Münster nicht zu mehr zu sehen

So stark war die Feinstaubbelastung in Freiburg in der Silvesternacht

Manuel Fritsch

Von Manuel Fritsch

Mi, 02. Januar 2019 um 19:54 Uhr

Freiburg

Studien zu Folgen der plötzlichen Belastung auf die Gesundheit fehlen: Das Silvesterfeuerwerk lässt die Feinstaubwerte Jahr für Jahr in die Höhe schnellen.

Silvester hat seine Traditionen: Bleigießen, Dinner for One, Feuerwerk. Doch stehen die Traditionen unter Druck. Das giftige Blei wird durch Wachs ersetzt und auch das Feuerwerk wurde dieses Jahr torpediert. Mehrere Städte haben ihr Böllerverbot ausgeweitet und manche fordern gar ein generelles Verbot – aus Gesundheitsgründen. Produzieren die Knaller doch viel schädlichen Feinstaub.

Über Freiburg legte sich im Laufe der Nacht ein dicker Mantel aus Rauch und erschwerte zunehmend den Blick auf die farbenprächtigen Lichtkaskaden der Silvesterraketen. Unser Leser Marius König hat das eindrucksvoll fotografisch festgehalten.

5000 Tonnen Feinstaub in einer Nacht

Der Feuerwerksqualm ist aber nicht nur ein Problem für die Zuschauer. Denn er sorgt auch regelmäßig für die höchsten Feinstaubbelastungen im Jahr. Deutschlandweit werden Jahr für Jahr durch das Silvesterfeuerwerk rund 5000 Tonnen Feinstaub freigesetzt, rechnet das Umweltbundesamt vor. Das sind rund 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge an Feinstaub.



Auch in Freiburg schnellen die Messwerte am ersten Januar gegen Mitternacht regelmäßig in die Höhe und liegen zeitweise weit über dem Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. So auch in diesem Jahr.

Am ersten Januar haben die beiden Freiburger Stationen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg wieder deutlich höhere Werte gemessen als die Tage davor, wenn auch der Tagesgrenzwert insgesamt nicht gerissen wurde – denn da zählt nur der Mittelwert.

Arzt rät von Feuerwerk ab

Dennoch: Der Feinstaub in der Luft ist schädlich. "Es gibt zwar keine Daten zu den Auswirkungen der Silvesterknallerei", sagt Sebastian Fähndrich, stellvertretender ärztlicher Direktor der Klinik für Pneumologie an der Uniklinik. Doch was der Feinstaub bewirkt, ist bekannt: Die kleinen Partikel setzen sich tief in den Atemwegen ab. Dort können sie zu einer chronischen Entzündung führen, ähnlich wie bei Raucherkrankheiten.

Fähndrich rät daher, von Feuerwerk Abstand zu halten. Auch wenn es nicht untersucht ist, ob eine kurze extreme Belastung wie an Silvester oder eine kontinuierliche schwächere Belastung schlimmer ist. "Die Dosis macht hier das Gift", sagt Fähndrich.

Kein Bleigießen, kein Feuerwerk – wer auf Silvestertraditionen dennoch nicht verzichten will, dem bleibt in einem Jahr dann wohl nur noch Dinner for One – bei geschlossenen Fenstern natürlich.

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