingen verbindet Spaß und Verkehrswissen.

SEXAU. Dass Verkehrserziehung pädagogisch ansprechend aufbereitet jede Menge Spaß bereiten kann, demonstrierte die Polizei zum Auftakt ihrer Ferienaktion an der Hochburghalle. Das Polizeipräsidium Freiburg, Referat Prävention Standort Emmendingen, veranstaltet im Landkreis an acht Orten bis zum 6. September ein Ferienprogramm mit Verkehrsthemen.

Mit ihren Fahrrädern kamen 13 Kinder auf den Parkplatz der Hochburghalle. Zunächst überprüfte der Polizist Gerd Maurer vom Referat Prävention jedes Rad auf Verkehrstauglichkeit. Sind zwei voneinander unabhängige Bremsen vorhanden und funktionieren diese? Ist eine Klingel am Lenker angebracht und ist sie auch laut genug? Sehen und vor allem gesehen werden gilt auch beim Fahrradfahren. Funktioniert der Scheinwerfer vorne, gerne mit integriertem weißen Frontreflektor, und das Rücklicht mit rotem Großflächenrückstrahler? Dafür braucht es einen Dynamo oder besser Nabendynamo. "Ein Nabendynamo ist das Nonplusultra", sagt Gerd Maurer, der selbst gerne viel Fahrrad fährt. Ein zweiter roter Rückstrahler sei sinnvoll, aber seit Juli 2017 nicht mehr vorgeschrieben. Reflektoren an den Pedalen und Speichen müssen dagegen sein, allerdings geht ein reflektierender ringförmiger Streifen an den Reifen oder in den Speichern auch. Gerd Maurer hat eine Kiste voller gelber Speichenreflektoren mitgebracht und montiert fehlende. Bremsen, Licht, Reflektoren und Klingel gehören also zur vorgeschrieben Ausrüstung eines verkehrssicheren Fahrrads. "Je früher die Kinder es wissen, desto eher sind sie bereit dazu", sagt Maurer. Ein Fahrradhelm ist zwar keine Pflicht, wird aber von Polizei und Verkehrswacht empfohlen. Am besten, Eltern nehmen das Kind mit zum Händler und lassen den Helm anprobieren. Er muss bequem sitzen, darf nicht zwicken.

Anschaulicher Eiertest

"Der Helm darf nicht kneifen", bestätigt Anna, die wie die anderen Kinder großen Spaß an dieser Ferienaktion hatte. Zudem solle der Helm schön sein und dem Kind gefallen. "Man sollte sich zum Einstellen des Helmes Zeit nehmen." Dass ein Helm vor Kopfverletzungen schützt, wird demonstriert. Ein Hühnerei bekommt einen passenden Helm auf und wird aus einer Höhe von 1,50 Meter auf den Boden geworfen. Das Ei bleibt heil und ohne Risse. Ohne Helm natürlich nicht. Zumindest war es ein gekochtes Ei.

Beim Parcours konnten die Kinder ihr Geschick beim Fahren beweisen, im Kreis auf einer vorgezeichneten Linie fahren, Slalom durch einen Stangenwald und durch eine gefährliche Krokodilschlucht: Wenn sie nicht geradeaus auf der Linie fahren, biss sofort ein hungriges Krokodil zu. Auch das starke Bremsen gehört dazu. Mit möglichst hoher Geschwindigkeit sollten die Kinder fahren und dann abrupt bremsen lernen, da ein spielendes Kind plötzlich auf Radweg oder Fahrbahn einen Ball hinterherlaufen könnte. "Gas geben und voll bremsen", erklärt der Polizist Manfred Weber den Kindern. "Nächstes Mal schneller," ergänzt er, um den Kindern Mut zu geben. "Die Kinder sollen sich trauen und ein Gespür dafür bekommen."

Die Polizisten haben auch "Schorsch" mitgebracht, eine Puppe, die zunächst nicht angeschnallt und ohne Kindersitz auf einen Gurtschlitten saß und bei einer abrupten Bremsung nach vorne fiel. Im Auto wäre es die Windschutzscheibe gewesen. Doch die Kinder wissen bereits, wohin ein Kindersitz kommt und dass ein Kind angeschnallt werden muss. Zunächst probieren sie das richtige Anschnallen selbst, bis Maurer demonstriert, wie man den Gurt über die Schulter legt, um Verletzungen zu vermeiden. Manfred Weber zeigt, wie ein Polizeiauto ausgestattet ist. Die Kinder dürfen in die Außensprechanlage sprechen.

Und dann noch ein verkehrsuntüchtiges Fahrrad

Dann wurde es ernst, da über Funk eine Radfahrerin gemeldet wurde, die sich auf einem verkehrsuntüchtigen Fahrrad der Hochburghalle näherte. Und auf was für einem: Es waren weder Klingel noch Bremsen dran und als Vorderlicht diente eine Kerze. Sie war bereits zum zweiten Mal in eine Kontrolle geraten, konnte aber flüchten, stahl noch auf der Flucht ein Fahrrad und fuhr mit dem davon. Polizist Hanspeter Lapp lief hinter ihr her und konnte sie "festnehmen" – Spaß muss beim Lernen einfach sein.

Weitere Termine: Do., 30. August: Bahlingen, Löhlinsee; Fr., 31. August: Simonswald, Schulhof; Mo., 3. September: Wyhl, Parkplatz an der Sporthalle; Di., 4. September: Herbolzheim, Breisgauhalle; Mi., 5. September: Denzlingen, Grundschule Brückleacker; Do., 6. September: Reute, Schulhof. Jeweils 9.30 bis 12.30 Uhr, Anmeldung nicht erforderlich.