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07. November 2008

Wäldervieh – eine gefährdete Rasse

Vorderwälder- und Hinterwälderrinder eigenen sich besonders gut für die Haltung im Schwarzwald.

ST. PETER. In Baden-Württemberg gibt es rund 362 000 Milchkühe. 17 500 oder knapp fünf Prozent davon sind Vorderwälder- und Hinterwälderrinder. Nach den Kriterien der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) gilt die Hinterwälderrasse mit nur 2500 Kühen als gefährdet. Die GEH empfiehlt deshalb die Population der Vorderwälder (15 000 Kühe) zu beobachten. Dass es die Tiere überhaupt noch gibt, ist engagierten Züchtern wie Konrad Schwär vom Schönbachhof in St. Peter zu verdanken.

Der 55-jährige Landwirtschaftsmeister hat die Zucht schon von seinem Vater übernommen. "So lange ich denken kann, gibt es hier auf dem Schönbachhof Vorderwälder", erzählt er. Schwär bringt seine Erfahrungen als Vorsitzender des Rasseausschusses der Vorderwälderzüchter unter dem Dach der baden-württembergischen Rinderunion ein. Von daher braucht es nicht zu verwundern, dass seine eigene Zucht erfolgreich ist.

Im Vorjahr registrierten die amtlichen Prüfer bei seinen Tieren eine mittlere Milchleistung von 7500 Kilogramm, das waren fast 20 Prozent mehr als alle Kühe Baden-Württembergs im Schnitt erbracht hatten. Spitzenreiterin unter den 29 Kühen im Betrieb Schwär ist die siebenjährige "Garant" mit einer Jahresleistung von gut 9000 Kilogramm, womit sie den weltweit dominierenden, in Sachen Milchleistung ungeschlagenen Schwarzbunten Kühen kaum nachsteht.

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So viel Milch können Kühe allerdings nur dann produzieren, wenn sie gesund sind, sich im Stall und auf der Weide wohlfühlen, allerbestes Futter bekommen und davon auch große Mengen fressen. "Garant" schafft bis zu 80 Kilogramm Weidegras am Tag und bekommt wie jede andere Milchkuh noch zusätzlich Kraftfutter aus Getreideschrot und Mineralstoffen.

Für Vorderwälderrinder ist diese Leistung umso bemerkenswerter, weil die Züchter von jeher auf Milch und Fleisch gleichermaßen Wert legen, wobei die Rasse in den 1990er Jahren durch die Einkreuzung des französischen Montbeliard-Rindes, dessen Halter ebenfalls die beiden Nutzungen verfolgen, weiterentwickelt wurde. "Die Milchleistung hat dadurch einen Schub bekommen", erklärt Konrad Schwär. Abgesehen davon sei die Einkreuzung anderer Rassen immer wieder nötig, weil die Vorderwälder Population relativ gering ist. Deshalb haben schon in früheren Jahrzehnten auf diesem Weg immer wieder Gene Eingang in die Wälderrasse gefunden, stets mit dem Ziel, beide Nutzungen zu fördern.

Vorderwälder werden wegen ihres Fleischs und der Milch geschätzt

Die Vorderwälderrasse zählt also zu den Zweinutzungsrindern. Früher hatten die Bauern eine starke Bemuskelung angestrebt, weil die jungen Ochsen als Arbeitstiere gebraucht wurden und die Aufzucht für diesen Zweck eine gute Einnahmequelle war. Das ist sie noch immer, heute allerdings sind Mastbetriebe die Abnehmer der Bullenkälber. Abgesehen davon benötigen die Kühe selbst  starke Muskeln und ein gutes Fußwerk – was auch ein Zuchtziel ist –, weil sie auf Weiden unterwegs sind und das auch noch an steilen Hängen.

Der Leistungsunterschied zu den Schwarzbunten Kühen ist jedoch der Grund, warum die Wälderrinder rar geworden sind, vor allem die Hinterwälder, deren beste Herdbuchkühe gerade mal die Hälfte des Durchschnitts einer gut geführten Vorderwälderherde liefern. Weil es klein und relativ leicht ist, ist das Hinterwälder Rind jedoch ein wahres Klettergenie. Es liegt auf der Hand, warum es im Schwarzwald vorkommt und dort vorzugsweise in besonders bergigen Gegenden. Verbreitet ist es in den Bereichen Schauinsland, Münstertal und Belchen.

Seit Konrad Schwär 1981 den Betrieb von seinen Eltern Franz-Josef und Theresia Schwär übernommen hat, hat er vieles verändert, modernisiert und weiterentwickelt. Die Rinderrasse zu wechseln stand jedoch nicht zur Debatte. "Ich habe mich natürlich mit anderen Rassen auseinandergesetzt, aber zu unserem Betrieb passen die Vorderwälder einfach am besten", sagt er. Die hervorragende Futterverwertung, die Unempfindlichkeit gegenüber Krankheiten und die Langlebigkeit schlagen sich positiv in der betriebswirtschaftliche Bilanz nieder.

Auch lassen sich mit den Bullenkälbern vergleichsweise hohe Erlöse erzielen und erhalten Herdbuchbetriebe für jede eingetragene Kuh eine Prämie von 70 Euro vom Land Baden-Württemberg im Rahmen des Programms zur Marktentlastung und zum Kulturlandschaftsausgleich (Meka).

Es ist keine Frage, dass auch Konrad Schwärs Sohn Alexander, der den Betrieb einmal übernehmen will, die Geschichte des Schönbachhofs als Vorderwälderzuchtbetrieb fortsetzen wird. Konrad Schwär sieht auch den Zuchtverband auf dem richtigen Weg. "Die Zahl der Mitglieder ist gewachsen und zunehmend klinken sich auch die Mutterkuhhalter bei uns ein", erzählt er.

Autor: Silvia Faller