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09. August 2010
SV Nollingen
Dany Quintero: Von Kuba in die Provinz
Nationalkeeper Dany Quintero ist anerkannter Flüchtling und will es in den Profifußball schaffen.
FREIBURG. Ein Nationaltorwart in der zehnten deutschen Fußballliga. Vergangenes Jahr hat Dany Quintero noch vier Qualifikationsspiele zur WM in Südafrika gemacht. Gestern stand der ehemalige kubanische Nationaltorwart im Tor des deutschen Zehntligisten SV Nollingen. Die Mannschaft von der Schweizer Grenze gastierte zu einem Vorbereitungsspiel beim SV Opfingen II.
Seit Februar 2010 ist Nollingen die neue Heimat des 26-Jährigen. Nach einer Odyssee über Asylbewerberheime in Augsburg und Nürnberg fand er dort eine neue Heimat. "Ich fühle mich sehr wohl", sagt er über "diese super Truppe mit netten Jungs. Das hier ist wie eine zweite Familie für mich". Aufmerksame Beobachter der Freiburger Fußballszene mögen sich an sein Gesicht erinnern. 2008 gastierte die Nationalelf des Karibikstaates zu einem Freundschaftsspiel beim SC Freiburg.
Schon damals war Quintero angetan von den Freiheiten, die Bürger in Deutschland genießen. Ein Jahr später nutzte er ein weiteres Trainingslager der Nationalmannschaft zur Flucht. Er setzte sich im Juli 2009 vom Team ab und beschloss sein Glück in Europa zu versuchen. Sein Ziel: "Ich möchte den Weg in den Profifußball finden."
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Erste Schritte dahin wollte er eigentlich beim Schweizer Zweitligisten Servette Genf machen. Doch weder die Eidgenossen noch der portugiesische Drittligist CA Valdevez verpflichteten ihn. Zu den Gründen schweigt Quintero, lässt aber anklingen, dass es "nicht an meinen sportlichen Fähigkeiten lag". Quintero lernte im vergangenen Jahr auch die Ordnungswut der deutschen Behörden kennen. Er musste einen Monate währenden Bürokratie-Marathon über sich ergehen lassen, um an seine Aufenthaltserlaubnis zu kommen. Am Ende hielt er eine dreijährige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in den Händen.
Beim Freundschaftsspiel in Opfingen muss er nach 45 Minuten das Feld räumen – muskuläre Probleme. Die rühren wohl daher, dass er nicht austrainiert ist. "Ich muss gucken, dass ich jetzt schnell fit werde", sagt der siebenfache Nationalspieler. Drei Einheiten pro Woche mit der Mannschaft plus mehrere individuelle Sonderschichten sollen dafür sorgen, dass er wieder zu alter Stärke zurückfindet. Die soll laut Reinhold Fanz zumindest für die Dritte Liga in Deutschland reichen. Der ehemalige Nationaltrainer Kubas holte den 1,90 Meter-Hünen im Juni 2008 in den Kader. "Dany hat sicherlich Talent. Allerdings neigt er zur Bequemlichkeit", so Fanz, der aber glaubt, dass "er das Zeug hat, um in der Dritten Liga mitzuhalten".
Für den SV Nollingen ist Quintero nicht nur ein sportlicher Gewinn, sondern vor allem ein Zeichen, dass der Fußball als integrative Kraft viel leisten kann. In der Mannschaft ist Quintero voll akzeptiert. Am vergangenen Freitagabend wollte er mit seinen Kollegen ein wenig um die Freiburger Häuser ziehen. In einer Diskothek wurde ihm jedoch der Eintritt verwehrt. Ein Mitspieler zückte sein Handy, rief kurz eine Internetseite auf und hielt dem verblüfften Türsteher Quinteros Steckbrief unter die Nase. "Einem kubanischen Nationaltorwart wollte er dann doch rein lassen", sagt Quintero und lacht.
Das Spiel in Opfingen endete 3:3. Quintero kassierte eins der drei Gegentore. Doch Fußball ist für ihn nicht alles. Nach langem Versteckspiel ist er "ein offiziell anerkannter Flüchtling aus politischen Gründen". Er kann sich in einer freiheitlichen Republik ohne Angst bewegen, er kann seine Meinung ohne Bedenken äußern. Dazu könnte er für ein Novum sorgen: Noch nie gab es einen kubanischen Profifußballer in Deutschland.
Autor: Niklas Ziegler
