Behörde: Jugendamt machte keine Fehler

daw/dpa

Von Daniel Ruda & dpa

So, 01. April 2018

Staufen

Der Sonntag Staufener Missbrauchsfall Haupttäter vor Gericht.

Der Prozess gegen die beiden Hauptbeschuldigten im Staufener Missbrauchsfall ist terminiert: Die Mutter des Kindes und ihr Lebensgefährte, die den heute neunjährigen Jungen selbst missbraucht und ihn zur Vergewaltigung angeboten haben, müssen sich in einem gemeinsamen Prozess zwischen dem 11. Juni und dem 16. Juli auf der Anklagebank des Landgerichts in Freiburg verantworten. Angesetzt sind zehn Verhandlungstage.

Unterdessen hat in dieser Woche das Regierungspräsidium (RP) Freiburg das Ergebnis der Prüfung des Jugendamts des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald bekanntgegeben. Schwerpunkt der Prüfung war dabei der Ablauf des Kinderschutzverfahrens sowie die Prozessführung im familiengerichtlichen Verfahren. "Dabei konnten keine Fehler des Jugendamtes festgestellt werden", teilte das RP mit, das den Bericht dem Innenministerium und dem Landratsamt übersandt habe.

Gemeinsamer Prozess mit zehn Verhandlungstagen

Ein Blick zurück: Nach einem Hinweis der Polizei über das Verhältnis der Mutter mit dem vorbestraften Sexualstraftäter hatte das Jugendamt das Kind zunächst im März 2017 in die Obhut einer Pflegefamilie gegeben. Aufgrund eines Vetos der Mutter und der familiengerichtlichen Entscheidung wurde diese Inobhutnahme jedoch wieder beendet und das Kind zur Mutter zurückgebracht. Dort soll der Junge erneut missbraucht worden sein, ehe ein anonymer Hinweis zu Verhaftungen führte. Gericht und Jugendamt waren sich im Nachgang uneinig darüber, wer für die nicht geschehenen Kontrollen des Kontaktverbots nach dem Urteil des Familiengerichts zuständig gewesen sein sollte. Die Ergebnisse einer angekündigten gemeinsamen Aufarbeitung des Falls durch das Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe, das Amtsgericht Freiburg sowie das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald liegen noch nicht vor.

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Berrin T., die Mutter des missbrauchten Jungen, sowie deren Lebensgefährten Christian L. erhoben. Dabei gab sie bekannt, dass sich die beiden Täter auch in vier Fällen an einem dreijährigen Mädchen aus dem Bekanntenkreis vergangen haben sollen. Berrin T. werden insgesamt 50 Taten, Christian L. 46 Taten zur Last gelegt. Sie lauten unter anderem schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, schwere Vergewaltigung, schwere Zwangsprostitution sowie Verbreitung, Besitz und Erwerb kinderpornografischer Schriften.

Die Taten sollen sich in der Zeit von Anfang 2015 bis in den Herbst 2017 ereignet haben. Der Junge ist mittlerweile in staatlicher Obhut. In dem Fall sitzen insgesamt acht Verdächtige aus dem In- und Ausland in Untersuchungshaft. Bereits am 12. April beginnt am Landgericht der erste Prozess gegen einen 41-jährigen vorbestraften Mann aus der südlichen Ortenau, der den Jungen sexuell missbraucht haben soll. daw/dpa