Kulturwoche: Virtuoses Spiel mit Farbeimern

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Fr, 15. Oktober 2010

Staufen

Coloro verzaubern bei der Kulturwoche mit einer Show, bei der der Strom nicht ausfallen darf.

STAUFEN. "Wie machen die das?", fragt sich der Zuschauer, der technisch versierte wahrscheinlich noch ein wenig länger als der unbedarfte. Aber nach einer Weile fragt man sich nicht mehr, sondern genießt nur noch, gefangen und fasziniert von der erstaunlichen Wunderwelt, die Coloro auf der Bühne erstehen lässt.

"Das hat die Welt noch nicht gesehen!" haben sie selbstbewusst als Motto in ihr Programm geschrieben, und in der Tat, man dürfte weit laufen müssen, um eine solch gekonnte Mischung aus Akrobatik, Equilibristik, Jonglage, Artistik, Charme und Witz zu erleben. Cornelia Clivio, Lorenz Matter und Romano Carrara präsentieren ihre Gags, als hätten sie sie eben erst erfunden, und man nimmt ihnen ihr Staunen gerne ab und staunt mit.

Die drei machen sich dabei neueste Techniken auf dem Gebiet der Multimedia zunutze, die den Zauber wesentlich erhöhen. Wenn der eine live auf der Bühne den Pinsel schwingt oder an der – multimedialen – Bar den Mixbecher schüttelt, setzt sich dieses Tun nahtlos eins zu eins in der Projektion fort, scheint sich die aus dem Projektor ergießende Farbe über das makellose Weiß des Maleranzugs zu verbreiten, steigern psychedelisch anmutende Lichtbilder die sowohl poetischen wie artistisch hochklassigen Bilder in ihrer Wirkung.

Der Titel Coloro ist nicht zufällig gewählt: Das Trio tritt als Malerteam auf und kehrt immer wieder in dieser handwerklichen Verkleidung zurück. Staunenswert auch, was mit simplen Farbeimern machbar ist: Sie eignen sich als Elemente im verblüffenden Spiel mit jonglierten Leuchtkugeln, als Projektionsfläche für allerlei mimischen Schabernack oder, zu schwindelnd hohen Türmen gestapelt, als Klettergerüst, auf dem sich trefflich turnen lässt, dies nun allerdings entschieden nicht zur Nachahmung empfohlen, aber, wie Coloro beweisen, möglich. Eine ganze Skala von Gefühlen löst die Schau aus: Bewunderung, Verblüffung – und nicht zuletzt Heiterkeit.

Was, so fragt sich der Zuschauer allerdings zwischendurch bang, passiert, wenn die Technik versagt, etwa durch Stromausfall? "Das haben wir schon gehabt, aber erst einmal", so die Auskunft der Künstler. Sie geben aber zu, dass sie und ihre Show extrem abhängig von der Funktion ihrer technischen Hilfsmittel sind – dafür wirken sie erstaunlich entspannt.

Und man wird von Coloro wahrscheinlich schon bald wieder hören, denn sie sind zum "Künstler des Jahres 2010" in der Sparte "Innovative Show" nominiert. Wer sie erlebt hat, drückt ihnen gern die Daumen.