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20. September 2013

SC verspielt Zwei-Tore-Führung

In der Europa League kommt der Sportclub Freiburg gegen Liberec nach einem 2:0 nur zu einem 2:2 / Zwei Platzverweise.

  1. Wetten, dass dies das erste Tor des SC Freiburg seit zwölf Jahren in einem europäischen Pflichtspiel ist? Julian Schuster verlädt mit einem Foulelfmeter Liberec-Torhüter Kovar (Foto) und netzt ein. Foto: dpa

FREIBURG. Unglücklicher Start des SC Freiburg in der Europa League: Nach zwei grundverschiedenen Halbzeiten reichte es für die Gastgeber nach einer 2:0-Führung zur Pause lediglich zu einem 2:2 gegen Slovan Liberec. Schuster und Mehmedi trafen für den Sportclub.

Im Fernsehen war noch Frankfurt zu sehen, die Umarmungen der Eintracht-Akteure nach dem verdienten 3:0-Erfolg gegen Girondins Bordeaux, da stimmte sich das Publikum in Freiburg zu der Musik von "Volare" und rund zwölfjähriger Abstinenz auf einen neuen Tanz auf europäischem Parkett vor. Im nicht ganz vollen Mage-Solar-Stadion tanzte die Freiburger Fankurve, Fahnen wurden geschwenkt und das umfängliche Procedere vor Spielen in der Europa League bestaunt. Zu Gast war im ersten Gruppenspiel die Mannschaft aus dem tschechischen Liberec. Dritter dort in der abgelaufenen Saison.

Beim Blick auf die Freiburger Aufstellung mag ebenfalls das eine oder andere Augenlid nach oben gegangen sein. Karim Guédé, Nicolas Höfler, Sebastian Freis, Francis Coquelin und Fallou Diagne, allesamt bei der 1:2-Niederlage in der Liga in Augsburg noch in der Startformation, waren aus der Elf rotiert. Am Mittwoch noch hatte Christian Streich personelle Überraschungen nicht gänzlich ausgeschlossen – und diesbezüglich Wort gehalten. Der Trainer schickte Oliver Sorg von der linken auf die rechte Abwehrseite, dafür kam links Christian Günter zu Startehren. Im Angriff ließ der Coach Admir Mehmedi auflaufen, dazu den zuletzt angeschlagen Mike Hanke. Sebastian Kerk durfte im Mittelfeld ran, dazu, vielleicht gegen seine tschechischen Landsleute nicht ganz unerwartet, Pavel Krmas in der Abwehr. Die Rotation darf durchaus als mutig bezeichnet werden.

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Von Nervosität war nicht viel zu spüren in den Anfangsminuten. Der Sportclub begann forsch – und Jonathan Schmid war es vorbehalten, nach sechs Minuten ein erstes Ausrufezeichen zu setzen. Sein Schuss aus rund 18 Metern nach schönem Angriff flog aber knapp am Tor vorbei.Gleich darauf war es Sorg (10.), der aussichtsreich vor dem Slovan-Kasten aufkreuzte. Der Stimmung auf den Rängen war das nur noch förderlich, zumal auch Günter (13.) seine Schusskünste unter Beweis stellte. Nach 22 Minuten dann explodierte das Stadion. Günter war bei einem Vorstoß von dem kurz zuvor bereits mit Gelb bedachten Kusnir am Strafraumeck von hinten bedrängt worden – und kam dabei zum Fall. Der Schiedsrichter pfiff, es gab Elfmeter, Schuster verwandelte eine Minute später. Der Start in die Europa League war zu diesem Zeitpunkt vollends geglückt. Und die tschechischen Akteure vom Anfangselan und dem kollektiven Pressing der Hausherren wohl etwas irritiert.

Nach genau einer halben Stunde machte dann erstmals Slovan gefährlich auf sich aufmerksam. Eine Flanke von Rabusic platzierte Delarge knapp neben Baumanns Gehäuse. Freiburgs Hunger wurde dadurch angeregt. Jetzt war es Mehmedis Kracher (35.), der mit Unterstützung von Torhüter Kovar hoch im Tor von Liberec zum 2:0 einschlug und die Galerie verzückte. Das Freiburger Räderwerk funktionierte, die Harmonie auf dem Platz war augenfällig. Erinnerungen an die vergangene Saison wurden wach.

Der zweite Durchgang startete etwas verhaltener. Liberec positionierte sich etwas höher, versuchte die Freiburger Offensivbemühungen frühzeitiger zu unterbinden. Bemühen war den Gästen nicht abzusprechen, doch die Durchschlagskraft blieb zunächst bescheiden. Bei Freiburg hatte man das Gefühl, dass die erste Hälfte doch etwas Kraft gekostet hatte. Spritzigkeit und Konzentration offenbarten jetzt gelegentlich Abnutzungserscheinungen. Mehr noch. Einen Weitschuss des eingewechselten Kalitwintsew aus gut 30 Metern ließ Baumann (68.) unerklärlicherweise zum Anschlusstor durch die Hände rutschen. An der Dreisam war es plötzlich wieder spannend – und der zuvor glänzende Mehmedi rutschte unfreiwillig in die Rolle eines Komödianten. Ein Zuspiel von Ginter beförderte der Eidgenosse völlig unbedrängt in die Beine von Rabusic, der Baumann beim 2:2 (74.) keine Chance ließ. Das Spiel war jetzt völlig gekippt, und der kurz zuvor für Kerk gekommene Karin Guedé nach zwei Handspielen mit Gelb-Rot auch schon wieder vom Platz. Der Rest war Kampf – und auch Krampf. Beide Teams fanden jetzt keine klare Linie mehr. Der Pfiff des Unparteiischen erlöste. Die Enttäuschung bei den Gastgebern war zum Greifen.

Freiburg: Baumann, Sorg, Krmas, Ginter, Günter, Schmid, Fernandes, Schuster, Kerk (65. Guedé), Mehmedi (89. Coquelin), Hanke (80. Freis). Liberec: Kovar, Kusnir, Kovac, Kelic, Fleisman, Sackey (62. Kalitwintsew), Rybalka, Delarge, Pavelka, Frydek (46. Sural), Rabusic. Schiedsrichter: Balaj (Rumänien). Tore: 1:0 Schuster (23./Foulelfmeter), 2:0 Mehmedi (35.), 2:1 Kalitwintsew (68.), 2:2 Rabusic (74.). Zuschauer: 17500. Gelb-Rote Karten: Guedé nach einem Handspiel (78.) / Rybalka nach einem Foulspiel (90.+1). Gelb: Schuster / Kusnir, Kelic, Rabusic.

Mienenspiel

Günter, Sorg  

Autor: bz

Autor: Michael Dörfler