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29. September 2011 09:31 Uhr

BZ-Interview

Sportdirektor Dirk Dufner über den verpatzten Saisonstart beim SC Freiburg

Der Start des SC Freiburg in die neue Bundesliga-Saison ist nicht wie erwartet ausgefallen. Die Mannschaft von Trainer Marcus Sorg ziert nach sieben Partien einen Abstiegsrang. Wurden im Vorfeld der Spielzeit bezüglich der Einkaufspolitik Fehler gemacht, hat das Team die richtige Taktik, wo sehen die sportlich Verantwortlichen Handlungsbedarf? BZ-Redakteur Michael Dörfler hat bei Sportdirektor Dirk Dufner nachgefragt.

  1. „Wir suchen Verstärkungen“ Foto: Michael Heuberger

BZ: Herr Dufner, der SC Freiburg ist auf den 17. Tabellenplatz abgerutscht. Welche Frage würden Sie ob der misslichen Lage gerne an den Sportdirektor des Sportclubs stellen?
Dufner: Wenn man auf einem Abstiegsplatz steht, wird kritisch nachgehakt, das wissen wir. Es war aber immer unsere Stärke, solche Dinge in aller Ruhe und Sachlichkeit zu analysieren. Ich würde deshalb dem Sportdirektor die Frage stellen, wie der SC aus der sehr unbefriedigenden Situation rauszukommen gedenkt.

BZ: Wie denn?
Dufner: Bis auf das Katastrophenspiel beim FC Bayern München (0:7) waren wir auf Augenhöhe mit unseren Gegnern, auch wenn die Punkteausbeute nicht stimmt. Wir hätten mehr Spiele als das gegen Wolfsburg gewinnen können. Dies soll aber keine "Hätte-Wenn"-Ausrede sein. Wir wollen die Dinge verbessern, die dazu geführt haben, dass wir nicht gepunktet haben. Daran arbeiten wir intensiv.

BZ: Wenn man sich die Tabelle ansieht, fallen zwei Dinge auf: die mit 12 Toren recht hohe Torausbeute des SC, aber auch die 22 Gegentreffer, die meisten der ganzen Liga.

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Dufner: Das eine spricht zwar für unseren guten Angriff, der immer für Treffer gut ist. Zugleich erkennen wir aber an den Gegentreffern, dass wir in der Rückwärtsbewegung den einen oder anderen Fehler mehr machen wie wir es gerne hätten. Natürlich gehen allein zwölf unserer Gegentore auf die beiden Spiele bei Bayern und Bremen. Wir haben auf Schalke gesehen, dass die Mannschaft instabil reagiert, wenn ihr hoher Aufwand nicht belohnt wird. Und das müssen wir abstellen, ohne jede Ausrede.

BZ: Man könnte zu dem Schluss kommen, dass bezüglich der Offensive vor der Saison die Hausaufgaben gemacht wurden, dem Defensivbereich die eine oder andere Verstärkung auch ganz gut getan hätte.
Dufner: Mit dem Wissen um unsere Verletzungsmisere kann man das mit Stand heute so sehen. Es war nicht vorhersehbar, dass sich die Verletzungssorgen so in einem Mannschaftsteil ausbreiten: Krmas, Butscher, Mujdza, Bastians und Ferati. Unabhängig davon, dass wir unseren erfahrenen Spielern in der Abwehr vertrauen, die allesamt großen Anteil an der guten sportlichen Entwicklung des SC haben, sind wir in der Winterpause auf der Suche nach Verstärkungen und werden uns auch mit der linken Abwehrseite beschäftigen.
"Manchmal wirkt die Mannschaft etwas brav."
BZ: Es ehrt Sie, wenn Sie Spieler für Verdienste in der Vergangenheit adeln. Jünger und schneller werden sie dadurch aber nicht.
Dufner: Natürlich haben wir uns zukunftsorientiert umgeschaut, manche Spieler für die Defensive waren uns aufgefallen, wir haben Angebote unterbreitet, die Spieler aber schlicht nicht bekommen. Bevor wir aber in Aktionismus verfallen, machen wir lieber nichts. Von dieser Maxime werden wir auch nicht abrücken. Aber klar ist, dass wir uns in diesem Bereich verbessern müssen.

