Engagement

So helfen Ehrenamtliche Menschen als rechtliche Betreuer

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 12. November 2018 um 11:59 Uhr

Freiburg

Es ist eine Aufgabe mit viel Verantwortung: Drei kirchliche Betreuungsvereine unterstützen Ehrenamtliche, die rechtliche Betreuungen übernehmen. Neue sind willkommen.

Immer wenn Hans Klink (74) auftauchte, kam die Frage: "Wie steht’s um meine Finanzen?" Gut, beruhigte Hans Klink dann den alten Mann, dessen rechtlicher Betreuer er war. Nun ist der Mann gestorben. Hans Klink will wieder eine Betreuung übernehmen – ehrenamtlich. Zurzeit gibt’s rund 3000 Betreuungen, meist für alte oder psychisch kranke Menschen, einige auch für Menschen mit Behinderungen. 60 Prozent laufen ehrenamtlich, davon die Hälfte mit Angehörigen, die anderen mit Fremdbetreuern. Die Betreuungsvereine suchen Neueinsteiger.

Hilfe für Menschen, die sich um ihre Angelegenheiten nicht kümmern können

Bis auf die Frage nach den Finanzen gab’s zuletzt kaum Gespräche – denn der Mann, den Hans Klink drei Jahre betreute, war dement. Manchmal ging Hans Klink mit ihm spazieren, am wichtigsten aber waren die monatlichen Besuche bei ihm im Pflegeheim, wo er Rechnungen durchschaute und alles Nötige erledigte.

Darin war er geübt: Davor war er der Betreuer eines anderen Mannes mit einer Schwerbehinderung gewesen – Hans Klink kümmerte sich um alles, von Briefen an die Krankenkasse bis zur Überweisung der Rundfunkgebühren. Einmal im Jahr legen alle Betreuer ihre Abrechnungen beim Amtsgericht zur Prüfung vor.

Hans Klink macht das alles gern, vor seiner Pensionierung hat er in der Finanzverwaltung gearbeitet. Ihm gefällt auch der Kontakt mit den Menschen, die er betreut – obwohl nicht alle Situationen einfach sind: Bei dem Mann mit Demenz musste Hans Klink gemeinsam mit dem Heimleiter und einem Psychologen entscheiden, wie es weitergehen sollte, nachdem der Mann weggelaufen war und sich verirrt hatte. Hans Klink versuchte, sich in den Mann einzufühlen und die Lage nach dem, wie er ihn kannte, zu beurteilen – und sprach sich für möglichst viel Freiheit trotz der Risiken aus.

Angefangen hatte einst alles mit einem Aufruf der Betreuungsvereine, danach hatte sich Hans Klink bei Christina Heine vom Betreuungsverein des Sozialdiensts katholischer Frauen (SKF) gemeldet. Es gibt zwei weitere kirchliche Betreuungsvereine, von der Diakonie und vom Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM).

Sie sind für alle ehrenamtlichen Betreuer da und kümmern sich um die 40 Prozent der Betreuungen, die zu schwierig für Ehrenamtliche wären – wegen des großen Aufwands oder weil es Menschen mit psychischen Erkrankungen sind, die sich gegen eine Betreuung wehren.

Hauptamtlichen Betreuern bleibt wenig Zeit

Im Gegensatz zu den Ehrenamtlichen, die lediglich eine Aufwandsentschädigung von 399 Euro im Jahr erhalten, werden hauptberufliche Betreuer bezahlt: Sie bekommen einen Stundensatz von 44 Euro, dürfen aber nach festgelegten Kriterien nur zwischen zwei und achteinhalb Stunden monatlich abrechnen. Das gelte auch dann, wenn jemand mehr Zeit brauche, betonen Christina Heine, ihre Kollegin Martina Fleig von der Diakonie und der SKM-Geschäftsführer Jürgen Borho. Am wenigsten Zeit ist demnach mit zwei Stunden im Monat für mittellose Betreute, die in einem Heim leben und seit mindestens einem Jahr einen Betreuer haben, vorgesehen. Mit achteinhalb Stunden am meisten Zeit können Betreute bekommen, die nicht in einem Heim leben und die Betreuung mit ihrem Vermögen selbst bezahlen.

Die gedeckelte Zeit sei auch deshalb problematisch, weil das Umfeld für Betreuungen immer komplexer werde, sagen die Vertreter der Betreuungsvereine: Mehr Menschen hätten Schulden, die bei vielen anstehende Wohnungssuche sei in Freiburg fast aussichtslos, auch das Jobcenter verlange immer mehr Unterlagen und Einsatz.

Und während Ehrenamtliche meist nur ein bis zwei Menschen parallel betreuen und sich daher Zeit nehmen können, ist zum Beispiel Martina Fleig für zurzeit 18 Menschen verantwortlich – mit einer 70-Prozent-Stelle, deren Hauptaufgabe aber nicht die Betreuungen sind, sondern die Begleitung der ehrenamtlichen Betreuer. Sie und ihre Kollegen arbeiten eng mit der städtischen Betreuungsbehörde zusammen, vermitteln Betreuer an die Betreuten und begleiten sie: Es gibt Einführungsseminare, Fortbildungen, Supervision und Hilfe bei allen Unklarheiten. Auch Angehörige können sich jederzeit Unterstützung holen, betont Jürgen Borho.

Die meisten ehrenamtlichen Betreuer sind zwischen 60 und 70 Jahren, zurzeit ziehen sich einige aus Altersgründen zurück. Neue werden gesucht. Nötig sind die Bereitschaft, sich auf Neues und die Übernahme von Verantwortung einzulassen und Zuverlässigkeit. "Wenn es passt, ist es eine sehr erfüllende Aufgabe", sagt Martina Fleig. Hans Klink nickt.
"Vorsorgeverfügungen, Rechtliche Betreuung, Ehrenamt": Am Mittwoch, 14. November, zwischen 11 und 15 Uhr informieren die Betreuungsvereine in der Kooperatur, Münsterplatz 36 A. Alle Interessierten und alle Fragen sind willkommen.