Reflexionen eines äußerst kreativen Künstlers

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Di, 16. Mai 2017

Staufen

Haus der modernen Kunst zeigt Arbeiten von Gerhard Birkhofer anlässlich dessen 70. Geburtstag / Gutbesuchte Vernissage.

STAUFEN-GRUNERN. Einer der kreativsten Künstler, denen man im Haus der Modernen Kunst in Staufen immer wieder begegnen kann, ist der Bildhauer, Maler, Designer, Autor und Lehrer Gerhard Birkhofer. Ein Wiedersehen gibt es nun anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Galerie mit seinen neuesten Arbeiten unter dem Titel "Reflexionen".

Die vielen Bedeutungen, die dieses in die deutsche Sprache eingegangene Fremdwort beinhaltet, treffen bei genauerem Hinsehen in hohem Maße auf den Künstler selbst zu. Da ist zunächst die Rückschau auf sieben Jahrzehnte Leben: Hausherr Manfred Kluckert ließ es als langjähriger Weggefährte in Kurzform vorüberziehen und nutzte die Gelegenheit, seinem Freund zum 70. Geburtstag zu gratulieren. Den guten Wünschen schlossen sich die zahlreichen Besucher der Vernissage gerne an, vor allem Tochter Angela Birkhofer, die in einer gelungenen Mischung aus familiärer Verbundenheit und Fachkenntnis die Einführung hielt. Sie erklärte die Bedeutung des Wortes "Reflexion" speziell im Schaffen ihres Vaters – hat dieser doch in seinen jüngsten Arbeiten die "Rückstrahlung" von Licht und Farben zum zentralen Thema gemacht.

Im Umgang mit Materialien aller Art geübt, bediente er sich bei nicht wenigen der Kompositionen aus Metall, Glas und Holz der Magie des Spiegels und seiner vielen Möglichkeiten, die Fantasie zu beflügeln. Die Wirkung der meist quadratischen Bilder wird, wie in der Ausstellung zu erleben ist, dadurch erhöht, dass sie fast nie einzeln, sondern meistens als Serie zu sehen sind. Den Plan dazu, weiß Angela Birkhofer, hat ihr Vater fest im Kopf, bevor er beginnt, seine Ideen umzusetzen. "Der Zufall spielt dabei keine Rolle, alles ist genau festgelegt", sagte sie. Die dadurch entstehende perfekte Illusion von Licht und Schatten sei beabsichtigt als Angebot an den Betrachter, sich zu entspannen und sich auf die Vorstellungswelt des Künstlers einzulassen.

Reflexion bedeutet aber auch, interessanten Phänomenen gedanklich auf die Spur zu kommen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse aufs Papier zu bringen. Gerhard Birkhofer hat auch dies getan: als Kunstdozent an der Pädagogischen Hochschule und als Verfasser zahlreicher Fachbücher im Bereich Kunstpädagogik. Ihm zu verdanken sind Abhandlungen über die unterschiedlichsten Werkstoffe, die als Unterrichtsmaterial geschätzt werden, etwa "Plexiglas im Unterricht", "Prinzip Montage", "Phänomen Farbe" oder "Hand- und Arbeitsbuch zur Sach- und Raumdarstellung", um nur einige zu nennen. Seit 1982 lehrte er am Institut der Künste an der Uni Freiburg die Gebiete Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Fachpraxis mit Schwerpunkt Skulptur und Grafik. Zahlreiche Ausstellungen weltweit weisen ihn als einen der kreativsten deutschen Kunstschaffenden der letzten 50 Jahre aus. Und dennoch war laut Tochter Angela noch eine Steigerung möglich. Denn: "Seit seiner Pensionierung vor fünf Jahren ist er noch aktiver und auch mutiger geworden", sagte sie. Angesichts der aktuellen Ausstellung glaubt man ihr das gern.

Ausstellung Gerhard Birkhofer: "Reflexionen". Haus der Modernen Kunst, Ballrechter Straße 19 in Staufen-Grunern. Bis zum 18. Juni können Interessierte sie donnerstags bis samstags sowie an Sonn- und Feiertagen jeweils von 15 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung besuchen. Weitere Infos unter Tel. 07633/929441