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13. Dezember 2008

"Golfplatz hätte St. Peter gut getan"

BZ-INTERVIEW: Das schönste Erlebnis – die größte Enttäuschung: Gottfried Rohrer blickt auf 24 Amtsjahre zurück.

ST. PETER. Am 16. Dezember endet die 24-jährige Amtszeit von Bürgermeister Gottfried Rohrer. Was bewegt ihn in diesem Augenblick? Woran erinnert er sich gerne und woran weniger? Darüber sprach unser Mitarbeiter Wolfgang Grosholz in dieser Woche mit Rohrer.

BZ: Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Gottfried Rohrer: Da muss ich nicht lange überlegen, es war der Moment, als aus Stuttgart die Nachricht kam, dass die Gemeinde St. Peter Landessieger in der Gestaltung der Ortseingänge und Ortsränder im Städtebau in Baden-Württemberg wurde. Das war 1989. Es gab aber auch noch anderes. Dazu möchte ich die persönlichen Begegnungen mit dem Ehepaar Carstens zählen. Es hat gute Gespräche mit dem Altbundespräsidenten und seiner Frau gegeben, die sich zu meiner Freude in St. Peter sehr wohlgefühlt haben. Als drittes großes Erlebnis möchte ich das Dorfjubiläum 1993 erwähnen. Es war ein großartiges Gemeinschaftserlebnis. St. Peter zeigte Zusammenhalt und Stärke wie nie zuvor. Es war gelungen, die ganze Bevölkerung in das Festgeschehen einzubeziehen. Die Präsentation nach außen war entsprechend gut.

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BZ: Was war Ihre größte Enttäuschung?

Rohrer: Dass wir den Golfplatz nicht verwirklichen konnten, dass der Vorschlag gar nicht richtig diskutiert wurde. Dabei hätte diese Einrichtung den Tourismus in unserer Gemeinde voranbringen können, das war und ist heute noch meine feste Überzeugung. Der zweite Rückschlag war, dass die Abwasserversor- gung im Ortsteil Sägendobel nicht gelöst werden konnte. Das wäre vor 15 Jahren möglich gewesen und die Zuschüsse für das Vorhaben wären damals sicher bes-ser ausgefallen als heute. Aber die Widerstände waren einfach zu groß. Allerdings muss ich mir auch den Vorwurf machen, mich nicht durchgesetzt zu haben. Bitter für mich sind auch die "Begleiterscheinungen" mit dem Lebensmittelmarkt. Doch dieses Thema ist noch nicht erledigt.

BZ: Was hätten Sie noch gerne abgeschlossen?

Rohrer: Das sind die Maßnahmen für das im Innerort geplante Kulturzentrum. Grob gesprochen, Turnhalle, Nahwärmeversorgung und Lebensmittelmarkt. Abgeschlossen hätte ich auch gerne den Bebauungsplan "Soldatenkapelle". Diese Wohnbebauung wird dringend gewünscht und es gibt – noch – genügend Bauinteressenten. Doch auch hier hemmen Widerstände jeden Fortschritt.

BZ: Sie hatten gute Kontakte nach Stuttgart und galten dort zeitweise als "Klinkenputzer". Das hat Sie offensichtlich nicht gestört. Hauptsache, es kam Geld in die Gemeinde, mit dem Vorhaben realisiert werden konnten. Worauf führen Sie es zurück, dass Sie auswärts beliebter waren als im eigenen Dorf?

Rohrer: Die Frage ist leicht zu beantworten. Es ist bekannt, dass der Prophet im eigenen Land immer am wenigsten gilt. Doch ganz ernsthaft, es ging in Stuttgart nicht nur um Geld, sondern auch um fachliche Beratung. Auch das war für St. Peter Gewinn.

BZ: Ihr Verhältnis zum Gemeinderat war in der noch laufenden Wahlperiode nicht störungsfrei. Wo sehen Sie da die Ursachen?

Rohrer: Private und öffentliche Interessen wurden häufig vermischt. Privates wurde in den Vordergrund gestellt. Die finanzielle Ausstattung der Gemeinde wurde überschätzt. Das konnte der Sache nicht dienlich sein. Außerdem hat sich die personelle Besetzung des Gemeinderates bei der Kommunalwahl 2004 doch stark verändert. Auch das musste verarbeitet werden.

BZ: Was empfehlen Sie Ihrem Nachfolger im Amt?

Rohrer: Einen warmen Atem für die Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde und die Mitarbeiter im Rathaus, einen ebenso langen Atem bei den Verhandlungen mit den Zuschuss- und Genehmigungsbehörden.

BZ: Wie stellen Sie sich Ihren "Ruhestand" vor?

Rohrer: Ich war 24 Jahre im Handwerk und 24 Jahre in der Kommunalpolitik tätig. Da sehnt man sich schon nach ein bisschen Ruhe. Doch besser gesagt, ich sehe mich künftig als IaV − in anderer Verwendung. Zunächst will ich wieder mal selbst zu mir finden. Da gibt es Nachholbedarf, meine Familie hat es schon längst angemahnt. Dann will ich mich handwerklich im eigenen Haus betätigen. Auch da gibt es zu tun. Schließlich habe ich noch mein Ehrenamt im Landesverband der Heimat- und Trachtenverbände Baden-Württemberg. Da wiederum habe ich noch viele Ideen, die ich bisher aufgrund meiner Verpflichtung als Bürgermeister nicht umsetzen konnte. Sie sehen, es wird mir bestimmt nicht langweilig werden. Übrigens, mein Mandat im Kreistag Breisgau-Hochschwarzwald werde ich bis zum Ende der Legislaturperiode im Sommer 2009 beibehalten. In meiner Gemeinde selbst sind keine weiteren politischen Aktivitäten geplant.

Eines aber werde ich nicht tun, die Rathaustüre zumachen und sagen, das war’s. Dafür sind die Erinnerungen an diesen Lebensabschnitt zu vielfältig. Schließlich bleibe ich auch Bürger der Gemeinde.

Autor: wg