Posaune und Orgel als Ergänzung im Gegensatz

Margrit Matyscak

Von Margrit Matyscak

Di, 23. Juli 2013

St. Blasien

Die Posaunistin Mayumi Shimizu und Domorganistin Eiko Maria Yoshimura brillieren bei den Internationalen Domkonzerten.

ST. BLASIEN. Die Domkuppel liebt tiefe, warme Klänge. Wenn dann noch der Fußrhythmus eines Stöckelschuhs hinzukommt, dann sind die Zuhörer hin und weg. Die einen, weil sie damit gar nichts anfangen können, die andern, weil sie vom Klang auf Wolke 17 gehoben werden. Mayumi Shimizu erreichte diesen Effekt mit der Posaune beim ersten Orgelkonzert der der Reihe Internationalen Domkonzerte.

Musizierend aus dem Seitengang kommend erreichte sie den Altarraum, um dort Jean-François Michels Hommage a Jean Tinguely zu Ende zu interpretieren. Der Untertitel, des Künstlers Sprechgesang – Tanz der Maschine, trug zum Verständnis des zeitgenössischen Stückes bei. Die Klangbildung faszinierte.

An der Orgel saß Eiko Maria Yoshimura und malte Farben. Während die Posaune schweren Schrittes mit großen Längen op. 88 von Alexandre Guilmant begann, hinterlegte die Orgel pastellfarbene Heiterkeiten. Die Posaune konnte sich dem nicht entziehen, verließ ihre Schwärze, begann wie eine Trompete zu schmettern, um sich im nächsten Augenblick wieder gravitätisch zu schreiten. Dieses Stück zum Auftakt sollte das Konzert charakterisieren.

Orgel und Posaune ergänzten sich im Gegensatz. Bei der Sonate C-Dur für Posaune und Orgel von Joseph Bodin Boismortier sang und wiegte sich die Posaune im Largo, durchsprang die Allemanda, gab dem nächsten Largo Choralcharakter und der Giga den Walzerschritt. Die Orgel verstand sich offensichtlich als Basso continuo, so weit nahm sie sich zurück.

Bei Bachs letzter Komposition, "Vor deinen Thron tret’ ich hiermit" (BWV 668), sorgte Eiko Maria Yoshimura durch die Wahl der Registerstimmen für schlichte Innigkeit. Die Strenge der Komposition aus Zahlen und Buchstaben, von der Bernhard Marx in seiner Einführung gesprochen hatte, wich, wie so oft bei Bach, tiefer Demut und Gottvertrauen.

Das Concertino per Trombone von Leopold Mozart entlarvte den Lehrer des heiter leichten Sohnes. Das Adagio dieses Stückes erklingt häufig als Lied der Berge als Einzeldarbietung. Die Tuba Tune von Norman Cocker interpretierte Eiko Maria Yoshimura als Gewebe dreier gegensätzlicher Registerfarben und Litanies, AWV 100 von Jehan Alain als Gegensatz von Aufschrei und Beruhigung. Bernhard Marx hatte in dieses Stück mit einem biografischen Hintergrund eingeführt. Alain hatte zuvor zwei Kinder verloren.

Den Abschluss bildete ein Duett für Posaune und Orgel von Gustav Holst. Yoshimura stellte sich auf gleiche Ebene mit Shimizu und wetteiferte, statt zu dienen.

Dem stürmischen Applaus folgten zwei Zugaben: "Time to say good bye", unterstützt von Percussion und einer japanischen Komposition zu Ehren der verstorbenen Eltern der Organistin. Spannend, engagiert, einfallsreich waren Programmzusammenstellung und Interpretation bis zum letzten Ton.