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30. Mai 2009 16:16 Uhr
Der Freiburger Rathausplatz als "Fankurve" für 300 EHC-Fans
Mit Krach und Kutte fürs Eishockey und gegen die Stadt demonstriert
300 Eishockeyfans demonstrierten am Samstagnachmittag, weil sie besorgt und wütend sind: Die Franz-Siegel-Eissporthalle wird vermutlich nicht vor Mitte Oktober saniert sein – die 160000 Euro Mehrkosten, die den Wölfen daraus entstehen, will die Stadt bislang nicht zahlen.
Luca Mwinyi ist fünf Jahre alt und bei den Minis des EHC aktiv. Das rote Trikot mit der Nummer 19, das er trägt, schleift fast am Boden, eifrig schlägt er die winzige blaue Blechtrommel, die er vorm Bauch hängen hat. Aber egal, wie viel Krach der kleine Eishockey-Spieler macht: Sein Getrommel geht unter in dem rhythmischen Gerätsche, Getröte und Geklatsche, das die 300 Demonstranten auf ihrer laut lärmenden Demo an diesem Samstagnachmittag vom Technischen Rathaus bis zum Rathausplatz durch Freiburg wummern.
Dass die Wölfe und alle Eissportaktiven und Eissportfans derzeit in größter Sorge sind, ist gut zu verstehen. Die Franz-Siegel-Eissporthalle ist nach 40 Jahren ohne sorgfältige Instandhaltung und Sanierung so marode, dass sie nun quasi notfallmäßig überholt werden muss – laut Gemeinderatsbeschluss sollen die Arbeiten bis Mitte September abgeschlossen sein. Tatsächlich weiß man einen Tag nachdem die Lizenz für die kommende Spielzeit beantragt ist, dass frühestens Mitte/Ende Oktober in der Siegel-Halle wieder trainiert und gespielt werden kann.
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Eine Situation, die für die Wölfe im schlechtesten Fall finanziell nicht zu bewältigen wäre, wie Sebastian Anders sagt, Sprecher der Bürgerinitiative Pro-Eissport-Freiburg. Diese BI hat zur Demo aufgerufen, "damit sichtbar wird, dass hinter der Mannschaft auch viele Bürger stehen – treue Fans, die sich Sorgen machen!" Michaela Mwinyi, zum Beispiel, sorgt sich sich auch um den Nachwuchs: "Das trifft hunderte von Nachwuchsspielern – da geht es um Spitzensport und um Breitensport, die geschützt werden müssen!"
Und nicht nur Fans der Freiburger Wölfe sind besorgt um die Zukunft ihres Vereins: Im Zug sind immer wieder auch die Trikots anderer Mannschaften zu sehen. Sie sind aus Heilbronn, Schwenningen oder Weißwasser gekommen, um Solidarität zu bekunden. Auch Petr Mares bekennt sich zur Mannschaft. Der Flügelstürmer spielt ab der kommenden Saison in Diusburg.
Zwei Probleme gilt es zu bewältigen, damit die Aktionen Erfolg haben und die Wölfe in der nächsten Spielzeit wie geplant spielen können: "Erstens muss die Genehmigung kommen, dass er bis zur Fertigstellung der Halle in Hügelsheim bei Rastatt trainieren und spielen kann", erklärt Thomas Koßmann, "zweitens muss die Stadt als Verursacherin der daraus entstehenden Mehrkosten für die Schadensregulierung sorgen." Thomas Koßmann geht an Krücken auf der Demo mit – seit 1986 ist er beim Team zuständig für die Fan-Artikel.
Und von denen sind auf der Demo etliche im Einsatz: Kutte und Schal – quer durch alle Trikot-Zeiten, rot, blau-grau, weiß-grün, und Kappen in den entsprechenden Farben.
Auf dem Rathausplatz tönt’s aus dem bunten Pulk wie aus der Fankurve: "EHC, wir sind immer für dich da!" Dazu Trommeln, Kuhglocken und Hupen. "Wölfe geben niemals auf!" Aber der Zeitdruck ist jetzt enorm, gibt Sebastian Anders zu bedenken – und es ist höchste Zeit, dass die Stadt "nach dem Verursacherprinzip" endlich signalisiert, dass sie die Kosten übernimmt.
Dass auch die Fans zu der hohen Summe beitragen wollen, beweist das neue Spendenkonto der Wölfe-Fans, mit dem sie ihr Profiteam unterstützen. "Nicht auszudenken", sagt Thomas Koßmann, "wenn die Stadt nicht noch einlenkt und zumindest schnell in Verhandlungen tritt!" Die Fans skandieren:
"Das sind die Fans vom EHC, das wird sich niemals im Leben ändern!" Und Freiburger und Touristen sitzen und stehen ringsherum auf dem sonnigen Platz und hören verwundert, wie sich 300 Menschen fürs kühle Eishockey erwärmen. Auch der winzigste Nachwuchs, übrigens: Leana Baur ist mit ihren acht Wochen und zünftigem Wölfe-Strampler mit von der – durchweg friedlichen – Partie.
- Diskutieren Sie mit: Wer trägt sie Verantwortung?
Autor: Julia Littmann/ Dana Hoffmann
