"Viel anstrengender und komplexer"

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Fr, 09. März 2018

Schach

WARMLAUFEN mit Niklas Schmider, dem jungen Topspieler des SK Lahr.

SCHACH Verbandsliga: SK Lahr – SGEM Waldshut-Tiengen, Sonntag, 11 Uhr (wok). Der junge Mann gilt als das Schachtalent in Lahr. In der Verbandsliga ist der 15-jährige Gymnasiast des Städtischen Gymnasiums in Ettenheim bisher unbesiegt. Zudem ist der Kaderspieler aktueller Badischer Jugendmeister. Am Sonntag steht ein wegweisendes Match für den SKL an – Sieg oder akute Abstiegsgefahr. Zuvor stand der 15-jährige Kippenheimer, der wohl an Brett zwei spielen wird, für den BZ-Fragebogen Rede und Antwort – auch zu Nichtsportlichem.

» Als Kind wollte ich werden: Da hatte ich keine genaue Vorstellung.
» Lieblingsfach in der Schule? Mathe und Sprachen.
Welche Schachregel würden Sie einführen? Eigentlich finde ich alles Okay. Auf einem höheren spielerischen Niveau ist es schon ein wenig unfair, was die Farbverteilung angeht, weil weiß immer einen kleinen Vorteil hat. Auf meinem Niveau ist das nicht so wichtig. Da kann man mit Schwarz gut auf Gewinn spielen. Schachprofis haben mit Schwarz schon Probleme zu gewinnen, da geht es nur darum, irgendwie ein Remis zu halten. Das ist etwas nervig.
» Schach ist selbstverständlich eine Sportart, weil... es ist viel anstrengender und komplexer ist, als es normalerweise angesehen wird.
Beste Sportart außer Schach? Tischtennis macht einfach Spaß. Als Hobby bin ich ab und zu selbst mal an der Platte.
» Mein letztes Konzert: Im Dezember hörte ich mit der Schule das Weihnachtsoratorium in Rust.
Die beste Erfindung, die es je gab: Das ist vermutlich der Computer, die digitalen Medien insgesamt.
» Eine schlechte Angewohnheit von mir: Dass ich nie aufräume – das kann man so sehen. Beim Schachspielen verbrauche ich manchmal am Anfang viel zu viel Zeit, bin nicht so sehr konzentriert. Das ist nicht schön.
Welche Superkraft hätten Sie gern? Die Fähigkeit zu teleportieren. Oder auch Unsichtbarkeit.
» Ihr Lieblingsessen? Maultaschen.
Im TV verpasse ich nie? Ich schaue eigentlich nicht viel Fernsehen.
» Meine Lieblingsinternetseite? Chess24.com
Meine liebsten Hobbys? Schach, Sprachen lernen und lesen.
» Auf meinem MP3-Player fehlt auf keinen Fall: Musik von früher wie ACDC und Nirvana, aber auch moderne Sachen.
Gerne dabei gewesen wäre ich ... bei der Erfindung der Atombombe. Aber ich weiß nicht, ob das nicht ein wenig zu verrückt wäre. Ich habe mich ein wenig mit Wasserstoffbomben beschäftigt. Albert Einstein war ja insgesamt ein sehr friedfertiger Mensch, aber irgendwie hat er bei deren Entwicklung recht viel mitgeholfen. Die Atombombe war ja der Prototyp.
» Meine peinlichste Szene beim Schach? Ich war in Frankreich auf einem Schachturnier, dachte ich bekomme nach dem 40. Zug eine Zeitzugabe. Ich machten den 40. Zug und ging aufs Klo. Ich stand auf Gewinn, dachte mir, jetzt wird es einfach, ich bekomme ja nun eine halbe Stunde Zeit dazu. Als ich wieder zurückkam, stand mein Gegner lachend da. Ich bemerkte, dass ich keine Zeitzugabe bekommen hatte – und habe auf Zeit verloren.
Das erste Mal beim Schach … war ich durch meinen Papa. Er hat manchmal davon erzählt. Irgendwann war ich neugierig und wollte wissen, wie es geht.
» Lieblingseröffnung? Vermutlich sizilianisch. Die Eröffnung lässt sehr viel Spielraum. Manche Spieler kennen einen Haufen Theorie, die wissen bis zum 20. Zug oder im schlimmsten Fall bis zum 40. Zug, was sie gegen alles machen können. Am Ende steht ein Remis oder eine Niederlage. Für mich habe ich durch die Eröffnung die Chance aggressiver und richtig auf Gewinn zu spielen. Das bringt interessante Stellungen. Das ist mit einem Risiko verbunden, aber macht das Spiel interessant.
Der beste Schachspieler aller Zeiten? Bobby Fischer, aber auch Magnus Carlsen ist ziemlich stark.
Am Sonntag gegen die SGEM Waldshut-Tiengen, die nur einen Rang hinter dem SK Lahr steht …
wollen wir alles geben. Wir werden so stark aufstellen, wie wir können. Wir müssen schon gewinnen, sonst wird es eng mit dem Klassenerhalt. Wir haben zwar noch die drei schlechtesten Mannschaften, die es neben uns gibt, in dieser Runde vor uns. Aber wir müssen am Sonntag gewinnen.

Der SK Lahr bestreitet sein Heimspiel gegen die SGEM Waldshut-Tiengen am Sonntag ab 11 Uhr im Treffpunkt an der Stadtmühle in Lahr.