Eine Weinprinzessin berichtet

Sinja Hornecker: "Eine tolle Zeit mit vielen Eindrücken"

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Mi, 11. Juli 2018 um 17:31 Uhr

Eichstetten

Die Eichstetter Weinnacht an der historischen Fünfbogenbrücke ist alljährlich ein besonderes Weinfest. In ihrem Heimatdorf mitfeiern wird auch Bereichsweinprinzessin Sinja Hornecker, die Mario Schöneberg von ihren aufregenden ersten zehn Monaten als Weinhoheit erzählt hat.

BZ: Frau Hornecker, mit welchen Erwartungen hatten Sie sich als Weinprinzessin beworben?

Hornecker: Als ich noch klein war, gab es schon mal eine Weinprinzessin in Eichstetten. 2002 wurde Franziska Schmidt in dieses Amt gewählt. Ich habe ihr damals einen Fan-Brief geschrieben und viele Autogrammkarten bekommen. Als ich diese vor zwei Jahren wiedergefunden hatte, wurde es zum Running-Gag in der Familie, dass ich doch Weinhoheit werden soll. Bei einer Weinveranstaltung im Breisgau habe ich dann Weinprinzessin Katharina Dier aus Bötzingen kennengelernt. Sie hat mich damals angesprochen und später auch gecoacht. Sie und viele Freunde haben seinerzeit gesagt, es wird eine tolle Zeit mit vielen Eindrücken, die schnell rum geht und Spaß macht.

BZ: Wurden diese Erwartungen erfüllt? Wie sehen Sie das heute nach zehn Monaten im Amt?

Hornecker: Die Zeit geht wahnsinnig schnell rum, man erlebt sehr viel und lernt viele interessante Menschen kennen. Viele Politiker waren dabei, aber auch unsere Winzer, von denen jeder etwas Besonderes ist. Auch die Anzahl der Termine ist machbar. Schon jetzt kann ich sicher sagen, dass das eine Jahr wohl zu kurz war. Gerne erinnere ich mich an den Empfang für mich im Dorf, den Brauchtumsnachmittag oder an andere Weinfeste in der Region zurück. Doch das schönste war, das eigene Weinfest in dem Dorf zu eröffnen, in dem man aufgewachsen ist. Toll ist es auch, all die anderen Wein-Hoheiten kennen zu lernen. Jedes der Mädels ist anders und hat eine ganz eigene Art, ihr Amt zu leben. Ich kann jeder jungen Frau nur empfehlen, sich für ein Amt als Weinhoheit zu bewerben.

BZ: Hat auch ihre Familie einen Bezug zum Wein und Ihrem Amt?

Hornecker: Mein Vater ist gelernter Winzer und war früher Vollerwerbslandwirt. Heute bewirtschaften wir als Familie noch rund 1,5 Hektar Reben im Nebenerwerb. Meine große Schwester, mein Bruder, aber auch ich als Nesthäkchen haben, wenn Zeit war, im Betrieb mitgeholfen. Und ich denke, wenn man in einem Weindorf wie Eichstetten aufwächst, kommt man gar nicht drumherum, mit Winzern und dem Wein in Berührung zu kommen. Meiner Familie bin ich sehr dankbar, sie ist immer hinter mir gestanden, hat mich gefahren, bei meinen Reden geholfen und ganz viele Fotos gemacht.

BZ: Wie war die Resonanz im Dorf und bei den Winzern?

Hornecker: Wenn ich Unterstützung gebraucht habe, habe ich sie auch bekommen. Positiv ist auch der Zusammenhalt unter den Winzern. Einer hat mir mal gesagt, "wir arbeiten für Eichstetten und nicht gegeneinander, denn es wäre schlimm, wenn jemand sagen könnte, er habe hier schlechten Wein getrunken". Tolle Erlebnisse gab es viele, insbesondere die Eröffnung vom Weinhaus Hiss und die 25-Jahr-Feier vom Weingut Frank Schmidt. Dankbar bin ich auch unserem Dorflädele, dort hat man meinen Prinzessinnen-Sekt, einen Weißburgunder extra trocken, ins Programm genommen, und ich habe beim Fünfjährigen Jubiläum eine Wein-Verkostung veranstaltet.

BZ: Ändert sich Ihr Weingeschmack?

Hornecker: Obwohl ich aus einer Winzerfamilie komme, habe ich doch sehr viel Neues über den Wein gelernt. Noch vor einem Jahr habe ich am liebsten Muskateller oder Scheurebe getrunken, doch süße Weine gehen heute für mich fast gar nicht mehr. Wie viele andere junge Menschen, die sich zum ersten Mal intensiv mit Wein beschäftigen, habe ich die Liebe zum trockenen Wein entdeckt und weiß heute auch eine guten Roten zu schätzen.

BZ: Können Sie sich vorstellen, als Badische Weinhoheit zu kandidieren oder später in der Weinbranche zu arbeiten?

Hornecker: Ich bin noch im ersten Ausbildungsjahr, da geht ein Amt als Badische Weinhoheit zeitlich gar nicht, weil man dann doch beruflich etwas zurückstecken muss. Und ich denke, wenn man ein bisschen älter und auch erfahrener ist, ist man besser für dieses Amt geeignet. Es ist möglich, dass ich mich später bewerbe, weiß es aber noch nicht. Aktuell mache ich meine Ausbildung ja im Außenhandel, da kann ich es mir gut vorstellen, später mal im Verkauf eines Weinbaubetriebes zu arbeiten. Ich glaube, guter Wein wird immer getrunken werden.

Sinja Hornecker (20) stammt aus Eichstetten, ihre Amtszeit als Weinprinzessin für die Bereiche Kaiserstuhl und Tuniberg dauert bis zum 31. August dieses Jahres. Sie absolviert derzeit eine Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau bei der Firma Fischer in Waldachtal.