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17. März 2010
Mutige Fahrt zurück ins Leben
Doris Weiss und Benjamin Rudiger haben den Krebs bekämpft und unterstützen Krebskranke mit dem Erlös aus einem Trikotverkauf.
MOUNTAINBIKE. Olympia ist die Zeit der Euphorie. Von Helden ist dann die Rede, von Dramen und schier übermenschlichen Leistungen. Es ist die Zeit, in der Sportler und ihr Tun ins Mystische überhöht werden. Doch Sport kann mehr sein als die Abbildung von Höchstleistungen: bewegende Lebensqualität. Sport kann den Mut stärken, zu leben. Davon sind die Mountainbiker Benjamin Rudiger (26) und Doris Weiss (41) aus Kirchzarten überzeugt. Beide haben die schwersten Wettkämpfe ihres Lebens gewonnen. Den Krebs haben sie bezwungen. Mit Mut und Willenskraft.
Doch allein hätten sie es nicht geschafft. In den Momenten der Verzweiflung konnten sich Rudiger und Weiss auf viele Menschen verlassen. Das macht sie dankbar. "Wir wollen etwas von der Kraft und der Hilfe, die wir erfahren haben, zurückgeben", sagt Benjamin Rudiger, der zusammen mit Doris Weiss einen Verein gegründet hat: Ride2live. Mit einem einzigen Ziel: Krebspatienten Hilfe anzubieten, ihnen Mut zu machen und den Kampf um die Chance auf ein zweites Leben nach der Krankheit finanziell zu unterstützen.Werbung
Aus eigener Tasche haben Rudiger und Weiss die Produktion von Radtrikots vorfinanziert, die sie per Mundpropaganda und über das Internet (http://www.ride2live.eu verkaufen wollen. Der komplette Erlös aus dem Trikotverkauf (Einzelpreis 50 Euro) soll der Krebsnachsorgeklinik Katharinenhöhe in Schönwald zugute kommen. Erstes Nahziel ist die Finanzierung eines "Lauflernpfades" für Beinamputierte. "Vielleicht sind wir ein bisschen blauäugig an dieses Projekt herangegangen", gesteht Benjamin Rudiger. "Wenn wir helfen können, sehen wir alle Schwierigkeiten nicht als Hemmnis, sondern als Ansporn."
Thomas Zipfel, pfiffiger Cartoonist aus Kirchzarten und trotz spitzer Feder ein Zeichner mit großem Einfühlungsvermögen, hat das Logo für das Spendentrikot entworfen. Zwei schwungvolle Bögen, grün und weiß, symbolisieren, was Weiss und Rudiger erlebt haben. "Diese weiße Spur, das erste Leben, sie war so breit und schien ohne Gefahr zu meistern", erinnert sich Doris Weiss. "Und dann war mein Leben plötzlich von einem auf den anderen Tag zerstört." Durch einen zuerst unscheinbaren blauen Fleck am Oberschenkel, unter dem ein Tumor wucherte. Knapp zwei Jahre ist das jetzt her. Sechs Chemotherapien, eine schwere Operation und noch einmal eine hoch dosierte Chemotherapie liegen hinter der Mountainbikerin.
Ende der achtziger Jahre hat sie unter ihrem Mädchennamen Doris Jautz als eine der ersten Frauen im Schwarzwald zusammen mit den damaligen Europameistern Jürgen Sprich und Jürgen Eckmann den Ritt auf Stollenreifen populär gemacht. "Es gab Tage, da war mein einziges Ziel, aus dem Bett in die Dusche und wieder zurück zu kommen", erinnert sich die Mutter einer kleinen Tochter an die Hölle in ihrem Kampf gegen den Krebs. Langsam, zäh, beharrlich ist sie ins Leben zurückgekrochen, beseelt von einem Gedanken. "Ich wollte wieder Sport machen können und hinauf kurbeln auf den Hinterwaldkopf." Mut gemacht hat ihr dabei Benjamin Rudiger, der seinen Kampf mit dem Krebs vor drei Jahren gewonnen hat.
Beim Ultra-Bike-Marathon im vergangenen Jahr erlebte Doris Weiss, gezeichnet von ihrer Krebserkrankung, als Zuschauerin den zweimaligen deutschen U23-Meister vom St. Märgener Rennstall Rothaus-Cube bei einem seiner fulminanten Ritte zurück ins Leben. "Der Benni ist am Stollenbach hochgeheizt, als wenn es diese Krankheit nie gegeben hätte. Das war unglaublich und hat mir unheimlich Kraft gegeben." Kraft weitergeben. Mut machen. Einladen zum Gespräch. All das wollen Weiss und Rudiger heute. "Wir wollen Ansprechpartner für Krebskranke sein", sagt Benjamin Rudiger.
"Wir wollen zeigen, dass es sich lohnt zu kämpfen", sagt Doris Weiss und verweist auf den grünen Bogen auf dem Trikot, über den ein dynamischer Radler in himmlisches Blau kurbelt. "Mein Weg war unterbrochen", weiß sie. "Jetzt überwiegt die Hoffnung."
Autor: Johannes Bachmann
