Der Klang der alten Zeit

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Do, 09. Februar 2017

St. Märgen

Mit Krummhorn, Drehleier und Dudelsack: Das Duo "Fasciculus" ist in St. Märgen zu Gast.

ST. MÄRGEN. Bisweilen gehören die Räume und insbesondere das beeindruckende Kellergewölbe in der Galerie Kunsthaus in St. Märgen auch dem musikalischen Genre. Jetzt waren Sabine Wehrle und Robert Sägesser, zusammen das Duo "Fasciculus", mit einem Konzert alter Musik angekündigt. Die dort zum Einsatz gebrachten historisch nachgebauten Instrumente machten zusätzlich neugierig. Und in der Tat: Im Bühnenraum unter einem wuchtigen Rundbogen aus Bruchsteinen standen drei Harfen unterschiedlicher Bauart, Gemshörner, Quer- und Blockflöten bereit und eine kunstvolle Drehleier harrte ihres Gebrauchs.

Der Schweizer Robert Sägesser übersetzte zunächst die Bedeutung des lateinischen Duo-Namens mit "einem Bündelchen Myrrhe". Er wurde schon im biblischen Hohelied der Liebe verwandt, wo es heißt "Mein Geliebter ist mir ein Bündel Myrrhe, das zwischen meinen Brüsten ruht". Daran angelehnt könne man das Konzert in einem Ambiente wie dem Kunsthaus als ein "Bündel aus Tönen, Farben und Menschen" verstehen. Sägesser sprachs und setzte mit einem Krummhorn und mit seiner Partnerin an der Harfe zu einer mittelalterlichen Melodie an, die den damals entstandenen Jakobsweg nach Santiago de Compostela beschreibt. Allerdings mussten die beiden nach ein paar Takten wieder absetzen, denn das inwendige Rohrblatt im Krummhorn hatte auf den Temperaturanstieg im gut gefüllten Gewölbe empfindlich reagiert und die Tonlage des Instruments vertieft. Sägesser nutzte den Umstand, um das Instrument zu erklären, korrigierte die Stimmung und alsbald konnte sich das Publikum eine Pilgerschar auf dem Weg zum vermeintlichen Jakobsgrab vorstellen.

Der Dudelsack hat seinen Ursprung nicht in Schottland

Bei weiteren Melodien kamen hohe und tiefe Gemshörner zum Einsatz. Im Mittelalter bestanden sie tatsächlich aus Gems- oder Steinbockshorn, heute jedoch zumeist aus dem wehrhaften Kopfschmuck des Watussi-Rinds. Der Tonumfang dieser mittelalterlichen Melodien ist naturgemäß beschränkt, da auf diesen Instrumenten keine Chromatik bedient werden kann. Mit dem Einsatz der Drehleier zur Harfe wurde es mit einem englischen Tanz im Dreiertakt aus dieser Zeit beschwingt und dieser Rhythmus wurde mit einem Schäfertanz aus der Renaissance fortgeführt.

Beim nächsten Stück, wiederum einer Tanzmelodie aus England, benutzte Sägesser einen flämischen Dudelsack und zeigte dessen prinzipielle Ähnlichkeit mit der Drehleier auf. Bei beiden Instrumenten schwingen die sogenannten und stets gleichbleibenden Bordun-Töne mit, bei der Leier durch die Reibung des Rades auf Darmsaiten, beim Dudelsack durch den Luftzug durch das Rohrblatt erzeugt. Die Besucher lernten auch, dass es verschiedenste Bauarten von Dudelsäcken überall auf der Welt gibt und deren Ursprung keineswegs in Schottland liegt, sondern ehemals in Pakistan.

Eine Ronde, ein Hupfauf und eine verhaltene Version von Greensleeves führten dann zu Beethovens Liebeslied "Ich liebe dich so wie du mich". Richtig modern wurde es bei der "Gymnopädie I und II" von Erik Satie. Dieser Vorläufer der Minimal Music komponierte diese Werke auch in dem im Mittelalter üblichen 9-Tonumfang ohne Chromatik. Neben weiteren Stücken in wechselnder Instrumentierung präsentierte das Duo auch eine der Humoresken von Antonin Dvoràk. Für den Ausklang wählte "Fasciculus" das bekannte "Amazing Grace". Die Besucher bedankten sich für die nicht alltäglichen Klangfarben und interessanten Erläuterungen mit großem Beifall. Viele nutzten die Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Ausstellung im Kunsthaus mit farbenfrohen Bildern von Anna-Katharina Rintelen. Die Schau geht noch bis zum 5. März.

Weitere Informationen unter http://www.kunsthaus.info