Die mit dem Konsul plaudern

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Fr, 18. Mai 2018

Staufen

Zu Besuch in der Unterrichtsstunde mit einem lockeren US-Spitzendiplomaten am Staufener Faust-Gymnasium.

STAUFEN. Englisch hören und sprechen und etwas über die USA erfahren – diese Gelegenheit bot das Faust-Gymnasium in Staufen am Mittwoch Schülerinnen und Schülern der zehnten und elften Klassen. Die Schule hatte den US-Generalkonsul für Süddeutschland, James W. Herman, zum Gespräch eingeladen. Am Ende blieb die Frage, wer mehr über wen gelernt hatte.

"Orange ist das neue Schwarz" – den Namen einer populären amerikanischen TV-Serie nahm der Generalkonsul wörtlich: Er erschien im kurzärmligen orange-farbenen Hemd statt im schwarzen Anzug, und außerdem trug er während der einstündigen Begegnung immer seinen breitkrempigen Hut. Ihm gegenüber saßen etwa 50 Jugendliche, die sich eine ganze Reihe von Fragen überlegt hatten - auch solche nach Waffenkontrolle, Iran-Abkommen und Präsident Trump.

Doch Herman wäre nicht Karriere-Diplomat mit Stationen in Mittelamerika, China, Japan und Indien, wäre er nicht mit allen Wassern der Rhetorik gewaschen. Jede Schülerfrage beantwortete er zunächst mit einer Gegenfrage – und zuvor hatte er verlangt, dass jeder Schüler vor seiner Frage nicht nur seinen Namen nennt, sondern auch ein Geheimnis seines Nachbarn oder seiner Nachbarin verrät. Und alle gingen auf das Spiel ein, das der Generalkonsul mit ihnen trieb. Manchmal wusste man dabei nicht, ob er seine Antwort ernst meinte oder nur testen wollte, wie sein Publikum reagiert.

Herman ist seit 1991 im diplomatischen Dienst der USA, er hat also unter so verschiedenen Präsidenten wie George Bush, Bill Clinton, Barack Obama und Donald Trump gearbeitet; vorher hatte er am Army War College studiert und in der US Air Force gedient. Sehr offen reagierte er bei Fragen nach Präsident Trump. So hätten ja nur 25 bis 30 Prozent der Amerikaner für Trump gestimmt, rechnete er vor. Es seien die Menschen, die von den Politikern in Washington ignoriert wurden und sich als Verlierer des weltweiten ökonomischen Aufschwungs fühlten, die für Trump gestimmt hätten. Trump sei nicht "die" Vereinigten Staaten. Aber er stelle legitime Fragen – allerdings manchmal "in a rude way".

"Warum sind die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen?" Noch sei man ja nicht ausgestiegen, antwortete Herman, und zahlreiche Städte und ganze Bundesstaaten der USA hätten sich sogar zu dem Abkommen bekannt und wollten es erfüllen. "Was ist Ihre Meinung zu Waffen?" Er sei schon als Kind jagen gegangen und besitze 14 Waffen, so Herman. Erst am Vortag seien er und andere hohe Beamte des Konsulats zum Training auf dem Schießstand gewesen – eine Pflicht, der er sich offenbar gern unterzogen hatte. "Die Kontrolle, wer Waffen haben darf, sollte viel schärfer sein", betonte er – auch wenn es schon eine strenge Kontrolle gebe: Niemand dürfe in den USA einen Panzer kaufen oder dem Präsidenten mit einer Waffe im Gürtel gegenübertreten.

In Sachen Iran-Abkommen sagte der Generalkonsul, der Vertrag könne auch ohne die USA erhalten werden. Nur müssten sich dann die Europäer, Russland oder China gewaltig anstrengen, mehr als sie es jetzt täten. Todesstrafe? Er sei dagegen und finde, dass das gesamte US-Rechtssystem überarbeitet gehört. Und dann stellte nur noch Herman die Fragen.

Was ist das Beste daran, Deutscher zu sein? "Kein Tempolimit auf Autobahnen", war eine der ersten Schüler-Antworten. Danach: das Gefühl, in einem sicheren Land zu leben, ein funktionierendes und großzügiges Sozialsystem zu haben, Teil von Europa zu sein und hier keine Grenzen zu kennen.

"Warum", fragte Herman, "sind die Deutschen dann so ängstlich? Warum sind sie gegen Ausländer? Warum fühlen sie sich nicht sicher? Und warum gibt es eine AfD?" Die Schüler bemühten sich um Antworten: zu wenig und falsche Informationen, Angst vor dem Fremden, den Moslems, geringere Bildung gleich mehr Vorurteile und mehr Angst.

Im Juni verlässt Herman Deutschland gen Washington. Was ihn am meisten überrascht habe, als er 2015 nach Frankfurt kam? Die Deutschen haben Humor! Als er dann aber einen Witz von den Schülern hören wollte, kam spontan nichts.