Not am Mann und auf der Tribüne

Heinz Wittmann

Von Heinz Wittmann

Di, 17. Oktober 2017

Schwenningen Wild Wings

Verletzungspech, ein Etat mit Unterdeckung und zu viele freie Stadionplätze plagen die Wild Wings.

EISHOCKEY. Nichts zu gewinnen gab es für die von einer Verletzungsmisere geplagten Wild Wings. Dem 1:3 in Berlin folgte am Sonntagabend eine 1:2-Heimniederlage gegen die Kölner Haie. Dass die Schwenninger von größerem Verletzungspech verschont bleiben, diese Hoffnung hat sich jäh zerschlagen. Gegen die Kölner Haie musste der SERC "ohne fünf" auskommen, vier Stürmer und ein Verteidiger fehlten. Istvan Bartalis ist nach seinem Unterarmbruch noch drei bis fünf Wochen außer Gefecht. Völlig unklar ist, wie lange die Stürmer Andrée Hult und Tobias Wörle, bei denen Verdacht auf Gehirnerschütterung besteht, noch fehlen.

Hingegen hofft Trainer Pat Cortina, dass die Fingerkuppen von Istvan Bartalis verheilen und der Angreifer ebenso wie Verteidiger Jussi Timonen, der am Sonntag eine Stunde vor Spielbeginn wegen eines Magen-Darminfekts absagen musste, am kommenden Wochenende zum Auswärtsspiel in Krefeld und zur Heimpartie gegen Iserlohn dabei sind. Diese Hoffnung hat auch Wild-Wings-Boss Michael Werner. Dann sollten für die Wild Wings Nachverpflichtungen auch kein Thema sein. "Ich hatte vor Saisonbeginn Nachverpflichtungen kategorisch ausgeschlossen", erinnerte Werner daran, dass der Etat der Wild Wings eine Unterdeckung von 320 000 Euro aufweise, die aus den Privatschatullen der Gesellschafter ausgeglichen werden müsse.

Sollte allerdings Hult – der Schwede ist für das spielerische Element im Team unverzichtbar – tatsächlich wieder lange ausfallen, dann fehlt den Schwänen der vielleicht wichtigste Mann. "Aus sportlicher Sicht würden wir gerne nachverpflichten, aber der finanzielle Spielraum lässt dies nicht zu", so Werner. Dass dieser Spielraum etwas größer wird, dazu tragen die bisherigen Zuschauerzahlen nicht bei. Aus seiner Enttäuschung über die bisherigen Besucherzahlen macht Werner keinen Hehl. "Wir bieten attraktiven Sport und da ist es enttäuschend, dass wir im Stadion nicht die entsprechende Resonanz erfahren." Die Partie gegen eine Klassemannschaft wie die Kölner Haie wollten nach einem goldenen Oktobertag am späten Sonntagabend nur 3598 Zuschauer sehen. Der derzeitige Schnitt nach sechs Heimspielen liegt bei 3796 und damit noch unter dem als minimal angepeilten Schnitt von 3800 Fans.

Um tatsächlich den Etat ausgleichen zu können, müssten pro Partie im Schnitt 4800 Zuschauer zu Heimspielen in die Helios-Arena kommen. Doch mittlerweile sehen sich viele Fans die Partien bequem vom Sofa aus über das Internet an. Vor allem die Auswärtsfans bleiben aus. Wo früher beispielsweise aus Düsseldorf oder Köln immer ganze Kolonien zum Auswärtsspiel in den beliebten Schwarzwald kamen, waren in dieser Saison jeweils nur eine Handvoll DEG- oder KEC-Fans in der Helios-Arena.

Allerdings bringt der Vertrag mit "Telekomeishockey" der DEL jährlich 3,5 Millionen Euro und somit jedem Klub rund 250 000 Euro pro Saison ein. Es wäre ungemein schade, wenn die Wild Wings wie in der vergangenen Saison die Pre-Playoffs aufgrund von Verletzungspech verpassen würden. "Unsere Mannschaft muss weiter in der Lage sein, Spiele zu gewinnen", so Werner.