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18. Dezember 2008 18:24 Uhr
Risse in der Staufener Altstadt
Kernbohrung soll Aufschluss bringen
An 61 Messstellen beobachtet die Stadt Staufen die linearen Hebungen in der Altstadt. 131 Häuser haben durch die Quellvorgänge in einer Gipskeuper-Schicht Risse. Eine Kernbohrung soll jetzt Aufschluss über die Vorgänge im Untergrund geben.
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Gesuchter Interviewpartner: Bürgermeister Michael Benitz gibt den Medien über die Risse in der Altstadt Auskunft Foto: Markus Donner
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Schadensbild an der Fassade des Rathaus-Cafés Foto: Markus Donner
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Bürgermeister Michael Benitz, Rechtsberater Thomas Steiger, Clemens Ruch vom Landesamt für Geologie (von links). Foto: Markus Donner
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Aus Haarrissen werden tiefe Furchen Foto: Hans Jürgen Kugler
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Staatssekretär Gundolf Fleischer, Regierungspräsident Julian Württenberger und Bürgermeister Benitz besichtigen eine schadhafte Wand. Foto: Markus Donner
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Hier, in der denkmalgeschützten Altstadt, liegt das Zentrum der Katastrophe Foto: Sparkasse
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Risse in der Wand in der „Fauststube“ im Gasthof „Löwen“ Foto: Barbara Hirth
STAUFEN. Die Stadt wird in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau eine Erkundungsbohrung abteufen, um Hinweise über die Vorgänge im Untergrund zu erhalten, die für die Erdhebungen unter der Altstadt verantwortlich sind. Inzwischen ist auch das Land mit im Boot. Ministerpräsident Günther Oettinger hat das Innenministerium und das Finzanzministerium angewiesen, einen Bericht über die Krisensituation in der Fauststadt vorzulegen.
Um keine Zeit zu verlieren, tritt die Stadt selbst bei der Finanzierung der Kernbohrung in Vorlage, die mit rund 300 000 Euro veranschlagt wird. Außerdem hat die Stadt ein Karlsruher Ingenieurbüro damit beauftragt, für die sechs meist gefährdeten Häuser in der denkmalgeschützten Altstadt ein provisorisches statisches Konzept zu erarbeiten. Eine endgültige Sanierung kommt (noch) nicht in Betracht, da es unverändert zu linearen Hebungen in den quellfähigen Schichten in bisheriger Geschwindigkeit kommt. Bis zu einem Zentimeter im Monat wächst die Altstadt über sich hinaus. Die letzten Messdaten wurden am 9. Dezember erhoben.
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Clemens Ruch vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau betonte heute bei der Pressekonferenz in Staufen, dass es zu der Kernbohrung, die voraussichtlich Anfang Februar erfolgen soll, keine Alternative gebe – trotz aller damit verbundenen Risiken. Doch nur so könne Klarheit über die Vorgänge im Gipskeuper erlangt werden, wo Wassereintritt von oben oder unten als Ursache für die Katastrophe gilt, die Schäden an mittlerweile 131 Gebäuden verursacht hat und deren Beseitigung nach Schätzung von Bürgermeister Michael Benitz einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen wird, sollte die Erde denn endlich zur Ruhe kommen.
Noch immer liegt die Vermutung nahe, dass die geothermischen Bohrungen hinter dem Rathaus vom Herbst 2007 der Quell allen Übels sind. Daher werde die Erkundungsbohrung ebenfalls in der Rathausgasse in unmittelbarer Nähe der sieben Sondenbohrlöcher erfolgen, um so Aufschluss über die Undichtigkeiten zu erhalten, die bereits 1500 Kubikmeter Wasser in die Gipsschichten befördert haben sollen. Diese Bohrung in 140 Meter Tiefe wird vollständig verrohrt, um weiteren Wasserzutritt in die Gipsschichten auszuschließen.
"Die Dramatik unserer Situation wird jetzt auch in Stuttgart erkannt", zeigt sich Bürgermeister Benitz nach einer Besprechung am vergangenen Freitag im Innenministerium erleichtert. Dort saßen auch das Finanzministerium, das Wirtschaftsministerium und das Umweltministerium mit am Tisch. Das weitere Vorgehen wird in den nächsten Wochen diskutiert, Geld wurden vom Land indes noch nicht zugesagt. Doch die Stadt könne die finanziellen Lasten allein nicht schultern, betonte Benitz, "oder das Land schickt uns gleich den Sparkommissar".
Schon im November hat Bürgermeister Benitz einen "Arbeitskreis Hebungsrisse" gebildet, der am Dienstag ein zweites Mal getagt hat und in den auch Geotechniker und Statiker sowie die Vertreter der Energieversorger eingebunden sind. Heute kündigte die Badenova an, 130 Gashausanschlüsse in der Altstadt genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Schon vor Monaten seien die Sicherheitsüberprüfungen des Netzes massiv ausgeweitet worden, erklärte Sprecher Erich Möck. Das Augenmerk richte sich jetzt auf die Einführung des Gasrohres in die Häuser. Sowohl an der Kellerinnenseite als auch an der Hausaußenseite wird kontrolliert, ob aufgrund der Bodenhebungen Spannungen am Material auftreten. Im konkreten Fall kenne die Badenova technische Verfahren, um eine mögliche Gefährdung dauerhaft und nachhaltig abzustellen. Laut Unternehmenssprecher Möck sollen die Überprüfungen noch vor Weihnachten anlaufen und voraussichtlich bis Mitte Februar abgeschlossen sein. Weniger Sorgen bereite die Stromversorgung. Bis auf einen Stromausfall sei hier nichts zu befürchten, so die Auskunft des Bürgermeisters nach Gesprächen mit dem Netzbetreiber.
Was die Sanierung der am stärksten geschädigten Häuser anbelangt, werde das von der Stadt beauftragte Ingenieurbüro aus Karlsruhe die Federführung übernehmen. "Die geschädigten Eigentümer werden jede erdenkliche fachliche Unterstützung erhalten," versicherte der Rathauschef.Sollten Provisorien zur statischen Sicherung der Gebäude notwendig sein, werde die Stadt auch hier bei den Kosten in Vorlage treten.
Autor: Markus Donner


