Deutschlands Eishockeyteam bei Olympia

STANDPUNKT: Was Funk, Schloder und Kühnhackl 2.0 ausmachte

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

So, 25. Februar 2018

Kommentare

Wer heute den Sonntag aus dem Briefkasten holt, weiß vielleicht schon, ob Deutschland sich zum ersten Mal "Eishockey-Olympiasieger" nennen darf, ob die Spieler um Trainer Marco Sturm das kurz nach fünf Uhr gestartete Finale gegen Russland gewonnen haben. Es sei vermutet, dass das "dritte Wunder" nach den Erfolgen über Schweden und Kanada ausgeblieben ist.

So oder so: Welch überragende Bedeutung der Finaleinzug hat, verdeutlicht der Blick darauf, wie weit die letzten deutschen Eishockeyhelden, die Bronzegewinner von Innsbruck 1976, in der Vergangenheit liegen. Von einem dieser Helden, von Lorenz Funk, bekam ich im Jahr und an der Stätte des Triumphes als Kind einst seinen zerbrochenen Schläger inklusive Unterschrift in die Hand gedrückt. Im September vergangenen Jahres hat Funk seinen mehrjährigen Kampf gegen den Krebs verloren, ist 70-jährig gestorben. Und selbst Funks gleichnamiger Sohn ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein ehemaliger Eishockey-Profi. Tom Kühnhackl, der Sohn eines anderen Helden von einst, ist immerhin noch aktiv, verhalf dem Nationalteam sogar zur Teilnahme in Pyeongchang, bekam von der nordamerikanischen Profiliga NHL aber keine Erlaubnis zur Turnierteilnahme.

Dass die NHL-Profis in Südkorea nicht am Start sind und dies Nationen wie Schweden oder Kanada härter trifft als die Deutschen, ist die prosaische Erklärung für deren gutes Abschneiden. Darüber hinaus erzählt der Erfolg viel über die Rolle der Psyche im Sport, darüber, wie sehr ein Team, das eine Einheit ist, von Erfolgserlebnissen beflügelt wachsen kann. Wie dieses Team in der Defensive ohne Unterlass füreinander arbeitete, war beeindruckend. Vor allem gegen die Kanadier zeigten die Deutschen dann auch in der Offensive phasenweise kaum für möglich Gehaltenes.
Lorenz Funk senior startete seine Karriere beim EC Bad Tölz. Während er aktiv war, hießen die großen Teams neben Tölz EV Landshut oder EV Füssen. Heute nennen sie sich Grizzlys, Haie oder Panther, sind in großen Städten zu Hause und spielen in einer Liga, aus der man nicht absteigen kann.

Dass Teams aus Bayern damals das Eishockey dominierten, dürfte damit zusammenhängen, dass es Winter gab, die so kalt waren, dass die Kinder in Bayern, aber auch im Schwarzwald oder auf der benachbarten Baar wochenlang jeden Nachmittag auf dem nächsten Eisweiher Eishockey spielen konnten. Jetzt werden sie sich in den Hallen drängen, sollte der Olympiaerfolg einen Boom des Sports auslösen. Selbst beim größten Boom dürften die Deutschen aber auch künftig die meisten Spiele gegen Eishockey-Traditionsnationen wie Schweden, Kanada oder Finnland verlieren. Vielleicht ist das auch gut so. Im Jahr 2018 haben sie aber zeigen dürfen, wozu das deutsche Eishockey fähig ist.