Nachzahlung

DFB muss dem Fiskus über 19 Millionen Euro überweisen

sid

Von sid

Sa, 21. Oktober 2017

Sportpolitik

Der DFB hat dem Fiskus 19,2 Millionen Euro zu überweisen / Verband verliert für das Jahr 2006 seine Gemeinnützigkeit.

FRANKFURT (sid). Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte gerade die Weichen Richtung Zukunft gestellt, da wurde er von der dunklen Vergangenheit eingeholt. Der DFB muss im Zuge der steuerrechtlichen Ermittlungen im Skandal um die Heim-WM 2006 zunächst rund 19,2 Millionen Euro nachzahlen. Für das Jahr des "Sommermärchens" wird dem größten Sportfachverband der Welt zudem der Status der Gemeinnützigkeit aberkannt.

Das Finanzamt in Frankfurt am Main "stellt – entgegen der Ansicht des DFB – die steuerliche Abzugsfähigkeit" der 6,7 Millionen Euro, um die sich die ganze WM-Affäre drehen, infrage, teilte der Verband mit und kündigte Widerstand an: "Der DFB wird auf Anraten seiner anwaltlichen und steuerlichen Berater die geänderten Steuerbescheide anfechten."

Vorgeworfen wird dem DFB Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall. Der Fiskus soll bei der Rückzahlung des ominösen Darlehens an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus bewusst getäuscht worden sein. Die Summe hatte der DFB in seiner Steuererklärung als Kostenbeitrag, also als "Betriebsausgabe", zu einer WM-Gala verbucht. Die Gala fand allerdings nie statt. "Der DFB ist unverändert der Auffassung, dass die Zahlung der 6,7 Millionen Euro betrieblich veranlasst war und deshalb zu Recht steuerlich als Betriebsausgabe geltend gemacht wurde", teilte der DFB mit: "Demzufolge fehlt es auch an einer Grundlage für eine Versagung der Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006."

Im Jahr 2002 waren die kurz zuvor von Louis-Dreyfus geliehenen 6,7 Millionen Euro über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Organisationschef Franz Beckenbauer maßgeblich beteiligt war, an den Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam nach Katar geflossen. Warum, dies versuchen die Staatsanwaltschaften in Frankfurt und in der Schweiz immer noch herauszufinden. Vorerst wird der DFB die in den geänderten Bescheiden festgesetzten Steuern aber "fristgerecht" bezahlen.

Die tiefgreifende Strukturreform wurde am Freitag trotzdem zur Nebensache. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff wurde dabei zum neuen "Superminister" beim DFB ernannt. Der 49-Jährige wird Direktor der Abteilung "Nationalmannschaften und Fußballentwicklung". Vom 1. Januar 2018 an verantwortet der "Golden-Goal"-Torschütze im EM-Finale 1996 gegen Tschechien (2:1) alle Themen rund um die Nationalmannschaften der Frauen und Männer sowie der Nachwuchsteams. Bierhoff wird der Chef bei der "konzeptionellen Weiterentwicklung des Fußballs und dem Wissensmanagement, insbesondere durch die geplante DFB-Akademie", teilte der DFB mit. Statt bislang sieben wird es nur noch vier Direktionen geben.

Kinkel soll aufklären im Schiedsrichter-Streit

Der frühere Außen- und Justizminister Klaus Kinkel (80) soll indessen den Schiedsrichter-Streit aufklären. Kinkels Ethikkommission beschäftigt sich mit den schwerwiegenden Vorwürfen von Manuel Gräfe gegen die früheren Schiri-Bosse Hellmut Krug und Herbert Fandel. Im Kern werden Fandel und Krug fehlende Transparenz, Vetternwirtschaft und schlechter Führungsstil vorgeworfen, auch von Mobbing ist die Rede. Fandel ist Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, Krug als DFB-Projektmanager unter anderem verantwortlich für den Videobeweis. Manuel Gräfe ist an diesem Samstag (18.30) als Videoschiedsrichter beim Spiel Hamburger SV – Bayern München im Einsatz.

Der erfahrene Unparteiische (225 Bundesliga-Einsätze) hatte öffentlich von einem krankenden System unter Fandel und Krug berichtet, im dem Beeinflussung und Manipulation von Untergebenen an der Tagesordnung stünden.