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08. April 2009

Gutachten spricht sich für Amtstrasse aus

Informationsveranstaltung des Regierungspräsidiums zur Verkehrserhebung im vergangenen Jahr / Kreisel statt Ampel an der Krozinger Straße.

STAUFEN. Das Fazit des Gutachters Helmut Siebrand von der Firma Modus Consult war eindeutig: Die Zahlen aus der Verkehrszählung, die im April 2008 in Staufen erhoben wurde, und die die Ulmer Firma im Auftrag des Regierungspräsidiums ausgewertet hatte, sprechen eindeutig für die große Umfahrung. Vorgestellt wurde das Ergebnis der Verkehrsuntersuchung am Mittwochabend vor zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern in der Aula des Faust-Gymnasiums.

"Ich wünsche mir eine deutliche Entlastung der Innenstadt, egal, auf welche Art und Weise", betonte Bürgermeister Michael Benitz zu Beginn der Informationsveranstaltung, zu der das Regierungspräsidium eingeladen hatte.

Siebrand stellte anschließend die Ergebnisse der Verkehrserhebung vor. Bei der Zählung wurde der Durchgangsverkehr auf allen Straßen mit insgesamt 11 600 Fahrzeugen und der Ziel- und Quellverkehr der Stadt Staufen mit 17 200 Fahrzeugen ermittelt. Gegenüber der 1988 erhobenen Verkehrszählung bedeute dies eine 20-prozentige Erhöhung des Durchgangsverkehrs; der Ziel- und Quellverkehr nahm um 13 Prozent zu. Insbesondere stark zugenommen habe der Durchgangsverkehr in Richtung Münstertal.

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L 123 ist am stärksten belastet

Insgesamt wurden an einem Tag an den sechs Zählstellen rund 42 800 Fahrzeuge registriert. Laut Gutachten war dabei die am stärksten belastete Ausfallstraße die L 123 Bad Krozingen mit 16 445 Fahrzeugen. In Richtung Münstertal wies die L 123 mit 7566 Fahrzeugen die zweithöchste Belastung auf. Auf der L 125 von und nach Müllheim wurden 7362 Fahrzeuge gezählt. Deutlich geringer belastet war die L 129 nach Eschbach mit 4397 Fahrzeugen. Die höchste Belastung wies die Einmündung "Im Gaisgraben" mit 20 621 Fahrzeugen auf, der aus dem Gewerbegebiet ausfahrende Verkehr teilt sich etwa zur Hälfte in Richtung Norden und in Richtung Stadtmitte auf. Nur geringfügig weniger belastet war der Knotenpunkt Neumagen-/Krozinger Straße am Nordrand der Stadt mit 20 477 Fahrzeugen. Mit 17 570 Fahrzeugen waren die Einmündungen Wettelbrunner Straße und Grunerner Straße in die L 123 etwa gleich stark frequentiert.

"Bei diesen Zahlen ist die Rechtfertigung für die Umgehungsstraße gegeben", so Siebrand. Die Verkehrsbelastung liege deutlich über dem Landesdurchschnitt. Und laut Prognose sei in Staufen in den nächsten 20 Jahren mit einer Verkehrszunahme von rund 17 Prozent zu rechnen. Für den Fall des Ausbaus der Ortsdurchfahrt ohne Umfahrung, wie es sich das Aktionsbündnis Westtangente wünscht, werde keine Entlastung der Ortsdurchfahrt erreicht, so der Gutachter.

Ein Ausbau würde zwar einen flüssigeren Verkehr bedeuten, bei einer prognostizierten Verkehrsbelastung von rund 18 000 bis 20 000 Fahrzeugen wären aber dennoch hohe Verkehrsemissionen vorhanden. Auf der Antragstrasse für die Planfeststellung könnten laut Gutachten rund 15 000 bis 20 600 Fahrzeugen pro Tag im nördlichen und rund 7900 Fahrzeuge im südlichen Abschnitt gebündelt werden. Sie sei in der Lage, den Durchgangsverkehr der Landesstraßen L 123, L 125 und L 129 in vollem Umfang und zudem auch den Ziel- und Quellverkehr der am Westrand von Staufen vorhandenen und geplanten Wohn- und Gewerbegebiete zu übernehmen.

Mit der vom Aktionsbündnis vorgegebenen erweiterten Westtangente könne zwar der Durchgangsverkehr von der L 123/L 125 Nord zur L 129 und L 125 aus den Ortsdurchfahrten heraus verlagert werden, es verbliebe jedoch der gesamte Durchgangsverkehr zum Münstertal.

Mit einbezogen wird in die erweiterte Westtangente die Straße "Im Steiner", auf der sich die Verkehrsbelastung von 3000 auf 9000 Fahrzeuge pro Tag erhöhen würde. Die Antragstrasse sieht dagegen die Rekultivierung des Abschnitts zwischen Wettelbrunner- und Grunerner Straße und eine völlige Entlastung des südlichen Abschnitts bis auf einen geringen Eigenverkehr vor.

Aufgrund der Verkehrsuntersuchung wurde die Planung für die Amtstrasse modifiziert. So soll die Kreuzung L 123/ L 125/Krozinger Straße zu einem Kreisverkehr umgebaut werden und auf die Ampel verzichtet werden, erläuterte anschließend Christine Dufner vom Regierungspräsidium. Der Wegfall der Linksabbiegerspur ermögliche eine Geh- und Radwegunterführung anstelle zweier Querungshilfen.

Weiterhin entfällt die Anbindung des südöstlichen Abschnitts der Straße "Im Steiner". Dieser Teil soll zu einem befahrbaren Wirtschaftsweg ausgebaut werden. Die gewünschte Absenkung der Gradiente sei zumindest im Bereich des Gasthauses "Rebstock" um bis zu 60 Zentimeter möglich. Der Parkplatz bei der Kleingartenanlage "Spitzäcker" wird auf die andere Straßenseite verlagert.

Zweite Offenlage im April

Anschließend hatten die Bürger Gelegenheit, ihre Fragen zur Planung zu stellen. Angezweifelt wurden dabei von den Befürwortern der Westtangente hauptsächlich die Prognosen, auf die sich die Planungen für die große Umfahrung stütze. "Die Planrechtfertigung ist bereits vom Ist-Zustand gegeben", bemerkte Siebrand. Kritik gab es erneut am höheren Flächenverbrauch bei der Amtstrasse und daran, dass die große Umfahrung Staufen von seinem Stadtteil Grunern abschneide. Die bisherigen Einwendungen zu der Antragstrasse seien weiterhin gültig, betonten die Vertreter des Regierungspräsidiums. Die zweite Offenlage soll noch im April erfolgen.

Autor: Ute Wehrle