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04. Februar 2011

"Da müssen wir eben durch"

Die Bohrarbeiten in der Staufener Kirchstraße sind eine große Belastung, doch die meisten Geschäftsleute zeigen sich pragmatisch.

  1. Mit Ohropax hinter der Theke: Die Bohrungen gegen die Hebungen gehen nicht gerade geräuschlos vonstatten. Foto: Susanne Müller

STAUFEN. Länger als geplant dauern die Bohrungen in der Kirchstraße in Staufen. So mancher Anlieger stöhnt über den Lärm der Maschinen, viele zeigen sich aber auch pragmatisch: "Da führt eben jetzt kein Weg daran vorbei." Die Einzelhändler sind in ihrem Urteil gespalten. Bei den einen läuft alles wie gewohnt, andere verzeichnen eine rückläufige Kundenfrequenz oder fühlen sich alleingelassen.

Allen Bedürfnissen gerecht zu werden, so scheint es, gleicht einer Quadratur des Kreises. Der eine hat im Winter Hochkonjunktur, der andere hofft auf ein Ende der Bohrungen rechtzeitig zum Start der Frühjahrssaison. So wie Armin Gysler, Inhaber des gleichnamigen Schuhgeschäftes in der Kirchstraße 22, der sagt, es sei seit Weihnachten sehr ruhig im Laden. Die Orthopädiekunden kommen zwar weiterhin, aber die Laufkundschaft, so sein Eindruck, habe abgenommen. "Wir empfinden die Baustelle schon als Blockade", räumt Gysler ein. Immer wieder fragen Kunden in seinem Geschäft: "Was geht da vor, was passiert denn da?" Gesprächsthema sind die Bohrarbeiten allemal, doch Gysler hat Verständnis dafür, dass die Stadt alle Energie aufwendet, um das Risseproblem, von dem Gyslers Geschäft ebenfalls betroffen ist, in den Griff zu bekommen. "Da müssen wir eben durch", zeigt Gysler sich pragmatisch und sieht es als erfreuliche Entwicklung, dass die Arbeiten bis zur Frühjahrssaison beendet sein sollen.

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Das sieht Doris Federer, die Betreiberin des Geschäftes "Teearie", etwas anders. Für sie sind gerade die Wintermonate die beste Geschäftszeit, und sie versteht nicht, warum nicht mehr Rücksicht auf die Geschäftsleute genommen wurde. "Meinen Laden trifft es ganz arg, das ist existenzgefährdend", klagt sie. Kundenfrequenz und Umsatz seien drastisch runtergegangen. Sie beziffert die Einbußen aktuell auf 18 Prozent. Sie verstehe, sagt Federer, dass die Bohrung vorgenommen werden müsse, bemängelt jedoch, dass sich kein Verantwortlicher die Zeit genommen habe, einmal mit ihr zu reden. Es gab eine Infoveranstaltung, doch da seien Fakten transportiert worden, die gar nicht stimmten – exemplarisch nennt sie die Größe des Durchgangs. Der erweise sich für manche Kunden der Teearie als zu unwegig. Das Logo des Ladens am Eingang zur Kirchstraße am Bauzaun wurde Federer zufolge auch mit Verspätung und erst auf ihre Nachfrage, nach dem Anbringen der Plakate für die Rissestiftung, angebracht.

Sein Firmenlogo, das "plötzlich am Bauzaun prangte", hat auch der Vermessungsspezialist Elmar Bernauer, der im Eckhaus die Galerie Fluchtstab betreibt, registriert. Der Ausstellungsraum ist zwar aufgrund der am kunstinteressierten Publikum orientierten Öffnungszeiten nur temporär betroffen, doch auf die Frage, wie die Situation sich entwickelt, gesteht Bernauer erst einmal: "Ich stand am Samstag mit Ohropax in der Galerie." Samstag ist der Tag, an dem Bernauer in der Zeit von 10 bis 13 Uhr geöffnet hat. Das Problem, so ergänzt er, sei jedoch, dass die Baustelle das Leben in der Kirchstraße an sechs Tagen in der Woche beeinträchtige. Alle seien davon betroffen, vom Kleinkind über den Angestellten, der hier in einem Geschäft seine Arbeit hat, bis zum pflegebedürftigen Pensionär, der sich dem Lärm am allerwenigsten entziehen könne.

An konkreten Zahlen will Bernauer es nicht festmachen, aber der verhaltene Zuspruch zur gerade abgelaufenen Ausstellung mit einem renommierten Künstler wie Franz Bernhard scheint ihm suspekt. "Viel wichtiger ist aber, dass mit den Betroffenen geredet wird", so Bernauer. Als schöne Geste wertet er, dass die Stadtverwaltung Anrainer zum Neujahrskonzert eingeladen hat. Außerdem wurden über den Arbeitskreis Familienfreundliche Stadt Karten für die Puppenspieltage an Eltern mit Kleinkindern in der Kirchstraße vergeben.

"Wir können es ja nicht ändern", so bewertet Berthold Keil vom Brillenstudio Keil seine Situation als unmittelbarer Baustellennachbar. Die Belastungen, denen er und sein Team während der Bohrungen ausgesetzt sind, bewertet er als groß, auch gesundheitlich. "Wir haben eben den ganzen Tag die Geräuschkulisse, also eine permanente Störung." Dem Lärmteppich war Keil bereits während der Arbeiten in der Rathausgasse ausgesetzt, in den Werkstatträumen im hinteren Gebäudebereich. So wertet er die derzeitigen Arbeiten zur Winterszeit sogar als Vorteil: "Zur Zeit müssen wir ja die Fenster nicht öffnen." Ein Rückgang bei der Kundenfrequenz, so sagt er, sei nicht messbar, aber er hoffe, dass die Arbeiten bald beendet werden und dass sie zu einem guten Resultat führen.

Keinerlei Veränderung im Geschäft aufgrund der Baustelle in der Kirchstraße konstatiert die Chocolaterie von Axel Sixt neben der St. Martinskirche. Und Heike Ehrath, Geschäftsführerin im Geschenkeladen "Mitbringsel" in der Kirchstraße 1, meint spontan: "Ich kann da gar nicht viel dazu sagen, wir sind ja noch nicht so lange da, aber die Baustelle soll uns ja allen helfen, und ich finde wir müssen das Beste daraus machen."

Autor: Susanne Müller