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18. November 2008
So biegt sich Scharping die Dinge zurecht
Der Bund Deutscher Radfahrer bremst Doping-Aufklärer aus; vor dem Bundestag kommen sie ihm dann aber plötzlich sehr gelegen
FREIBURG. Zumindest beim Sportausschuss des Bundestages scheint Rudolf Scharping am vergangenen Mittwoch bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Mit seinen Aussagen zur Doping-Prävention des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) hat der Präsident seinem Verband 2,5 Millionen Euro Fördergeld für 2009 gesichert. Dass die Initiativen zur Doping-Prävention weder vom BDR initiiert noch bezahlt werden, hat Scharping dabei nicht erwähnt. Experten zweifeln weiterhin an der Glaubwürdigkeit des BDR im Anti-Doping-Kampf.
Tatort Leipzig – Freitag, 7. November. Der Bund Deutscher Radfahrer richtet eine Fortbildung für seine A-Trainer aus. Mit dabei sind auch der freie Journalist Ralf Meutgens und der Soziologe Gerhard Treutlein. Beide kämpfen seit Jahren gegen Doping und sind im Radsport nicht gern gesehen. Auf Treutleins Initiative sind Präventions-Maßnahmen wie die Trainer-Fortbildung zustande gekommen. Scharping nutzte diese dennoch in der Sportausschuss-Sitzung als Argument für den BDR. Dabei haben an den Aktionen außer dem engagierten Jugendsekretär Hilmar Heßler keine BDR-Verantwortlichen mitgewirkt. Das Projekt war unabhängig vom Radsport-Verband entwickelt worden, die Radler hatten sich Treutlein und seine Mitstreiter nur ausgesucht, weil sie das größte Doping-Problem haben.
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120 000 Euro, bezahlt von der Deutschen Sportjugend und SAP-Chef Dietmar Hopp, werden bis September 2009 in die Präventionskampagne investiert – der BDR gibt nichts dazu. Scharping und Co. wollen mit Meutgens und Treutlein eigentlich gar nichts zu tun haben. "Wir müssen achtgeben, dass wir nicht als Alibi missbraucht werden", sagt Treutlein, der das Heidelberger Zentrum für Dopingprävention leitet. Genau das ist vergangene Woche bei der Sportausschuss-Sitzung im Bundestag aber geschehen.
Vor den Parlamentariern schmückte sich Scharping mit Meutgens und Treutlein, im Verband werden sie dagegen ausgebremst. Auf der Leipziger Trainer-Fortbildung hatte BDR-Sportdirektor Burkhard Bremer Tage vor der Sportausschuss-Sitzung über Meutgens und Treutlein gesagt, diese würden nur gegen Doping kämpfen, um ihre Bücher zu verkaufen. Deshalb müssten sie das Thema interessant machen. Bremers Angriff gipfelte angeblich in der Behauptung, dass solche Leute dem Radsport schaden würden.
Bremers Aussagen wurden öffentlich. Jetzt muss er sich rechtfertigen und behauptet: "Ich habe Herrn Meutgens nicht diffamiert, sondern in der Diskussion nach meinem Vortrag nur die entsprechenden Interessen der Person dargestellt. Er ist freier Journalist, hat ein Buch geschrieben und arbeitet für Zeitungen und Rundfunk. Natürlich will er seine Artikel verkaufen. Eine positive Nachricht über den BDR habe ich von ihm noch nie gehört." Und weiter: "Unverständlich finde ich Aussagen, dass ich mit dem nicht zusammen arbeiten will."
Dennoch bestätigen mehrere Teilnehmer der A-Trainer-Fortbildung, die bei Bremers Ausführungen dabei waren, dass der BDR-Sportdirektor keinerlei Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Doping-Experten habe. So auch Christian Pilz, Abteilungsleiter eines Radsportvereins bei Nürtingen. Pilz kann die Haltung des Sportdirektors nicht verstehen: "Gerade jetzt, nach den ganzen Vorfällen, müsste man doch auf eine Zusammenarbeit setzen. Besonders, wenn sich solche Experten derart anbieten." Ein Teilnehmer forderte Bremers Rücktritt: "Wenn er mit Kritik nicht umgehen kann, soll er doch seinen Posten abgeben."
Anscheinend sieht der BDR bis zum heutigen Tag aber keinen Grund, sich kritisch mit der eigenen Situation und Vergangenheit zu befassen. Warum auch? Die Förder-Millionen aus Berlin fließen schließlich weiterhin.
Ralf Meutgens: Doping im Radsport. Erschienen 2007.
Andreas Singler/Gerhard Treutlein: Doping im Spitzensport. Erschienen 2006.
Autor: Daniel Drepper
