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11. September 2012

Holz als Besuchermagnet

Tag des offenen Denkmals in Staufen / Die Platanen entlang des Neumagens gibt’s seit 1828.

  1. Manfred Kiefer erläutert in der Fark'schen Werkstatt die Funktionsweise einer Plandrehbank aus dem Jahr 1900. Foto: Hans Jürgen Kugler

  2. Josef Schweitzer von der Stadtgärtnerei wusste viel über die Pflege und Erhaltungsmaßnahmen der Platanen am Schladerer-Platz zu erzählen. Foto: Hans Jürgen Kugler

STAUFEN. Der Arbeitskreis Staufener Stadtbild hatte für den Tag des offenen Denkmals ein vielseitiges Programm zusammengestellt, das sich in diesem Jahr rund um das Thema Holz drehte. Beim Tag des offenen Denkmals können interessierte Bürger einmal im Jahr hinter Türen zu Denkmalen blicken, die der Öffentlichkeit normalerweise verschlossen sind.

Nach der Eröffnung vor dem Staufener Schloss durch Bürgermeister Michael Benitz und Konstantin Technau vom Arbeitskreis führte Zimmerermeister Andreas Hagedorn die Besucher durch den Dachstuhl des Schlosses.

Auch der Dachstuhl des historischen Rathauses wurde einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Archivar Jörg Martin gab den Zuhörern einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Rathauses, das von den ersten Mauerresten von 1323 über den "Neubau" im Jahr 1546 bis zu den Umgestaltungen der neueren Zeit eine immer schon wechselhafte und von Brand- und sonstigen Katastrophen geprägte Geschichte aufzuweisen hat.

Zimmerermeister Stephan Reinert führte die Besucher unter das Rathausdach und beschrieb detailliert die ausgeklügelte Statik, mit denen die mittelalterlichen Zimmerleute das Gebälk des Dachstuhls errichtet hatten. Ganz neue Perspektiven eröffneten sich den Besuchern, als Archivar Jörg Martin eine ansonsten verriegelte Tür im oberen Dachgeschoss öffnete und damit einen ungewohnten Ausblick auf das Städtchen gewährte.

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Nicht nur historische Gebäude, auch lebende Bäume können unter Denkmalschutz stehen. Josef Schweitzer, Leiter der Stadtgärtnerei, gab bei seinem Vortrag auf dem Schladerer-Platz einen Überblick auf die 56 anerkannten Naturdenkmale im Stadtgebiet von Staufen. Die Platanen entlang des Neumagens beispielsweise wurden 1828 von dem damaligen Bürgermeister Josef Anton Martin, einem Freund Johann Peter Hebels, gepflanzt und sind zum großen Teil heute noch erhalten. Dies ist nicht zuletzt der Entscheidung der Stadt in den 90er-Jahren zu verdanken, die Parkplätze auf dem Schladerer-Platz zurückzubauen. Josef Schweizer informierte gemeinsam mit Stadtgärtner Heiko Disch mit vielen interessanten Beispielen die Zuhörer über die Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen, die die Stadt den altehrwürdigen Naturdenkmalen angedeihen lässt.

Einen Einblick in die Werkstatt und die Umbaumaßnahmen in der Fark’schen Werkstatt gewährte das Ehepaar Ortrud und Manfred Kiefer, die dort eine beeindruckende Sammlung von eisenverarbeitenden Maschinen funktionstüchtig erhalten, die zum Teil bis ins Jahr 1892 zurückgehen.

Gleich gegenüber im ehemaligen Schlachthaus hat der Instrumentenbauer Christoph Kern seine Werkstatt für historische Tasteninstrumente eingerichtet. Zwischen Hobelbänken und Saitendraht gewährte Christoph Kern den Besuchern einen detaillierten Einblick in die aufwendige und penible Arbeitsweise, die für den Bau eines Cembalos oder eines Hammerflügels erforderlich ist. An einem besonders schönen Instrument erläuterte der Instrumentenbauer den Aufbau und die Funktionsweise eines Cembalos und demonstrierte den einzigartigen Klang des Instruments.

Auch im Stadtteil Grunern gab das Atelier für Geigenbau Augustin einen Einblick in die Kunst des Instrumentenbaus. Eine Führung durch den historischen Dachstuhl des Bürgerhauses Grunern und eine Besichtigung der "Baumtrotte" und anderen Keltern im Weingut Köpfer vervollständigte das Programm zum Tag des offenen Denkmals.

Autor: Hans Jürgen Kugler