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19. Dezember 2010 19:01 Uhr

Gebäudeschäden

Ministerpräsident Mappus besucht Rissestadt Staufen

Staufen hebt sich langsamer. Doch die Stadt will verhindern, dass ein allzu positives Signal ausgesendet wird. Der Grund: Ministerpräsident Stefan Mappus besucht die Rissestadt. Und die braucht Geld vom Land.

  1. Besucht am Montag die Fauststadt: Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus. Foto: Bert Kohl

STAUFEN. Das Tempo der Hebungen in Staufen hat sich noch einmal verlangsamt. Waren es vor rund einem Jahr noch stellenweise bis zu elf Millimeter im Monat, beträgt jetzt die Spitze nur noch sechs Millimeter. Doch die Stadt will auch jetzt jedem Signal nach außen vorbeugen, dass es schon nicht mehr schlimm sei – auch weil am Montag Ministerpräsident Stefan Mappus kommt.

Die Zahl der beschädigten Häuser ist mit 268 zwar gleich geblieben, aber laut Bürgermeister Michael Benitz werden die bestehenden Schäden von Tag zu Tag gravierender. Inzwischen untersucht das Büro für Baukonstruktionen aus Karlsruhe 129 besonders stark betroffene Immobilien regelmäßig darauf, ob sie noch sicher genug stehen. Deren Zahl erhöht sich laufend.

Interaktive Karte: Risse in Staufen

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Nur noch sechs Millimeter hebt sich die Stadt in der Spitze. Vor rund einem Jahr waren es stellenweise noch bis zu elf Millimeter im Monat. Aber jeder Millimeter, die der Untergrund unter Staufen nach oben drückt, sei einer zu viel, so Benitz in der Pressekonferenz der Stadt. Noch stünden keine großen Sanierungsmaßnahmen an, aber das könne sich auch ändern. Staufens Bürgermeister nannte es "toll", dass Mappus sein Versprechen gehalten habe und am Montag nach Staufen komme. Er wird die inzwischen bei Politikerbesuchen bekannte Runde drehen: Bohrstelle in der Kirchstraße und rückwärtiges Rathaus. "Das Land muss sich Gedanken über den zweiten Teil der Schlichtung machen und jetzt schon darüber nachdenken, woher das Geld kommen soll", sagte Benitz.

Dass die im Raum stehenden 50 Millionen Euro für die Sanierung aller Häuser nicht über die Stiftung zur Rettung der Altstadt aufgebracht werden können, ist klar. 600 Staufen-Krüge und rund 100.000 Briefmarken gingen seit dem Start der Spendenkampagne über den Ladentisch. Insgesamt 5000 Krüge hat die Staatliche Majolika-Manufaktur in Karlsruhe hergestellt.

Gemeinden spenden an Staufen

Ursprünglich eine Idee der französischen Partnerstadt Bonneville finden auch immer mehr Gemeinden in der Region die Idee charmant, pro Einwohner einen Euro an Staufen zu spenden. Buggingen und Hartheim wollen das jetzt so machen und einen entsprechenden Betrag aus dem Kommunalhaushalt überweisen. Zwar geht das Tempo der Hebungen stetig runter, aber laut Geotechniker Robert Breder verbietet es sich dennoch anzunehmen, dass es linear bald auf Null gefallen sein könnte. Seriöse Prognosen über den Fortgang des Prozesses seien nicht möglich.

In der Kirchstraße wird im Moment ein Brunnen gebohrt, um nach Fertigstellung noch mehr Grundwasser aus der Tiefe abzupumpen und am Eindringen in die Quellschicht aus Anhydrit zu hindern. Dass sich das positiv auf die Hebungsgeschwindigkeit auswirkt, ist wahrscheinlich, aber in welchem Maße ist Breder zufolge auch offen. Der Experte äußerte sich skeptisch über weitere geologische Maßnahmen zur Bekämpfung der Hebungen. Viel mehr als das Abpumpen des Grundwassers bleibe nicht übrig. Viele andere von Fachleuten diskutierte Aktionen seien zu riskant und könnten mehr Schaden anrichten als heilen.

Der Brunnen in der Kirchstraße wird aber später als gedacht in Betrieb genommen. Ursprünglich hätten die Bohrarbeiten bis Weihnachten dauern sollen. Jetzt sagt die Stadtverwaltung: Es wird mindestens Februar. Im Moment sind die Arbeiter bei 41 Metern angelangt. Rund 150 Meter tief soll der Brunnen am Ende sein.

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Autor: Hans Christof Wagner