Der Weg zum Erfolg kennt keine Abkürzung

Wolfgang Scheu

Von Wolfgang Scheu

Mo, 06. August 2018

Sonstige Sportarten

Anton Salat vom Karate-Dojo Kappel lockt den Japaner Masahiko Tanaka, bedeutendster Karatelehrer der Welt, zu einem Lehrgang in der Schluchseehalle.

KARATE. Er ist der bedeutendste lebende Karatemeister. Als Trainer und Funktionär ist der ehemalige Generalmanager der japanischen Karatevereinigung (JKA) weltberühmt. Zwei Mal war Masahiko Tanaka Weltmeister im Einzel-Freikampf, einmal Mannschaftsweltmeister, legendär sein Schlusswettkampf bei der WM 1980 in Bremen gegen Deutschland.

Masahiko Tanaika war über Jahrzehnte die Nummer Zwei im Karate, direkt hinter dem Chef-Instruktor, mit weltweiter Verantwortung. Er gab Lehrgänge überall auf der Welt. Und er gilt als "letzter Samurai", wegen seines besonderen Kampfgeistes. Eine Legende, mit der jeder Karateka gerne trainieren will. Das war jetzt bei einem außergewöhnlichen Übungstag in der Schluchsee-Halle möglich – unter dem Motto: "Meet the Legend". Das Karate Dojo HakuRyûKan des Sportvereins Lenzkirch-Kappel unter der Leitung von Anton Salat hatte eingeladen zum Training mit Sensei Tanaka. 500 Bewerber gab es für den Lehrgang, nur 130 konnten angenommen werden, Tanaka wollte alle im Blick haben. Viele Karatesportler waren auch zum Zuschauen gekommen. Seit 25 Jahren war Tanaka sensei nicht mehr in Deutschland in Sachen Karate. Dieser Lehrgang war der erste offizielle Lehrgang seither in Deutschland, und ist zugleich ein Abschied: Tanaka will nicht mehr reisen. In Japan bleibt er aktiv – Karate betreibt man ein Leben lang. Aus dem gesamten Bundesgebiet, der Schweiz und Frankreich waren die Karateka zu diesem Trainingslehrgang mit dem Großmeister gekommen, auch ein Australier aus Tasmanien war dabei.

Die Mehrheit der Teilnehmer waren selbst Trainer und hochrangige Karatekas bis zum 8. Dan. Und alle waren sie begeistert. Schon bei der Aufstellung in der Schluchseehallte wird klar: Tanaka Sensei achtet auf kleinste Details. Etikette, Manieren, Körperhaltung und ständige Wachsamkeit sind enorm wichtig auf dem Weg, die eigene Persönlichkeit zu vervollkommnen. Kleine Bewegungen werden bei ihm zur hohen Kunst, schon die fließende Bewegung beim Aufstehen ist beeindruckend, Geschmeidigkeit statt Schwerfälligkeit zeigt der 77-Jährige. Er kann noch immer sofort aus dem Sitz in den Kampf übergehen.

Die hundertprozentige Beherrschung der Karate-Grundlagen verlangte er stets von sich und auch von seinen Schülern in Kappel. Sein Lebensmotto heißt "mukin shori": Der Weg zum Erfolg kennt keine Abkürzung. 80 oder 90 Prozent Einsatz reichen ihm nicht, er ist bekannt für seine harten Trainingseinheiten mit tausenden Fuß- oder Fauststößen. Selbst bei hochrangigen Schwarzgürteln sucht er beim Lehrgang in Kappel kompromisslos nach Fehlern, ohne Rücksicht auf den Dan-Grad. Bekannt ist Tanaka auch für seine Späße, die schmerzhaft sein könnten, aber nie sind. Sein Stoß oder Schlag mit dem Stock erfolgt immer mit höchster Konzentration. Trotzdem entsteht immer eine Gasse als Sicherheitsabstand, wo immer er mit seinem Stock geht.

Zwei Einheiten gab es bei dem insgesamt dreieinhalbstündigen Training mit Sensei Tanaka in Schluchsee. Das bedeutete Schweiß und Konzentration, aber auch Vermittlung von wichtigen Kleinigkeiten, die letztlich den Unterschied machen – zwischen einfachen Schlägen und wirkungsvollen Techniken – zwischen reinem Sport und lebenslang gesunderhaltendem Karate-Training.

Um dieses Wissen vermittelt zu bekommen, kamen die Teilnehmer teilweise aus 1000 Kilometer Entfernung angereist. Und sie wurden nicht enttäuscht. Auch die perfekte Organisation der Veranstaltung wurde allgemein gelobt. Dafür sind die Kappeler um ihren engagierten Leiter Anton Salat in der deutschen Karateszene allerdings bereits bekannt, haben sie doch bei vielen Lehrgängen der vergangenen Jahre immer wieder mit Gastfreundlichkeit imponiert. Das Orga-Team hat viele Helfer. Wie es Cheftrainer Anton Sàlat vom Kappler Dôjô HakuRyûKan immer wieder schafft, solch hochrangige Karatemeister in den Schwarzwald zu holen, kann man nur erahnen.

Sein Kontakt mit Sensei Tanaka währt bereits 26 Jahre. In Japan war Salat schon bei ihm zu Gast, durfte dort sogar in seinem Künstlerhaus wohnen. Sensei Tanaka und seine Ehefrau genossen trotz straffen Zeitplans das vielfältige Besuchsprogramm, das das Dôjô Kappel für die beiden vorbereitet hatte, aber auch die kurzen Ruhezeiten im Haus von Anton Salat mitten im Wald zwischen Lenzkirch und Bonndorf. Die Freude der über hundert Anwesenden beim Festbankett im Hotel Schwörer in Lenzkirch war groß, als Tanaka und seine Frau gemeinsam die Hochzeitstorte zur goldenen Hochzeit anschneiden durften.