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07. Januar 2010 12:30 Uhr

Porträt

SC-Neuzugang Cissé sucht die Herausforderung

Seine Schusstechnik überzeugt – dafür spricht seine Torbilanz beim FC Metz. Jetzt soll der Senegalese Pappis Cissé für den SC Freiburg auf Torjagd gehen. Ein Porträt von René Kübler.

  1. „Ich hoffe, in Freiburg noch mehr zu treffen als zuletzt in Metz“ – Pappis Cissé gibt sich im Trainingslager selbstbewusst. Foto: MICHAEL HEUBERGER

CAMPOAMOR. Heiko Butscher zuckt erschrocken zusammen. Nur wenige Zentimeter zischt der Ball an seinem Kopf vorbei, schlägt in der kleinen Mauer hinter ihm ein. Initiator des vermeintlichen "Anschlags" auf den Kapitän des SC Freiburg ist Pappis Cissé. Der Neuzugang wollte eigentlich das kleine Tor ein paar Meter weiter links treffen. Doch der Ball rutschte dem Senegalesen über den Fuß. Eine Ausnahme.

Denn Cissé, das hat sich im Trainingslager im spanischen Campoamor schnell gezeigt, verfügt über eine ausgezeichnete Schusstechnik. Und er ist treffsicher. Sechs Tore hat er in den letzten sechs Spielen für seinen bisherigen Arbeitgeber FC Metz in der zweiten französischen Liga erzielt. Eine beeindruckende Quote.

AUCH HANNOVER 96 HATTE INTERESSE

Den Verantwortlichen des Sportclub ist Cissé bereits viel früher aufgefallen. Auch im vergangenen Sommer, als Metz zur offiziellen Saisoneröffnung im Badenova-Stadion antrat, war dem 24-Jährigen ein eindrucksvoller Auftritt gelungen. Zum 2:1-Sieg der Franzosen hatte er ein Tor selbst beigesteuert, das andere vorbereitet. Schon damals hätten die Breisgauer Cissé gerne verpflichtet, waren aber chancenlos. Metz, ein Favorit für den Aufstieg in Liga eins, wollte seinen wichtigsten Angreifer nicht abgeben. Cissés Ablösesumme wäre für den SC nicht bezahlbar gewesen. Das änderte sich gegen Ende des Jahres. Die Franzosen gerieten offenbar in finanzielle Schwierigkeiten, ein Cissé-Transfer wurde zur Lösung. Hannover 96 zeigte Interesse. Doch der SC Freiburg hatte die besseren Argumente. "Die Gespräche mit Trainer Robin Dutt und Sportdirektor Dirk Dufner haben mich überzeugt", sagt Cissé. Dazu kam, dass beim Sportclub bereits zahlreiche französisch sprechende Spieler unter Vertrag standen. "Hier", vermutet der Senegalese, "werde ich mich schnell integrieren".

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MAKIADI HILFT ALS DOLMETSCHER AUS

Einer, der Cissé entscheidend weiterhilft, ist Cedrick Makiadi. Die beiden teilen sich in Campoamor ein Zimmer. Und das, obwohl sie vor wenigen Monaten noch Kontrahenten waren. Im Länderspiel gegen Makiadis Team aus dem Kongo hatte Cissé beim 2:1-Sieg des Senegal sogar beide Treffer für sein Land erzielt. Gut, dass der Unterlegene nicht nachtragend ist. "Kein Problem", meint Makiadi, der dieser Tage den Dolmetscher für seinen neuen SC-Kollegen gibt.

Zu übersetzen gibt es die eine oder andere Ankündigung, die die Fans zu Hause gerne vernehmen werden. "Ich hoffe, in Freiburg noch mehr zu treffen als zuletzt in Metz", sagt Cissé selbstbewusst. Deswegen habe ihn der SC schließlich verpflichtet. Und dabei relativ viel Geld ausgegeben. Die Ablösesumme lag bei deutlich über einer Million Euro. Cissé ist damit der teuerste Neuzugang in der Vereinsgeschichte. "Dass man einen Stürmer, der Tore macht, nicht geschenkt bekommt, ist doch klar", sagt Dirk Dufner. Wobei Cissé im Vergleich zu den Beträgen, die andere Vereine in neues Personal investieren, geradezu ein Schnäppchen ist. Zumal er einen Vierjahresvertrag unterzeichnet hat, was bei einem Spieler dieser Kategorie keine Selbstverständlichkeit ist.

CISSÉ WILL SICH BEWEISEN

Die Erwartungen an ihn werden indes schon jetzt hoch sein. Dessen ist sich auch Cissé bewusst. Genau diese Herausforderung hat er gesucht. "Ich wollte in einer höheren Liga spielen und mich dort beweisen." Am liebsten in Deutschland. Der deutsche Fußball komme seinen Stärken (Schnelligkeit, gute Technik) entgegen, glaubt Cissé. Allerdings muss er sich zunächst an die eine oder andere Umstellung gewöhnen. "Die deutschen Mannschaften laufen viel mehr." Das ist Cissé relativ schnell aufgefallen. In Freiburg zu trainieren sei viel mehr Arbeit als in Metz. Doch das scheint ihn nicht zu stören. Im Gegenteil. "Am Ende zahlt sich das immer aus", glaubt Cissé und fügt lachend an: "So lange ich morgens noch aufstehen kann, kann ich auch arbeiten."

Autor: René Kübler