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20. April 2014 15:56 Uhr

Gewaltprävention

Freiburger starten Projekt gegen sexuelle Gewalt im Sport

Über sexuelle Gewalt aufklären, wollen die Badische Sportjugend und der PTSV Jahn Freiburg. Bei der Initiative steht vor allem die Prävention im Vordergrund. Der SC Unterstützt das Projekt

  1. Auch Oliver Sorg, Abwehrspieler des SC Freiburg, unterstützt das EU-Projekt „Sport respects your rights“ – Sport respektiert deine Rechte. Foto: Patrick Seeger

Wie kann sexuelle Gewalt, wie können sexuell motivierte Belästigungen in Sportvereinen verhindert werden? Wie werden Kinder und Jugendliche wirksam geschützt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich nun eine Initiative der Badischen Sportjugend und des PTSV Jahn Freiburg. Der Fußball-Erstligist SC Freiburg unterstützt das Projekt, die Europäische Union hat es angeschoben.

In vielen Sportvereinen Südbadens sprechen Übungsleiter und Ehrenamtliche schon jetzt engagiert über die Frage, wie sie künftig noch besser als bisher auf das Wohl der Kinder und Jugendlichen achten können. Die Missbrauchsskandale in den Kirchen gaben der öffentlichen Diskussion über sexuelle Gewalt und Belästigung auch in anderen Bereichen der Gesellschaft einen Schub. Die Europäische Union rief bereits im vergangenen Jahr die Kampagne "Sport respects your rights" ins Leben – Sport respektiert deine Rechte. Sechs Länder arbeiten dabei zusammen: Deutschland, Österreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Polen.

In Deutschland werden drei Projekte von der EU gefördert: im Rheinland, in Sachsen-Anhalt und in Südbaden. Der PTSV Jahn Freiburg hatte sich zusammen mit der Badischen Sportjugend (BSJ) mit Sitz in Freiburg erfolgreich für eine Förderung beworben. Die Schirmherrschaft über die südbadische Kampagne übernimmt der SC Freiburg. "Wir unterstützen das Projekt sehr gern", erklärte SC-Sprecher Rudi Raschke bei einem Pressetermin am Donnerstag. "Wir finden es sehr wichtig. Sport darf nicht der Ort sein, an dem Gewalt stattfindet."

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SC-Spieler unterstützen das Projekt

Oliver Sorg, Abwehrspieler des SC Freiburg, stellte sich im Stadion an der Schwarzwaldstraße für Fotoaufnahmen zur Verfügung. Niklas Hitz und René Haberstroh, die beide ein freiwilliges soziales Jahr im Sport absolvieren, erklärten in den Räumen des SC, worauf ihre Kampagne abzielt. Sie sind 19 und 20 Jahre alt und wollen vor allem Jugendliche und junge Menschen dazu motivieren, sich mit der Thematik vertraut zu machen, sie in ihre Vereine zu tragen und Kampagnen gegen "sexualisierte Gewalt im Sport" zu entwickeln. "Sexuelle Gewalt darf kein Tabuthema sein", sagte Niklas Hitz.

"Es ist wichtig, darüber aufzuklären und das Thema nicht länger unter den Teppich zu kehren." Hitz und Haberstroh organisieren nun entsprechende Workshops. Sie werden dabei unterstützt von Christopher Ott, der sich bei der Badischen Sportjugend schon seit 2012 mit dem "Kinder- und Jugendschutz im Sport" befasst und dort auch als Ansprechpartner für die mehr als 3000 Sportvereine in Südbaden dient. "Sport ist auch nur ein Abbild der Gesellschaft", sagte der 26-jährige Ott. "Was dort geschieht, geschieht auch im Sport."

Prävention steht im Vordergrund

Im Mittelpunkt der Bemühungen stehe die Prävention, also die Vorbeugung. Sportvereine könnten mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen vorbeugen. Dazu gehöre zunächst einmal eine Analyse, was konkret im Verein geschieht: Duschen Trainer gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen? Wo betreut nur ein Einzelner eine Gruppe, wo herrscht das Vier-Augen-Prinzip? Haben Übungsleiter den sogenannten Ehrenkodex unterschrieben? Darin verpflichten sie sich unter anderem dazu, "die individuellen Empfindungen zu Nähe und Distanz, die Intimsphäre und die persönlichen Schamgrenzen der mir anvertrauten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen" zu respektieren.

Ott, Haberstroh und Hitz raten darüber hinaus dazu, in jedem Verein Vertrauenspersonen zu benennen, an die man sich wenden kann. Ganz konkret sollten Kinder und Jugendliche nach Otts Worten wissen: "Wenn dir etwas komisch vorkommt, dann sprich darüber mit deinen Eltern oder mit der Vertrauensperson in deinem Verein." Sollte es tatsächlich Verdachtsfälle geben, kann die Badische Sportjugend dann schnell den Kontakt zu Fachleuten herstellen – in Jugendämtern, aber auch in Beratungsstellen überall in der Region.

Der PTSV Jahn Freiburg und die Badische Sportjugend bieten Jugendlichen und jungen Erwachsenen am 17. und 18. Mai einen Workshop zum Thema "Sport respects your rights" an. Anmelden können sich 16- bis 22-Jährige, die sich aktiv für den Schutz von Kindern und Jugendlichen in Sportvereinen einsetzen und dazu Kampagnen entwickeln wollen. Anmeldung und Informationen bei Niklas Hitz, Telefon 0761/37980, E-Mail fsj@ptsv-jahn-freiburg.de

Mehr zum Kinder- und Jugendschutz bei der Badischen Sportjugend Freiburg http://www.bsj-freiburg.de

Autor: Andreas Strepenick