BZ: Was unterscheidet den Markt von Defensiv- und Offensivspielern?
Dufner: Früher war es einfacher, Abwehrspieler zu bekommen. Das Anforderungsprofil an Innenverteidiger hat sich aber grundlegend geändert. Verlangt werden längst keine robusten Typen mehr, die die Bälle wegputzen, sondern Spieler, die die Spieleröffnung beherrschen, also technisch beschlagen sind und ein gutes Spielverständnis haben. Spieler, die dir da weiterhelfen, gibt es nicht so viele. Und die Konkurrenz schläft auch nicht. Es ist also derzeit ähnlich schwierig, einen guten Innenverteidiger wie einen Top-Stürmer zu finden.

BZ: Braucht’s einen Verkauf von Cissé, um einen Top-Abwehrspieler an Land zu ziehen?
Dufner: Nein. Der SC ist finanziell gesund, aber wir wollen mit unserem Geld verantwortungsbewusst umgehen. Unabhängig von Cissé haben wir die Möglichkeit, um zu reagieren.

BZ: Aber das Gehaltsgefüge darf ein solcher Spieler nicht durcheinanderbringen.
Dufner: Richtig, das war und ist unser Kriterium.
BZ: Aber gibt’s dann einen Guten?
Dufner: Wichtig für einen Klub wie den SC Freiburg ist das Kollektiv, der Teamgeist. Das muss funktionieren, da darf keine Unruhe entstehen. Ein Ausreißer im Gehaltsgefüge könnte dieses Gefühl gefährden. Das ist das Letzte, was wir hier brauchen können. Also braucht’s einen jungen Spieler, einen mit Entwicklungspotenzial, der uns auch noch sofort weiter hilft. Diese Schnittmenge ist nicht besonders groß. Die andere Alternative wäre einer, der schon nachgewiesen hat, dass er auf hohem Niveau spielen kann, derzeit aber eine kleine Karrieredelle hat – aus welchen Gründen auch immer –, dem wir aber zutrauen, zur alten Form zurückzufinden.

BZ: Betrachter beklagen mitunter, dass der Sportclub im Mittelfeld zwar ganz hervorragend besetzt ist, die Spielertypen sich aber allesamt sehr ähneln. Fehlt da nicht ein aggressiver Typ, so eine Art Frank Lampard?
Dufner: Den würde ich nehmen. Aber Spaß beiseite, manchmal wirkt die Mannschaft schon etwas brav, da kann ich gar nicht widersprechen, auch wenn der Einsatz stimmt. Ein Typ, der kompromisslos ist, der hart dazwischenfährt, das wäre einer, den wir durchaus gebrauchen könnten. Da gebe ich den Fans recht.

BZ: Lässt Trainer Marcus Sorg die Mannschaft ein Stück weit zu offensiv spielen?
Dufner: Nein. Freiburg steht für attraktiven, offensiven Fußball. Wenn ich sehe, wie nah wir in vielen der zurückliegenden Spielen am Erfolg waren, und wenn wir nur ein paar unserer hundertprozentigen Chancen genutzt hätten, dann gäbe es diese Diskussion gar nicht. Wir sind nah dran, auch richtig gute Mannschaften besiegen zu können. Wir haben momentan eine Punktekrise und haben Probleme, mit negativen Vorkommnissen auf dem Rasen entsprechend umgehen zu können. Das ist nicht der Spielweise oder der Taktik geschuldet.

BZ: Wie sieht es denn mit dem Befinden von Garra Dembélé aus?
Dufner: Der hat sich sicherlich vorgestellt, öfter zu spielen. Trotzdem kam er bisher in sechs von sieben Spielen zum Einsatz. Er muss sich an die Bundesliga noch ein Stück weit gewöhnen. Im Moment muss er sich hinter Papiss Cissé einreihen, dessen Qualitäten er auf dem Platz ja ständig sieht. Garra Dembélé ist aber, und das versuchen wir ihm auch zu vermitteln, für uns ein Angreifer der Zukunft, an dem wir noch viel Freude haben werden.

BZ: Es kursieren Gerüchte, wonach Dembélés Ex-Klub Levski Sofia ihn gerne zurückholen möchte.
Dufner: Es gibt keine Kontakte oder Anfragen.

BZ: Wenn Sie jemand anruft und fragt, ob er am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach ins Stadion gehen soll, weil er einen Sieg sehen möchte, was antworten Sie dem?
Dufner: Dass er kommen soll. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft diese Hürde nimmt. Offenbar sind auch unsere Fans überzeugt: Das Stadion ist so gut wie ausverkauft.

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Autor: Michael Dörfler