Interview

So wird das Dreimatland-Mitsingkonzert vor der Lörracher BZ-Redaktion

Dorothee Soboll

Von Dorothee Soboll

Do, 17. Mai 2018 um 14:43 Uhr

Lörrach

Flowerpower-Woodstock-Feeling: Das Straßenmusik-Duo Tina & Jo tritt vor der BZ-Redaktion auf. Im Interview sprechen die beiden über ihr Konzept und Songs, die immer funktionieren.

Wer die Songs der 60er- und 70er-Jahre mag, sollte sich Samstag, 19. Mai 2018, von 16 bis 19 Uhr freihalten: Das Straßenmusik-Duo Tina & Jo gibt ein Mitsingkonzert vor der BZ-Redaktion. Die Veranstaltung ergänzt unsere große Serie "Dreimatland!", in der wir einen neuen Blick auf die Region werfen. Die Musiker Tina Saur und Joachim Barth erzählen, was die Zuschauer am Samstag erwartet.

BZ: Wer sind Tina & Jo? Bitte beschreiben Sie sich gegenseitig mit drei Adjektiven.

Tina: Jo ist sehr musikalisch, eher introvertiert und einfach sympathisch.

Jo: Tina ist verrückt, sehr fleißig und eher extrovertiert.

BZ: Wie haben Sie zueinander gefunden?

Tina: Wir sind seit 2009 ein Paar und seit Ende 2011 als musikalisches Duo unterwegs. Ich habe in Chören gesungen, und Jo war Schlagzeuger, im Musikverein, im Fanfarenzug und in der Schulband. Seit 2010 spiele ich Gitarre, er hat kurz danach angefangen. Er spielt jetzt auch Mundharmonika und Bass. Wir haben zu jeder Party und ans Lagerfeuer die Gitarre mitgenommen. Wir haben gemerkt, dass die Leute mitsingen, wenn man ihnen etwas an die Hand gibt.

BZ: Warum?

Tina: Wenn die Leute nur ein, zwei Zeilen mitsingen können, hören sie ganz schnell wieder auf. Deswegen haben wir Broschüren gedruckt und immer dabei.

BZ: Wie sieht Ihr Repertoire aus?

Tina: Es sind bekannte Songs der 60er- und 70er-Jahre mit eingängigen Melodien und Texten. Wir spielen englische Songs und deutsche Schlager. "Have You Ever Seen the Rain" oder "Proud Mary" werden gerne mitgesungen, Countrylastiges läuft gut – und Schlager wie "Im Wagen vor mir" oder "Marmor, Stein und Eisen bricht" kommen auch gut an. Auch Protest-Songs wie "Blowin’ in the Wind" oder "Sag mir, wo die Blumen sind" hören und singen die Menschen gerne. Die Arrangements unserer Songs entstehen mithilfe unseres Gitarrenlehrers und Coachs Mark Wise. Der in Schopfheim lebende Kalifornier ist in der Region kein Unbekannter.

"Wir haben mit Straßenmusik in Basel angefangen."Tina Saur von Tina & Jo
BZ: Wo hattet Sie die ersten öffentlichen Auftritte?
Tina: Wir haben mit Straßenmusik in Basel angefangen, um zu testen, ob unser Repertoire gehört werden will. Gleich zu Beginn sind wir auch im Adelhausener Biergärdle aufgetreten. Routine kam dadurch, dass wir an Kleinkunstfestivals teilgenommen haben, was wir auch immer noch machen. Bei "Lörrach singt" sind wir dabei, beim Straßenmusiksonntag in Bräunlingen und in Friedrichshafen beim Kulturufer. Wir waren auch schon zweimal oben an der Nordsee. Aber die meiste Zeit sind wir in der Region unterwegs.
BZ: Welcher war der beeindruckendste Auftritt?
Tina: Es ist jedes Mal anders, weil die Leute wechseln. Spannend ist für uns, wenn wir von Privatleuten gebucht werden, weil oft nur die Gastgeber wissen, wer wir sind und was die Gäste erwartet.
Jo: Am schönsten ist es, wenn alle singen.
Tina: Ein besonderes Erlebnis hatten wir in München. Um Straßenmusik zu machen, muss man dort auf dem Amt vorspielen, was sehr skurril war. Dort haben wir im Tourismusbüro für eine kleine, urige Bayerin gespielt. Dann konnten wir auf verschiedenen Plätzen spielen, auch auf dem Marienplatz. Wir haben gemerkt, dass sich der Platz füllt und dachten "Yeah, geil, 2000 Leute". Dann fiel uns auf, dass die Menschen nicht wegen uns kamen, sondern dass die Blicke nach oben gingen. Sie waren wegen des Glockenspiels gekommen. Aber das war nicht ungeschickt für uns: Der ein oder andere Groschen fiel in unseren Hut.
BZ: Was ist anders, wenn Sie auf der Straße spielen, als bei einem Auftritt in geschlossenen Räumen?
Tina: Auf der Straße kann alles passieren. Es gibt Menschen, die die Muße haben, stehen bleiben und mitsingen. Aber es gibt auch viele, die vorbeilaufen, weil sie in Shopping-Laune sind. Oder sie gesellen sich dazu. Wir hatten auch schon Mitsänger oder haben jemanden auf dem Cajon, einem Rhythmus-Instrument, sitzen lassen.
BZ: Was ist das für ein Gefühl, wenn andere Menschen mitsingen?
Tina: Wenn das Publikum mitsingt, ist das immer ein Highlight. Es ist etwas anderes, ob man Musik macht und beklatscht wird oder ob man mittendrin steht und die Leute zum Singen animiert. Das ist so unmittelbar. Es scheint ungewöhnlich zu sein, dass man Erwachsene zum Singen auffordert. Teilweise haben die Menschen Hemmungen. Aber wenn sie sich überwunden haben, teilen sie uns ihre Erfahrungen mit.
BZ: Welche Erfahrungen sind das?
Tina: Die Leute sind happy, manche wie von einem Trauma befreit. Da kommen Kommentare wie: "Ich musste in der Schule vorsingen, das war peinlich" oder "Andere sagten, ich sollte aufhören zu singen, weil es falsch klinge." Für uns spielt das professionelle Können keine Rolle. Wenn alle zusammen singen, klingt das einfach schön. Unser Publikum soll sich bei uns entspannen und nicht in Stress kommen. Das Ziel ist, dass sich die Leute ausprobieren und trauen. Es gibt einige, die immer wieder zu unseren Auftritten kommen. Wir sind dankbar für die anhaltende Unterstützung.
Die Interviewpartner

Tina Saur (40) studiert an der Universität Basel Soziologie und Geschlechterforschung.

Joachim Barth (50) ist Ingenieur für Automatisierungstechnik.
Weitere Infos: www.tinaandjo.de