Leichtathletik

Freiburg-Marathon: Warum durfte Dopingsünderin starten?

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Mo, 04. April 2016 um 14:39 Uhr

Leichtathletik (regional)

Aufregung um die Zweitplatzierte des Freiburger Marathons, Ann-Katrin Hellstern: Als Radsportlerin ist sie wegen Dopings zwei Jahre gesperrt. Ihre Teilnahme am Lauf war trotzdem korrekt.

Darf sie laufen, darf sie nicht? Läuferkreise in Freiburg zeigen sich entsetzt darüber, dass Ann-Katrin Hellstern, letztjährige Siegerin des Freiburg-Marathons und am Sonntag Zweite über die 42,195 Kilometer, derzeit wegen Dopings gesperrt ist. In Freiburg durfte die Radsportlerin allerdings laufen. Der Marathon gilt als Breitensportveranstaltung.

Seit dem 10. September vergangenen Jahres weiß die Freiburger Ausdauersportlerin aus Leidenschaft, wie sie sich selbst bezeichnet, dass sie gesperrt ist. In einem Brief teilte ihr die in Bonn ansässige Nationale-Anti-Doping-Agentur (Nada) damals mit, dass in einer Probe, die im August 2015 im Rahmen des Radrennens "Trans Schwarzwald" in Schonach angeordnet worden war, das Mittel Modafinil nachgewiesen werden konnte. Modafinil ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Stimulantien, der die Wachheit fördert. Das Medikament kann, weil es wach hält, als Dopingmittel und Partydroge missbraucht werden. Für zwei Jahre wurde Hellstern daraufhin von Sportrichtern aus dem Verkehr gezogen.

"Ich habe davon ein paar Tage vor dem Marathon erfahren", sagt Gernot Weigl, der Geschäftsführer der veranstaltenden Sportmarketing GmbH mit Hauptsitz in München. Er habe sich daraufhin mit Hellstern in Verbindung gesetzt, die ihm den Sachverhalt auch bestätigt habe. Auch die Nada habe er kontaktiert, sagt Weigl. Schriftlich habe ihm das oberste Sportschiedsgericht daraufhin bestätigt, dass gegen einen Start von Hellstern in Freiburg nichts einzuwenden sei. Grund: Der Freiburger Marathon ist ein Breitensportevent, der nicht nach den Regeln des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) veranstaltet wird, sondern ein privatrechtliches Konstrukt. Zudem werden keine Sieg- oder Antrittsprämien bezahlt. Der Veranstalter ist also völlig frei, wen er an den Start gehen lässt. "Weshalb also", fragt sich Weigl, "hätte ich Frau Hellstern verbieten sollen, am Sonntag an den Start zu gehen?"

Veranstalter entscheidet

"Der Marathon in Freiburg ist ein Lauf, der privatrechtlich organisiert ist", sagt auch Eva Bunthoff von der Nada. Der Veranstalter kann daher entscheiden, ob er einen gesperrten Sportler starten lässt oder nicht. Rechtlich sieht Bunthoff Schwierigkeiten, ohne Begründung in den Teilnehmerbedingungen des Veranstalters, gesperrten Läuferinnen oder Läufern den Start bei derartigen Veranstaltungen wie der am Sonntag in Freiburg zu verbieten: "Auch andere gesperrte Sportler haben während ihrer Sperre bei sogenannten Jedermannrennen oder Breitensportveranstaltungen teilgenommen, die nicht an das Regelwerk oder Verbandsveranstaltungen gebunden waren."

Ann-Katrin Hellstern war am Montag für die BZ nicht zu erreichen. Die Sportökonomin, die in einem großen Freiburger Sport- und Fitnesscenter arbeitet, radelte zuletzt für das BQ Cycling-Team. Ihre Spezialität: Langdistanzen im In- und Ausland. Auch als Läuferin war sie bei vielen Rennen Dauergast an den Startlinien.

Mitstreiterinnen sind sauer

Sieht man von vielen respektablen Ergebnissen ab, unter anderem war sie Elfte bei der Marathon-EM 2015 in Singen und 2012 Vierte bei der Deutschen Meisterschaft im Marathon sowie 2015 Zweite beim "Trans Schwarzwald" hinter Olympiasiegerin Sabine Spitz – jenem Rennen, bei dem die positive Dopingprobe augenfällig wurde –, war Hellstern eine von vielen motivierten Starterinnen bei derlei Veranstaltungen. Auch in Kirchzarten beim Ultra Bike war sie keine Unbekannte.

Viele Mitstarterinnen des sonntäglichen Rennens sind jetzt aber sauer auf Ann-Katrin Hellstern. "Musste das sein, kann die nicht mal für zwei Jahre ihre Beine stillhalten?", ließ sich eine Läuferin in den sozialen Medien vernehmen. Eine Meinung, die offenbar viele Läuferinnen teilen, die sich um eine bessere Position im Schlussklassement gebracht sehen.

Gernot Weigl hat solche Äußerungen auch vernommen, sieht aber keinen Handlungsbedarf. "Ich würde sie jederzeit wieder starten lassen."





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