Furioses Schwarzwaldduo

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 03. Dezember 2018

Skilanglauf

Janosch Brugger gewinnt Weltcup-Klassiker / Ramona Straub springt erstmals auf Weltcuppodest.

SKI NORDISCH. Diesen Tag werden Janosch Brugger und Ramona Straub so schnell nicht vergessen: Die beiden Hochschwarzwälder haben am Sonntag in Lillehammer (Norwegen) mit grandiosen Leistungen die Weltspitze aufgemischt. Der 21-jährige Langläufer der WSG Schluchsee stürmte im Jagdrennen im Schneetreiben sensationell zu seinem ersten Weltcup-Sieg und die 25-jährige Skispringerin vom SC Langenordnach schaffte als Zweite auf der Großschanze ihren ersten Podestplatz im Weltcup. "Nebenbei" haben sich beide für die Weltmeisterschaft in Seefeld qualifiziert.

Das Beste zum Schluss, nach diesem Motto agierten beide beim "Lillehammer-Triple". "Echt krass" fand Janosch Brugger das gestrige Verfolgungsrennen über 15 Kilometer in der klassischen Technik. Dabei habe er am Morgen "nicht so richtig Lust gehabt", gestand er der BZ am Telefon. Doch beim Skitesten besserte sich seine Stimmung, beim Aufwärmen stellte sich bereits ein gutes Gefühl ein.

Der Lenzkircher ging als 45. ins Rennen, 2:31 Minuten nach dem führenden Norweger Sjur Röthe, seine Mannschaftskameraden Florian Notz (30.), Lucas Bögl (31.) und Jonas Dobler (32.) waren zwischen 29 und 20 Sekunden vor ihm gestartet und freuten sich im Schneetreiben über gute Ski. Bis von hinten der Youngster kam und an ihnen vorbeizog: Janosch Brugger hatte "immer mehr Leute eingesammelt". Seine hervorragend präparierten Ski "saugten nicht", sie waren schnell in den Abfahrten und am Berg hatte er "super Stieg". Unterwegs realisierte der Lenzkircher, dass er "super drauf" war.

Seine Aufholjagd "ging immer munter weiter", er führte die zweite Verfolgergruppe an die erste heran, teilweise unterstützt von Bögl und Dobler. In der letzten der drei Runden hörte er von Betreuern, dass es für ihn sogar um den Tagessieg gehen könnte, falls er sein Tempo durchhalte. Große Gedanken machte sich Brugger nicht, denn am letzten langen Anstieg - "sicher ein Kilometer" - "kann alles passieren". Der Einbruch blieb aus. Auf der letzten langen Abfahrt schoss der 21-Jährige noch an mehreren Konkurrenten vorbei und mit 1:08,9 Minuten Rückstand auf Gesamtsieger Didrik Tönseth (Norwegen) als 17. ins Ziel. Der Schwarzwälder hatte sich um 28 Plätze verbessert und die Tagesbestzeit aller 81 Starter hingelegt: 42:51,0 Minuten. Die Physiotherapeutin empfing ihn im Ziel mit der Nachricht, "dass es gereicht hat". Das bedeutete Tages- und damit Weltcupsieg für Janosch Brugger, der das "schon e weng surreal" fand.

Mit dem furiosen Erfolg nach Rang 55 im Sprint und 44 im Skatingrennen an den Vortagen qualifizierte sich der erste deutsche Weltcupsieger im Langlauf seit fast vier Jahren ebenso für die WM wie Dobler und Bögl. "Wir waren alle überwältigt", sagte der "Gewinner des Tages", nun 18. im Gesamt-Weltcup.

Auch Skispringerin Ramona Straub zeigte im dritten Wettkampf binnen drei Tagen ihre beste Leistung. Als Sechste war der Langenordnacherin am Freitag ein guter Saisoneinstand gelungen. Tags darauf folgte im zweiten Springen auf der Normalschanze Rang zwölf. Auf der Großschanze landete sie gestern im ersten Durchgang nach 127 Metern - Platz vier im Zwischenklassement. Im Finaldurchgang stellte die Sportsoldatin einmal mehr ihre Nervenstärke unter Beweis: Mit einem fulminanten Sprung auf 135 Meter und 242 Punkten musste sie sich nur Teamkollegin Katharina Althaus (128,5/139,5/ 254) geschlagen geben. In der Triple-Wertung wurde Ramona Straub beim deutschen Dreifach-Erfolg Dritte hinter Althaus und Juliane Seyfarth.