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23. Februar 2012

Nur nicht nachdenken

In Vikersund springen die Athleten bei der Skiflug-WM über die größte Schanze der Welt.

  1. Die Veranstalter hoffen, dass in Vikersund am Wochenende die 250-Meter-Marke geknackt wird. Foto: dpa

VIKERSUND (dpa). Die Skiflug-WM auf dem Bakken von Vikersund wird für die Deutschen um Severin Freund und Richard Freitag zu einer außergewöhnlichen Mutprobe. Bei der Jagd nach den Medaillen und dem ersten 250-Meter-Flug der Historie sind auf der größten Schanze der Welt ganze Kerle gefragt.

"Die Athleten werden körperlich und mental maximal gefordert sein. Es braucht eine gewisse Kaltschnäuzigkeit, ja sogar Brutalität, um beim Tanz auf der Rasierklinge ans Limit zu gehen", sagte Bundestrainer Werner Schuster vor der Qualifikation an diesem Donnerstag (18 Uhr/ARD). Die Parameter des wie in Stein gemeißelten Riesenbakkens sind atemberaubend: Der Anlauf beträgt 134 Meter, am 3,65 Meter hohen Schanzentisch heben die Springer mit einer Geschwindigkeit von bis zu 105 Kilometer pro Stunde ab.

Severin Freund ist dank seiner Top-Ten-Platzierung im Gesamtklassement des Skiflug-Weltcups als einziger Springer des Deutschen Skiverbandes (DSV) fix für den Einzelwettbewerb über vier Durchgänge am Freitag und Samstag qualifiziert. Entsprechend locker und zuversichtlich gibt sich der Bayer, dass er seine persönliche Bestmarke von 218 Metern verbessern kann. "Ich war noch nie dort und gehe deshalb ganz unbelastet an die Aufgabe heran", sagte Freund. "Wenn es an die 250 Meter geht, sage ich sicher nicht nein." Das wäre Weltrekord. Die aktuelle Bestmarke hält der zu Wochenbeginn zurückgetretene Norweger Johan Remen Evensen, der im Vorjahr unglaubliche 246,5 Meter weit segelte. Norwegens Trainer Alexander Stöckl hält eine Steigerung bei den Titelkämpfen dennoch für möglich. "Aber es braucht optimale Bedingungen und auch den richtigen Fliegertyp", sagte der Österreicher.

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Was diesen ausmacht, erläutert sein Landsmann Schuster. "Mentale Stärke ist immer gefragt, aber es geht darum, den Adrenalinkick aktiv anzusteuern. Man muss den Ski sehr flach führen. Da hat man fast das Gefühl, die Kräfte sind so groß, dass es einem die Schuhe auszieht. Das kann man nicht technisieren. Das ist in letzter Konsequenz eine Herzensangelegenheit", sagte der Bundestrainer. Deshalb hat das DSV-Team, dem neben Freund und Freitag noch Andreas Wank, Michael Neumayer und Maximilian Mechler angehören, in der Vorbereitung auf die Hilfe eines Mentaltrainers verzichtet. "Man kann das nicht üben, dass man im Zweifel bis zur Ebene springt. Diese Entscheidung muss man in Sekundenbruchteilen selbst fällen", erklärte Schuster. Wank, der zu den Draufgängern zählt, hat seine eigene Erfolgstheorie. "Das Beste, was man machen kann, ist gar nicht nachzudenken. Das ist das Geheimrezept. Mal sehen, wer es am besten drauf hat", sagte der 24-Jährige. Da auch Freund und Freitag keine Hemmungen kennen und Neumayer als deutscher Rekordhalter mit 227,5 Metern zu den guten Fliegern gehört, rechnen sich die DSV-Adler vor allem im Teamwettbewerb am Sonntag eine Medaillenchance aus.

Autor: dpa