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27. April 2011

Noch fünf statt elf Millimeter

Kampf gegen die Risse-Krise schreitet weiter voran.

  1. Der zweite Brunnen soll den Druck aus der Tiefe nehmen. Foto: H. Wagner

  2. Der zweite Brunnen soll den Druck aus der Tiefe nehmen. Foto: H. Wagner

STAUFEN. Die Stadt Staufen wird wohl auf unabsehbare Zeit Wasser aus der Tiefe hochpumpen müssen, um die Hebungen in Schach zu halten. In Kürze wird der in der Kirchstraße gebohrte zweite Brunnen in Betrieb gehen. Bald wird von der Anlage nichts mehr zu sehen sein, versprach Bürgermeister Michael Benitz bei der monatlichen Pressekonferenz der Stadt.

Es sind keine weiteren beschädigten Häuser hinzugekommen (immer noch 268) und die Hebungsgeschwindigkeit beträgt in der Spitze nur noch 5,5 Millimeter pro Monat – Benitz sagte, die Nachrichten seien nicht schlecht, sie böten aber auch keinen Anlass zur Euphorie. Hob sich der Boden unter Staufen jüngst noch um bis zu elf Millimeter pro Monat, habe sich das Tempo inzwischen halbiert. "Das kann sich zwar sehen lassen, aber es sind immer noch 5,5 Millimeter. Jeder Millimeter ist bei einer Gesamthebung von 38 Zentimetern einer zu viel", konstatierte Benitz.

Waren Stadt und Regierungspräsidium Freiburg anfangs noch davon ausgegangen, dass ein Brunnen allein zur Gefahrenabwehr ausreicht, ist jetzt klar: Abgepumpt werden muss an zwei Stellen gleichzeitig, über den Brunnen in der Kirchstraße und über die hinter dem Rathaus liegende Erkundungsbohrung. Sechs Liter pro Sekunde sind angepeilt. Diese fließen in den Neumagen.

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Ob das Abpumpen von Grundwasser wirklich notwendig ist, steht in Frage. "Es ist eine Präventivmaßnahme", sagte der mit dem Fall Staufen befasste Geotechniker Robert Breder. Womöglich gehe die Verlangsamung der Hebungen auch allein auf die Abdichtung der sieben Erdwärmelöcher zurück. Aber das wisse niemand mit Sicherheit. Niemand weiß wohl auch, wie lange Grundwasser aus der Tiefe geholt werden muss, um es am Einsickern in die Quellschicht aus Anhydrit zu hindern. "Andere technische Möglichkeiten gibt es im Moment keine, die Fachwelt muss weiter dranbleiben, um Alternativen zu entwickeln", forderte Breder. So bereite das Regierungspräsidium Freiburg in Staufen eine zweite Fachkonferenz vor, ähnlich zu der ersten, die Anfang 2010 in der Aula des Faust-Gymnasiums stattfand.

Der Untergrund von Staufen hebt sich in die Höhe und dieses Phänomen ist auf die Altstadt rund ums Rathaus beschränkt. Aber auch am Bahnhof und in der Krozinger Straße berichten Hausbesitzer von Schäden, an denen horizontale Verschiebungen des Untergrunds schuld sein sollen. Diese wurden nachgemessen. Die Ergebnisse liegen jetzt an der Uni Karlsruhe zur Auswertung. Benitz und Breder gaben sich aber zurückhaltend über die Aussagekraft der Werte. Es fehle an Referenzstellen, um das Ausmaß der Verschiebungen nachzuvollziehen. Aber die Schäden außerhalb der Altstadt sind laut Benitz auch vergleichsweise leicht. Dass Gebäudeschäden im Gewerbegebiet Gaisgraben und im Falkenstein mit den Erdwärmebohrungen zu tun haben, schließe er aus, so der Bürgermeister. Aber das letzte Wort hier habe nicht die Stadt, sondern die Schlichtungsstelle.

Autor: Hans Christof Wagner