Trinational gegen die Tigermücke

Michael Baas

Von Michael Baas

Do, 07. Juni 2018

Basel

Mit einem von der EU und der Schweiz geförderten Interreg-Projekt will die Region das Vordringen der gefürchteten Stechmücke bremsen.

BASEL (alb). Die Asiatische Tigermücke ist auf dem Vormarsch. Vor gut zehn Jahren wurden an einem Autobahnrastplatz im Kreis Lörrach erstmals Eier der Stechmücke gefunden. Inzwischen ist diese an weiteren Orten der Region aufgetaucht. Ein trinationales, federführend von der Uni Straßburg und da von Bruno Mathieu betreutes Interreg-Projekt will bis Ende 2020 nun die Überwachung und Bekämpfung optimieren. Das Projekt, für das ein von der EU, der Schweiz und drei Kantonen gefördertes Budget von 1,73 Millionen Euro bereitsteht, wurde am Mittwoch im Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) in Basel vorgestellt.

In Südeuropa wird das Vordringen der als aggressiv geltenden Asiatischen Tigermücke seit längerem beobachtet. Begünstigt von der fortschreitenden Mobilität und dem Klimawandel breitet sich das Insekt, das Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen kann, mittlerweile auch nördlich der Alpen aus. Die Mücke sei "sehr lästig", da sie "den Siedlungsraum bevorzugt und am Tag sticht", erklärt Pie Müller, Insektenkundler (Entomologe) und Leiter der Vektor-Kontrollgruppe am Swiss TPH, das das Projekt auf Schweizer Seite betreut. Eine Überwachung und zeitnahe Kontrolle sei daher wichtig, denn die Mücke kenne keine Landesgrenzen, betont Müller weiter.

In Freiburg war bereits 2015 eine brütende Population nachgewiesen worden. Der Kreis Lörrach hat 2016 ein Monitoring, also eine punktuelle Überwachung, eingeleitet. Vergangenen Sommer wurden dann auch in Basel am Autobahnzoll gen Saint-Louis sowie in Lörrach Tigermücken entdeckt; in Lörrach übrigens in einer "massiven Population", wie die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmücken (KABS) in Speyer, die das Trinational Initiative Group of Entomology in Upper Rhine Valley oder kurz "Tiger" benannte Interreg-Projekt hierzulande koordiniert, bereits im Winter mitteilte. Wegen der vergleichsweise hohen Temperaturen sowie dem Durchgangsverkehr gen Süden gelten nicht zuletzt die Bereiche entlang der Autobahnen 5 und 861/98 als Risikogebiete und Einfallstore der Mücke, hieß es vergangenes Jahr auch im Kreistag.

Das "Tiger"-Projekt will durch besseres Management und bessere grenzüberschreitende Koordination nun dazu beitragen, eine weitere Verbreitung der Mücke einzudämmen. Dazu gehöre unter anderem der Aufbau eines regionalen Fallennetzwerks und Meldestellen sowie technische und wissenschaftliche Unterstützung bei der Risikoanalyse und entsprechenden Präventions- und Bekämpfungsprojekten. Die Stadt Lörrach zum Beispiel hat ihrerseits schon 42 000 Euro für eine nachhaltige Bekämpfung der Mücke bereitgestellt, die Stadt Freiburg gar 100 000 Euro. Nun können die beteiligten Projektpartner, dazu gehören auf deutscher Seite neben KABS auch der Städtetag Baden-Württemberg sowie das Landesgesundheitsamt und mittelbar der Kreis Lörrach, auch auf die Kompetenz des Swiss TPH, einem weltweit renommierten Institut auf dem Gebiet der globalen Gesundheit, zurückgreifen.

"Tiger" sei eines von vielen Projekten, die sich Herausforderungen stellen, die sich nur durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit sinnvoll lösen lassen, betonte der Basler Regierungsrat Lukas Engelberger bei der Vorstellung nun. Gerade in der Grenzstadt Basel sei es wichtig, über Grenzen hinweg zu denken und handeln. Die Schweizer Seite steuert rund 400 000 Euro bei, die französische und die deutsche zusammen 1,3 Millionen Euro, von denen die EU wiederum 60 Prozent oder etwa 800 000 Euro besteuert. Dieses konkrete Projekt stehe zwar noch am Anfang; indes zeugten die seit 1989 nahezu 200 mit Nordwestschweizer Beteiligung geförderten Projekte von der erfolgreichen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Interreg-Programm am Oberrhein, stellt der Geschäftsführer der Regio Basiliensis Manuel Friesecke dazu fest.