Waschen verboten, Tiere sprechen

Hans-Jürgen Wehrle und Josef Weber

Von Hans-Jürgen Wehrle & Josef Weber

Sa, 29. Dezember 2018

Simonswald

Mythische Rauhnächte oder Lostage: Einst geheimnisumwitterte Bräuche im Schwarzwald zwischen Weihnachten und Dreikönig.

SIMONSWALD/ELZTAL. "Zwischen den Jahren", die Zeit von Weihnachten bis Dreikönig, war von einem bunten Kranz von Volksbräuchen und Mythen umrankt, die sich zum Teil auf heidnische Begebnisse zurückführen lassen – Stichwort "Rauhnächte" oder "Lostage". Zwei Kenner und Chronisten der Heimat, Hans-Jürgen Wehrle aus Simonswald und Josef Weber aus Elzach, haben Einiges zu diesem Thema, was sie einst von "Altvorderen" erfahren haben, für die BZ aufnotiert.

Hans-Jügen Wehrle: Noch heute werden auf dem Land in der Weihnachtszeit von vielen keine größeren Arbeiten verrichtet. Die Tage "zwischen den Jahren" waren fürs Landvolk einst wie Feiertage: Knechte und Mägde wurden "ausgesteffet" – sie bekamen am Stephanstag ihren Jahreslohn und gingen heim zu ihren Eltern, um Weihnachten dort zu feiern.

In dieser Zeit fiel auch der "Bündelestag": Verdingten sich Knechte und Mägde zu einem andern Bauern, nahmen sie ihren Bündel zum neuen Arbeitsplatz mit. Auch war in dieser Zeit Putzen, Waschen und Spinnen verpönt, wie es der Aberglaube vorschrieb, denn man könnte ja jemanden "zum Haus hinaus waschen", es würde also jemand sterben.

Und noch mehr: Man besprengte die Wohnung mit Weihwasser und räucherte die Ställe mit Weihrauch aus – im Glauben, dass dies fürs neue Jahr Unheil und Krankheiten abwendet für Mensch und Vieh. Deshalb spricht man heute noch von den "Rauhnächten", die nicht von "rauh", sondern von "Rauch" abgeleitet sind, also eigentlich "Rauchnächte" sind. Die Sitte, in der Heiligen Nacht Wasser zu schöpfen (ein Orakel) wird noch heute in Endingen praktiziert, dort heißt es "Heiligwogschöpfen". Eine Urkunde von 1570 über diesen Brauch findet man auch im Freiburger Archiv. Aus den "Lostagen", dem Wetter zwischen Weihnachten und Dreikönig, schloss der Bauer auf die Witterung des kommenden Jahres.

Der Ursprung der Weihnachtsgaben wird gern auf die Neujahrsgeschenke zurückgeführt, die schon bei den Römern üblich waren. Sie könnten aber auch auf den Brauch zurückgehen, bei der Geburt eines Kindes Gaben zu verteilen. In vielen Dörfern wurden die Kinder und Dienstboten früher nicht an Weihnachten, sondern am Nikolaustag, also am 6. Dezember, beschenkt. Von großen Geschenken an Weihnachten ist in alten Büchern kaum die Rede. Jedes Geschenk war als eine Glücksgabe anzusehen.

In seinem Buch "Elzacher Bräuche" schreibt Josef Weber: "Die Zeit von Weihnachten bis Dreikönig, die Lostage oder Heiligen zwölf Nächte, werden auch als Vorhersage für das Wetter im kommenden Jahr gesehen. Oft werden in dieser Zeit zwölf Zwiebelschalen vor das Fenster gelegt. Jeder Tag entspricht einem Monat und je mehr Wasser in den einzelnen Zwiebelschalen aufzieht, desto nässer wird der bezeichnete Monat.

Am Johannistag, 27. Dezember, wird der Johanneswein geweiht, von dem jeder trinkt. In den Rauhnächten (24. Dezember bis Dreikönig) soll man kein Brot backen und keine Wäsche waschen. Niemand weiß recht, warum. Man sagt, man wäsche jemand zum Haus hinaus. In der Weihnacht wirft der Bauer ein großes Holzscheit, den ’Wihnede-Block’ ins Ofenfeuer, damit es nie zu kalt werde.

Auch die Sage bemächtigte sich der Christnacht. Nicht nur, dass dort die Tiere reden können. Ein Talbewohner machte sich zu einem Lichtgang auf den Weg. Plötzlich war eine Gestalt neben ihm, die mitlief oder mit ihm stehen blieb – sder Teufel? Oder der Schatten?"

Soweit Josef Weber. Zum Schluss nochmals Hans-Jürgen Wehrle: Das Jahr endet und beginnt mit Silvester und Neujahr. Der Brauch des Neujahransingens ist bis heute noch vielerorts bekannt. Meist waren es ärmere Leute, die von Haus zu Haus zogen, um mit ihrem Neujahrsgruß eine milde Gabe zum Neuen Jahr zu bekommen. Abschließend ein Neujahrsgedicht aus dem Elztal vom Jahre 1900:
"Ein neues Jahr das gebe euch Gott,
ihr sollt’ auch halten die zehnt Gebot!
Die zehn Gebot’, die vier letzten Ding,
die wir im neuen Jahr schuldig sin’.
Im neuen Jahr sind wir’s schuldig,
im alten danken wir’s ab.
Wir wünschen euch allen ein neues guts’ Jahr!
Ein neues Jahr und e fröhliche Zeit, wenn’s Mastochsen regnet un Sugkälber schneit.
Wenn ihr was geben wollt, dann gebt es uns bald,
wir müssen noch heut’ durch den finstern Wald…"