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02. Januar 2014

„Theater, Theater“ in Auerbachs Kellertheater Staufen

Gezicke, Tee und Mordgelüste

  1. Auerbachs Kellertheater Foto: Hans Jürgen Kugler

STAUFEN. Dumm gelaufen: Ein Schauspieler bricht sich kurz vor der Generalprobe eines Kriminalstücks das Bein. Ein Ersatzschauspieler muss her. Und zwar schnell. Doch bis der eintrifft, muss kräftig improvisiert werden. Jede Menge Stoff also für einen ausgesprochen heiteren Abend in Auerbachs Kellertheater, wo unter der Regie von Eberhard Busch das Stück "Theater, Theater – eine hausinterne Komödie am Rande des Nervenzusammenbruchs" von Tom Müller und Sabine Misiorny am Silvesterabend gleich zweimal Premiere feiert. Eines sei schon vorneweg versprochen: Überspannte Mimen, vergiftete Kekse, eine Flasche Kognak und jede Menge Situationskomik sorgen garantiert für gute Laune.

Noch bevor das erste Wort fällt, gibt es bereits tobenden Applaus fürs Bühnenbild. Rot verkleidete Wände, wuchtige Sitzmöbel, Trockenblumensträuße – "Buschs Bunte Bühne", kurz "BBB", kann sich wahrlich sehen lassen. Genauso wie die Protagonisten: Die Komödie bietet ihnen eine tolle Gelegenheit, die ganzen Facetten ihres komödiantischen Talents zu entfalten. Und davon machen sie reichlich Gebrauch. Die "Schätzchen" sind voll in ihrem Element. Da wird gezickt, getobt, genervt und gestritten, dass die Lacher im Publikum schier nicht verstummen wollen.

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Egal, ob vor oder auf der Bühne: Alle sind gespannt – taucht der Ersatzschauspieler, der die Rolle schon 300-mal gespielt hat, noch auf? Er tut’s. Und zwar in Gestalt eines zu spät kommenden Zuschauers, der nicht den blassesten Schimmer davon hat, dass er für einen Schauspieler gehalten wird. Mit seiner Ahnungslosigkeit bringt er das Ensemble gehörig durcheinander. Apropos Ensemble: Der ehrgeizige Theaterregisseur Falk Wagner (Carsten Däntjer), im Nebenberuf Herzensbrecher, hat’s wirklich nicht leicht. Kann doch seine Geliebte Karin von Stetten (Jasmin Islam) den Text nur dann aufsagen, wenn sie das richtige Stichwort geliefert bekommt. Hilflos irrt sie auf der Bühne mit einem quietschenden Teewagen herum, fällt in Ohnmacht, ohne dass sie jemand auffängt.

Techniker Charly (Eberhard Busch) wiederum lässt sich nur ungern dazu herab, für eine entsprechende Bühnenbeleuchtung zu sorgen. Und da soll man als nach Höherem strebender Regisseur nicht die Nerven verlieren.

Dafür kann keiner das englische "Th" so würdevoll aussprechen wie Thomas Müller als eitler Mime Julius C. Brenner, der - nein, nicht den Butler-, sondern den falschen Kommissar gibt. Obwohl ihm die Rolle des Julius Cäsar viel besser gefallen würde. Und mittendrin das schwäbelnde Unschuldslamm Stephan Schmidt (Wolfgang Schäfer), der das Chaos perfekt macht.

Je gereizter die Stimmung auf der Bühne wird, je ausgelassener wird das Publikum. Von wegen, Mord ist eine ernste Sache. Selbst die Schauspieler (also die richtigen) haben gelegentlich Mühe, sich das Lachen zu verbeißen, etwa, wenn sich das Halstuch von Yasmin Islam unbeabsichtigt in den Knöpfen von Wolfgang Schäfers Jackett verheddert.

Spätestens, wenn Schäfer in das Kostüm und die Rolle des Hausmädchens Edith schlüpft, und "echten" Kognak serviert, kennt die Heiterkeit keine Grenzen mehr. Nicht nur den Kognak, auch den tobenden Applaus des begeisterten Publikums haben sich die Darsteller von Auerbachs Kellertheater redlich verdient.

Info: Die nächsten Vorstellungen sind am Sonntag, 5. Januar, um 17 Uhr; am Freitag und Samstag, 10. und 11. Januar, jeweils um 20 Uhr; am Sonntag, 19. Januar, um 17 Uhr; am Freitag, 24. Januar, um 20 Uhr und am Sonntag, 26. Januar, um 17 Uhr; am Samstag, 1. Februar, um 20 Uhr und am Sonntag, 2. Februar, um 17 Uhr; am Freitag und Samstag, 7. und 8. Februar, jeweils um 20 Uhr; am Freitag, 14. Februar, um 20 Uhr und am Sonntag, 16. Februar, um 17 Uhr; am Freitag und Samstag, 21. und 22. Februar, jeweils um 20 Uhr. nach der Fasnachtspause geht es weiter.

Autor: Ute Wehrle